Absa Cape Epic: Männliches Favoriten-Roulette mit XC-Beteiligung (2)

Die Titelverteidiger Karl Platt und Urs Huber vom Team Bulls und ihre Vorgänger Christoph Sauser und Jaroslav Kulhavy von Specialized Racing und die Topeak-Ergon Paarung Alban Lakata und Kristian Hynek werden am häufigsten als Anwärter auf den Gesamtsieg beim 14. Absa Cape Epic genannt, das am Sonntag im Weingut Meerendal beginnt. Doch da gibt es im Favoriten-Roulette auch noch ein paar andere Paarungen, darunter die Cross-Country geprägten mit Nino Schurter (Scott-Sram) und Manuel Fumic (Cannondale Factory Racing). Teil 2.

 

„Die beste Cape-Epic-Besetzung aller Zeiten“, mit solchen Attributen muss man vorsichtig sein, denn messbar ist das nicht unbedingt. Zumal es beim Etappenrennen am Kap ja nicht auf einzelne Fahrer, sondern auf die Teams ankommt. Dennoch ist die Ausgangskonstellation spannend, auch weil man einzelne Paarungen und ihre aktuelle Verfassung nicht so recht einschätzen kann. Ein wenig ist das Cape Epic ja auch ein Glücksspiel. Insofern ist Roulette vielleicht gar nicht der falsche Begriff. Lassen wir die Kugel also weiter kreisen.

 

DIE ETAPPENJÄGER: Schurter und Stirnemann

„Wir haben keine ernsthaften Ambitionen auf die Gesamtwertung. Für uns geht es in erster Linie darum Erfahrungen zu sammeln“, beschreibt Nino Schurter die Ausrichtung Scott-Sram. „Wir gehen auf Etappenjagd.“ 2018 wolle man dann „die Gesamtwertung angreifen“.

Nun, das Ansinnen, die mittelfristige Strategie mag man dem Olympiasieger und Weltmeister in der Cross-Country-Disziplin abnehmen. Doch wenn man sich anschaut wie sich das für ihn und seinen Partner Matthias Stirnemann beim Swiss Epic im September entwickelt hat, dann könnte es auch sein, dass die Taktik im Verlauf der Woche geopfert wird weil plötzlich die Gelegenheit da ist.

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Zwei Etappensiege beim Swiss Epic 2016: Nino Schurter (links) und Matthias Stirnemann ©Marius Maasewerd/EGO-Promotion

Das neu formierte Duo landete am Ende auf Position drei, nach einer ähnlichen Vorgabe zu Beginn. Wenn Nino Schurter eine Startnummer am Lenker hat, wird’s an der Motivation nicht liegen. Das Potenzial haben der 30-Jährige und sein 25-jähriger Partner auf jeden Fall.

>>Form

Von außen nicht einzuschätzen, aber wenn Nino Schurter sagt, dass er mit Matthias Stirnemann „nun viel trainiert“ hat und „er macht mir einen sehr guten und starken Eindruck“, dann darf man das für bare Münze nehmen. Schurter selbst könnte allenfalls den Olympia-Blues bekommen haben, weil er als Goldmedaillengewinner zu viel um die Ohren hatte, doch das wäre eine Überraschung. Wann hat es das zuletzt gegeben, dass der Schweizer nicht in Form war? Eben!

>>Backup-Team?

Ja. Michiel van der Heijden und Andri Frischknecht sind wie Matthias Stirnemann Cape-Epic-Debütanten. Wie stabil sie Hilfe leisten können, bleibt erst mal unsicher. Insofern kann man Schurter folgen, wenn er sagt, dass man erst mal lernen will. Gewiss bringen der Niederländer und der Schweizer aber ein sehr solides Niveau mit.

 

DIE UNBERECHENBAREN: Fumic und Avancini

Schwer einzuschätzen, sind der Schwabe und sein brasilianischer Teamkollege. Schon weil das Cannondale-Duo in seinen Ansagen deutlich auseinander liegt. Spricht Avancini im Interview mit dem Veranstalter gar von einem Gesamtsieg, sinniert Manuel Fumic nur über „ein Top-Fünf-Resultat“, auf das er hoffen würde. Was dem Duo ja im Vorjahr als Vierter bereits gelungen ist.

Ob das eine nun zu hoch gegriffen und das andere schwäbisches Understatement ist, das werden die acht Tage zeigen. Fumic ist schon mit Blick auf die Startliste vorsichtig.

Allerdings, darüber sind sich die beiden Cannondale-Cracks einig, im Gegensatz zum Vorjahr und auch im Gegensatz zum ersten Fumic-Auftritt (mit Marco Fontana) beim Cape Epic 2013 (5.), ist die Gesamtwertung das vorrangige Ziel.

Diesmal geht es nicht um einen Vorbereitungs-Baustein für den ersten Weltcup, sondern die Cape Epic steht für sich.

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Henrique Avancini und dahinter Manuel Fumic auf dem Weg zum Etappensieg am packenden letzten Tag des Cape Epic 2016, dahinter Nicola Rohrbach und Matthias Pfrommer
©Ewald Sadie/Cape Epic/SPORTZPICS

„Wir sind super gut vorbereitet“, glaubt Fumic. „Wir wollen erst mal solide durchkommen, an ein oder zwei Tagen wäre vielleicht auch ein Etappensieg drin“, meint der 34-Jährige.

>>Form

Bei Henrique Avancini gibt es bis dato keinen wirklichen Anhaltspunkt, nur die Eindrücke, die Manuel Fumic im Trainingslager von ihm gewonnen hat. Und der Umstand, dass Avancini aus dem brasilianischen Sommer kommt und um diese Jahreszeit immer relativ gut drauf ist.

Manuel Fumic war insgesamt dreimal in Südafrika. „Ich gehe mit einer anderen Form rein und es wird mich nicht so schlauchen wie letztes Jahr. Das Cape Epic war im Winter das Ziel und ich habe früher mit den Intensitäten angefangen als die Jahre zuvor“, erklärt Fumic. Seine Leistungen beim Rennen in Paarl und am vergangenen Sonntag in Mailand waren zumindest schon mal ganz gut.

>>Backup-Team?

Nein. „Wir gehen all-in“, sagt Teamchef Daniel Hespeler. So hoch hängt das Rennen für sie dann doch nicht. Aber im vergangenen Jahr hat’s auch so geklappt.

 

WHO IS WHAT? Kaufmann und Käß, Geismayr und Rohrbach

Ganz klar scheint es beim Team Centurion-Vaude nicht zu sein, welche Paarung nun die den größeren Ambitionen ist, wer also wen im Zweifel unterstützt. Möglicherweise kristallisiert sich das in den ersten Tagen erst heraus. Im Vorjahr waren es ursprünglich auch nicht Nicola Rohrbach und Matthias Pfrommer, auf die man gesetzt hat. Und dann standen die am Ende als Gesamt-Zweite auf dem Podium.

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Waren beim Cape Epic 2014 gemeinsam auch schon Etappensieger: Markus Kaufmann (links) und Jochen Käß ©Shaun Roy/Cape Epic/Sportzpics

Weil das mit Rohrbach, der eigentlich für Goldwurstpower.ch-Felt unterwegs ist, so gut geklappt hat, wurde sogar Transalp-Sieger Hermann Pernsteiner zuhause gelassen. Der, so Teamchef Richard Dämpfle in einer Pressemitteilung, sei für das Cape Epic mit den vielen Flachpassagen nicht prädestiniert.

Das zweite Centurion-Vaude-Duo sind Markus Kaufmann und Jochen Käß), die gemeinsam schon manche Schlacht geschlagen haben, beide im Vorjahr verletzt ausfielen, aber natürlich viel Know-How mitbringen. „Es ist meine sechste Cape Epic. Die Erfahrung ist also da, aber ohne vorherige Rennen bleibt die Einschätzung vage“, so Käß. Er war ja 2011 mit Hannes Genze schon mal Zweiter.

>>Die Form

Die beiden dreifachen Transalp-Sieger Kaufmann und Käß haben vorher noch kein einziges Rennen bestritten und waren auch noch erkältet.

Kaufmann ist deshalb leicht skeptisch. „Die Werte bei der Leistungsdiagnostik waren aufgrund der Erkältung nicht besonders. Es geht jetzt zwar jeden Tag etwas besser, aber auch nicht perfekt“, sagt der Deutsche Meister. Und Käß rätselt ohne Vorbereitungsrennen wo er steht.

Da weiß Nicola Rohrbach schon mehr. Er hat am Mittwoch das MTO Champions-Race gewonnen und er befindet sich, aus der Cyclo-Cross-Saison, sowieso an einem anderen Punkt als der Rest. Daniel Geismayr hat mit seinen drei zweiten Plätzen beim Swiss Epic (mit Käß) gezeigt, dass er Etappenrennen kann.

>>Backup-Team?

Ja. Nein. Kommt drauf an. Siehe oben. Vielleicht aber auch nicht die schlechteste Variante.

Favoriten-Roulette 1

Favoriten-Roulette 3

Die Etappen vom 19. bis 26. März 2017

Prolog           Meerendal                                       26 Kilometer/750 Höhenmeter

Etappe 1       Hermanus-Hermanus                  101/2300

Etappe 2       Hermanus-Elandskloof                102/2350

Etappe 3       Elandskloof-Elandskloof              78/1650

Etappe 4       Elandskloof-Oak Valley                112/2150

Etappe 5       Oak Valley-Oak Valley                   84/2100

Etappe 6       Oak Valley-Oak Valley                   103/2750

Etappe 7       Oak Valley-Val de Vie/Paarl         85/1350

Mehr Infos und jeden Tag Livestream auf cape-epic.com

Die Prolog-Startzeiten am Sonntag hier