Ben Zwiehoff im Interview: Der Masterplan soll zur schönen Story werden

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Bereit für den nächsten Karriere-Schritt: Ben Zwiehoff ©Armin M. Küstenbrück/EGO-Promotion

Er gilt als sehr talentiert, wurde Vierter bei der U23-EM in Schweden und bestreitet 2017 sein erstes Jahr in der Elite-Kategorie. Ben Zwiehoff als einen der deutschen Hoffnungsträger für die Nach-Fumic und Nach-Milatz-Ära zu bezeichnen ist sicher berechtigt. Dabei geht der Essener mit Sponsor Bergamont einen eigenen Weg. Vier Jahre Vertrag weisen auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio hin. Acrossthecountry.net hat sich mit dem Jura-Studenten  über seinen bisherigen Weg sowie seine Perspektiven unterhalten und dabei festgestellt: Es gibt einen Masterplan. Zwischendrin kommt auch Matthias Faber, Produkttest-Koordinator und Team-Manager bei Bergamont, zu Wort.  

 

ACC: Ben, auf der Eurobike wurde bekannt, dass Du gleich für vier Jahre bei Bergamont unterschrieben hast. Das ist ein ungewöhnlich langer Kontrakt. Mal provokativ gefragt: Hätte es ohne diesen Vertrag auch sein können, dass es nach Deiner U23-Zeit den Rennfahrer Ben Zwiehoff 2017 nicht mehr gegeben hätte?
Ben Zwiehoff: Nö, auf keinen Fall. Ich hätte ein, zwei andere Möglichkeiten noch gehabt. Es war allerdings so, dass ich schon im Mai mit Bergamont verhandelt habe. Eigentlich habe ich schon im April die ersten Gespräche geführt und vor der EM (Anfang Mai) mit meinem Vater zusammen die Verhandlungen dann richtig aufgenommen. Die Eckdaten standen quasi schon im Mai. Deshalb musste ich mich dann nicht mehr drum sorgen, was sicherlich auch eine gewisse Lockerheit in meinen Sport reingebracht habe. Das war eine super Ausgangslage für mich. Aber wie gesagt, es gab dann noch ein, zwei weitere Angebote, die ich mir durchaus hätte vorstellen können.

Warum hast Du Dich so früh auf Bergamont festgelegt?
Es war klar, dass Bergamont mein erster Ansprechpartner sein wird. Das war in den vergangenen Jahren auch immer so. Die haben schon so lange meinen bisherigen Weg begleitet und so stand was anderes für mich überhaupt nicht zur Debatte.

 

Matthias Faber: Wir haben immer schon viele Fahrer im Co-Sponsoring, auch Ben. Es hat Zeit gebraucht, aber vor zwei Jahren gab es schon die Perspektive. Unser Konzept beinhaltet Kontinuität und Fairness. Wir halten an den Athleten auch dann fest, wenn es mal nicht nach Plan läuft. Ich habe in Köln Diplom-Sportlehrer studiert und viel im Athleten-Management gemacht. Und da ist immer Thema, dass viel zu kurzfristig gearbeitet wird. Deshalb wollten wir bei Ben eine Langfristigkeit mit dem Ziel Olympia 2020.

 

Die anderen Anfragen, gingen die schon auch in Richtung Cross-Country, Weltcup, etc. oder hatten die eine andere Zielrichtung?
Nö, die zwei Konkreten, die ich hatte, die gingen auch in Richtung Cross-Country.

Du bist als Bergamont-Fahrer im Cross-Country ein Stück weit ein Einzelkämpfer, hast kein Team mit anderen Fahrer, Betreuern, Mechaniker und so weiter um Dich herum. Willst Du das so? Oder war das bei Bergamont auch mal ein Thema?
Wir haben das schon häufiger überlegt. Es stand immer mal wieder im Raum, dass wir ein Team mit mehreren Fahrern machen. Bei mir hat es aber auch so die letzten zwei Jahre gut funktioniert. Mein Vater (Hansjörg), der mich ja bei den Rennen, die nicht vom BDR übernommen werden, betreut, der hat da richtig Spaß dran. Er muss da auch finanziell nichts investieren. Ich habe mit ihm gesprochen, ob er sich das für vier Jahre vorstellen kann und er hat ganz klar das „Go“ gegeben. Die Weltcups werden vom BDR abgedeckt und Bergamont war damit auch immer zufrieden, wenn ich im Nationaltrikot fahre. Ich bin so total unabhängig in meiner Planung, es gibt keine Rennen, die ich fahren muss. Natürlich stimme ich das mit Bergamont ab, aber ich habe relativ freie Hand.

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Hansjörg Zwiehoff begleitet die Karriere seines Sohnes auch als dessen Coach ©Armin M. Küstenbrück/EGO-Promotion

Hast Du ein Budget, über das Du verfügen kannst?
Es kommt drauf an. Es gibt UCI-Rennen, die ich komplett selber finanziere weil die nicht in den normalen, von Bergamont gedeckten Kalender reinpassen. Und wenn ich eigene Trainingslager, außerhalb vom BDR, mache, trage ich die natürlich auch selber. Aber insgesamt sind die Kosten gar nicht mehr so hoch.

Und das gibt das Budget her?
Ja, das hat es die letzten zwei Jahre auch schon. Und jetzt wurde es noch mal deutlich verbessert. Es ist nicht nur so, dass ich die Reisen davon decken kann, sondern die nächsten vier Jahre, gemeinsam mit der Sporthilfe, auch meinen Lebensunterhalt davon finanzieren kann. Als Student bekomme ich wahrscheinlich noch ein Jahr ein Stipendium.

Von wem ist das Stipendium?
Von der Deutschen Bank. Das kann jeder Sporthilfe-geförderter Athlet, der im dritten Semester ist, beantragen.

Noch mal zum Team, bzw. Dir als Einzelkämpfer. Du sagst, das passt für Dich alles, mit Deinem Vater. Was ein Team aber auch noch ausmacht: Man hat Gesellschaft, Trainingsgefährten, etc. Wie ist das für Dich in Essen?
Erst mal ist das für mich in Essen da gar nicht so schlecht für einen Mountainbiker. Ich habe Leute, mit denen ich Trainieren fahren kann. Zum anderen muss man auch sagen: ich war bei der Eurobike mit allen Bergamont-Mitarbeitern zusammen und der Team-Gedanke, der existiert in der Firma auch.

 

Matthias Faber: Ben ist bei uns schon lange richtig angekommen. Wir haben immer wieder darüber nachgedacht, ob wir ein Team mit mehreren Fahrern zusammenstellen, uns gefragt, wen könnte man da verpflichten. Aber letztlich ist es dann eine Budget-Frage. Wir wollen in allen Segmenten des Mountainbike-Sports am Start sein. Aber für Ben würde auch eine Eigenständigkeit verloren gehen, die er, glaube ich, ganz gerne hat. Hansjörg und Ben sind autark, aber auch sehr zuverlässig

 

Ich habe mich da schon richtig gut integriert und zu den Mitarbeitern einen guten Draht entwickelt. Zudem verstehe ich mich mit den Gravity-Fahrern von Bergamont sehr gut und bei den Weltcups sehen wir uns auch. Da herrscht auch ein relativ guter Team-Geist. Und wir treffen uns auch regelmäßig in Hamburg. Wir sind eine große Familie.

Wer sind denn Deine Trainingspartner?
Sean Feldhaus oder Florian Kortüm. Aber Du hast natürlich Recht, man könnte mit ebenbürtigen Leuten qualitativ noch hochwertiger trainieren. Dafür versuche ich mich mit Schulle (Markus Schulte-Lünzum) zu

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Bisweilen Trainings-Gefährten: Markus Schulte-Lünzum (vorne) und Ben Zwiehoff ©Armin M. Küstenbrück/EGO-Promotion

treffen. Das klappt zwar nicht so oft, wie ich mir das wünschen würde, weil die Entfernung nach Haltern das doch komplizierter macht. Aber wir versuchen es regelmäßig.

Du studierst Jura. Wie verzahnst Du das ab kommendem Jahr mit dem Sport? Jura studiert man nicht so nebenher, bzw. ohne Ziel damit auch was anzufangen.
Ja, da hast Du Recht. Bedingt dadurch, dass mir mein letztes U23-Jahr wichtig war, habe ich da nichts gemacht, was die Scheine angeht. Ich habe versucht mein Wissen auf dem Laufenden zu halten, aber keine Klausuren geschrieben. Das wird sich 2017 ändern. Da werde ich auf jeden Fall wieder ans Studium rangehen. In welchem Umfang, kann ich noch nicht sagen. Das hängt vom Zeitmanagement ab. Ich habe mir viel vorgenommen. Ich möchte so schnell wie möglich den ersten Abschnitt schaffen. Allerdings bin ich nicht so weit entfernt von meinem ersten Staatsexamen. Ich bin überrascht, wie viele Scheine ich schon gemacht habe (lacht).

Mit welchem Ziel studierst Du Jura?
Da habe ich viele Ideen. Von Kanzlei über Politik bis zum den kaufmännischen Bereich bei einer Radsport-Firma, zum Beispiel bei Bergamont. Ich bin seit diesem Jahr auch Mitglied der Zwillings-Karriere der Sportstiftung NRW. Das ist ein Projekt, in dem man neben Studium und Sport schon Berufserfahrung sammeln kann. Da erhoffe ich mir auch ein paar geschäftliche Kontakte zu knüpfen. Bei der Sporthilfe gibt es da auch Unterstützung. Ich denke, mit einem abgeschlossenen Jura-Studium lässt sich schon was finden.

Innerhalb dieser vier Jahre, wie weit wirst Du im Studium da kommen?
Schwer zu sagen. Ich werde auf gar keinen Fall mein Staatsexamen machen. Da muss ich ehrlich sein: das ist zu viel Aufwand neben dem Sport. Ich denke, ich habe auch im Studienbereich mein Potenzial, wie im Sport auch. Und ich würde mich wahrscheinlich mein Leben lang ärgern, wenn ich da mein Staatsexamen nur so hinrotzen würde und die Möglichkeiten nicht nutze, die ich habe. Ich will so weit wie möglich kommen und alle Punkte zusammen haben, dass ich es machen kann. Ab dem Zeitpunkt würde ich wahrscheinlich Urlaubssemester beantragen, um mich voll auf den Sport zu konzentrieren.

Das wäre dann ungefähr wann?
Das wäre Richtung 2018, 2019. Dann könnte ich mich auf Olympia-Quali und Olympia konzentrieren.

Bis Tokio 2020 sind vier Jahre zu bestreiten. Wie stellst Du Dir Dein erstes, zweites Elite-Jahr vor?
In der Elite habe ich ja schon ein bisschen Erfahrung gesammelt auf nationaler Ebene. Aber Weltcup ist eine ganz andere Hausnummer. Ich sehe das ja auch an den Ergebnissen der anderen Fahrer aus den letzten Jahren, die in der U23 gut waren. Man kann das nur schwer vorhersagen. Ich glaube aber schon, dass jeder Fahrer, der in der U23 bei EM oder WM mal in die Top Acht gefahren ist, sollte eigentlich in der Lage sein auch in der Elite in die Top Ten zu fahren. Es ist die Frage, wie nutzt man sein Potenzial? Ich bin mir komplett sicher, dass ich im Trainig noch Reserven habe. Wir haben das mal analysiert und erkannt, dass da noch viel Luft nach oben ist, was bestimmte Aspekte angeht. Und die mentale Geschichte darf man auch nicht vernachlässigen.

Inwiefern?
Man entwickelt sich von Jahr zu Jahr weiter. Es war nicht alles hundert Prozent perfekt, aber es war viel konstanter und das obwohl die Voraussetzungen am Anfang des Jahres gar nicht sonderlich berauschend waren. (Zwiehoff wurde durch einen Infekt im März mehrere Wochen ausgebremst). Da habe ich viel gelernt. Ich bin überzeugt, dass ich an einem guten Tag ein Top-15-Kandidat wäre im Weltcup. Aber es ist auch die Frage, wie gut kommst du von hinten nach vorne. Nove Mesto (Weltcup-Auftakt 2017) ist eine Strecke, das hat Christian (Pfäffle) dieses Jahr gezeigt, auf der man auch von ganz hinten Top 15 fahren kann, wenn man die Form und die Beine dazu hat. Da will ich so gut wie möglich fahren.

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Platz vier bei der U23-EM in Schweden war ein Saison-Highlight – obschon die Ausgangssituation dort alles andere als perfekt war. ©Andreas Dobslaff/EGO-Promotion

Du hast gesagt, dass dieses Jahr nicht alles optimal war. Dein Infekt kam zu einer ungünstigen Zeit. Aber wenn man über die gesamten vier U23-Jahre zurückblickt, dann hat man von außen auch den Eindruck, dass ein sehr talentierter Ben Zwiehoff extrem hohe Werte aufs Pedal bringt, aber die Resultate damit nicht überein stimmen. Trügt der Eindruck?
Die letzten drei Jahre schon. Dieses Jahr war ich schon recht zufrieden. Gerade 2015 habe ich nicht alles raus geholt, was möglich war. Was man mir andichtet ist, dass meine Werte nicht fürs Cross-Country, sondern für eine andere Disziplin, für etwas Längeres ideal wären. Aber Cross-Country macht mir doch am meisten Spaß. Das habe ich dieses Jahr noch mal ganz deutlich gemerkt. Deshalb ist ein Wechsel für mich auch keine Option. Dieses Jahr würde ich den Leuten entgegnen, okay, meine Werte waren besser denn je, aber meine Ergebnisse waren auch besser denn je. Im Weltcup ist so viel Tagesform dabei. Ich habe Tage, da denke ich, da würde ich jeden Weltcup damit gewinnen, aber auch andere, da wird es nicht mal mehr für einen U23-Bundesliga-Sieg werden. Das ist alles noch relativ inkonstant. Aber da sehe ich auch meine Chance. Dass eben mehr von diesen guten Tagen kommen.

Wie bei der U23-EM in Schweden?
Ja, obwohl ich da ja eigentlich keine gute Form hatte. Wenn ich keinen guten Tag habe, wie in Albstadt, dann läuft es halt nicht. Aber das ist bei vielen U23-Fahrern so.

Was würdest Du sagen, wie kommt es zu diesen Schwankungen?
Dieses Jahr hundertprozentig durch die Krankheit bedingt. Ich musste dadurch im Frühjahr relativ früh einen Peak (Höhepunkt) setzen. Ich bin viele Intervalle gefahren, vor der EM, aber wenn Dir ein Monat Grundlagen-Training fehlt, dann geht das auch schnell wieder runter. Seit dem Bundesliga-Rennen am Nürburgring war es dagegen ziemlich konstant. Jetzt am Ende des Jahres habe ich die Konstanz, die ich am Anfang gerne gehabt hätte. Insgesamt wird das aber auch durch die Lebenskilometer stabiler.

Wer steuert denn Dein Training?
Das macht mein Vater. Der ist ja A-Trainer und betreut auch noch Stefanie Dohrn und Cemile Trommer.

Und wie arbeitet Ihr zusammen? Wie funktioniert Eure Kommunikation?
Ich habe einen Trainingsplan, aber viel geht individuell und spontan. Da ist viel Absprache drin, was Körpergefühl angeht und ganz viel Flexibilität drin. Wenn ich morgens merke, heute ist kein guter Tag, dann finden wir eine Lösung. Ich denke, das ist wichtig, einen Trainer zu haben, dem du viel Feedback gibst, der deinen Körper kennt und herausfindet, wie man die Form möglichst gut steuert. Mir hat dieses Jahr der Umfang ziemlich gutgetan.

Der Umfang?
Ja. Ich saß fast immer, wenn ich trainiert habe, vier Stunden auf dem Rad, mindestens. Und das hat mir gutgetan. Wir haben es schon immer geahnt, aber wir wollten nicht in der U23 zu früh zu viel machen. Aber das sind Sachen, die muss man ausprobieren.

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In Lenzerheide wurde Ben Zwiehoff von Sturz-Verletzungen gebremst ©Lynn Sigel/EGO-Promotion

Gibt es denn einen Plan, wie die vier Jahre bis Tokio 2020 verlaufen sollen? Du hast schon angesprochen, dass man in der U23 noch nicht alles ausreizen sollte. Wenn man sich das aufspart, hat man vermutlich einen Plan, wann man das dann ausreizen will, oder?
Ja. Bezeichnenderweise ist der Plan bereits in der U15 entstanden. Mein Vater sagte damals zu mir: wenn du das möchtest, dann baue ich dich so auf, dass du in der Elite oben ankommst und im zweiten, dritten Elite-Jahr deine absolute Top-Leistung erreichst. Das hat die letzten Jahre auch gut hingehauen. Wenn du die Werte nimmst, dann hatte ich immer eine deutliche Steigerung drin. Ich habe noch nie stagniert. Das hat mir mit am meisten Spaß gemacht, dass es immer weiterging. Auf diese Geschichte verlasse ich mich auch.
Wenn so ein langfristiger Plan, der seit acht, neun Jahren läuft, so gut funktioniert, glaube ich, dass auch das Sahnehäubchen in der Elite oben draufkommen wird. Ich habe keinen Weltmeister-Titel geholt in der U23 oder Medaillen, aber ich war immer nah dran. Jetzt will ich überraschen in den nächsten Jahren und ich glaube, dass das gar nicht so unwahrscheinlich ist.

Matthias Faber: Ben ist der Spitze immer ein wenig hinterher gehechelt. In jungen Jahren waren viele vor ihm, zum Beispiel ein Severin Lehmann. Dass er den Willen hat, sich durchgebissen hat, auch ohne die großen Erfolge, das zeichnet ihn aus. Er besitzt eine starke Persönlichkeit.

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Ein langjähriger Zwiehoff-Kenner und -Begleiter: Matthias Faber, Produkt-Tester und Team-Manager bei Bergamont ©Bergamont

Für uns als Unternehmen ist es wichtig, dass er kommunikationsstark ist. Er ist kein biederer Typ, sondern eine coole Sau, wie man sie im Gravity öfter findet. Insofern passt er super zu unseren Downhillern. Wenn es darum geht in den Bikepark zu gehen, ist Ben der Erste, der dabei ist.

Durch die vielen Jahre war es immer harmonisch. Wenn es ein Tief gibt, dann gibt es mit Familie Zwiehoff trotzdem keine Schwierigkeiten. Selbst in schwierigen Zeiten sehen sie immer das Positive.

 

 

Das klingt alles nach einem Masterplan.
Ja, das ist so. Wir haben uns da auch nicht reinreden lassen. Wenn er aufgeht, dann wäre es eine coole Story (grinst).

Es gibt das eine oder andere Beispiel von Nachwuchs-Sportlern, die als Schüler und Jugendfahrer alles abgeräumt haben und die dann keinen Hunger auf Erfolg mehr haben. Bei Dir scheint das keine Gefahr zu sein, oder?
Auf keine Fall. Ich war ja vom Rennverlauf bei beiden internationalen Meisterschaften nah dran. Das hat mich auch ein wenig angenervt, dass es nicht funktioniert hat. Dementsprechend ist der Hunger da.

Gut, bei der EM musstest Du aufgrund der Vorgeschichte damit rechnen, dass es nicht hinhaut.
Ja, schon. Aber wenn du auf vier fährst und der Mäse (Marcel Guerrini, Bronze-Medaillengewinner) war ja nicht immer extrem weit weg. Dann willst du es schon versuchen. Aber es stimmt schon, damit war nicht zu rechnen. Deshalb war ich mit Platz vier auch umso glücklicher.

Bei der WM konntest Du eher drauf hoffen.
Da war es vom Rennverlauf her so, dass ich nicht so viel falsch gemacht habe. Aber es hat das Quäntchen gefehlt um aufs Podium zu fahren. Ich glaube aber, dass ich das im Moment im Tank hätte.

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In Huskvarna gab es für Zwiehoff zwar keine Einzelmedaille, aber EM-Bronze im Team. Es war übrigens die dritte EM-Medaille für Zwiehoff mit Staffel – in Folge. ©Armin M. Küstenbrück/EGO-Promotion

Du bist 2016 im ältesten U23-Jahrgang. Gemeinsam mit deinem langjährigen Kumpel Martin Frey bist Du der Älteste im Nationalkader. Wie siehst Du das, was hinter Euch nachkommt? Auch im Vergleich zu der Perspektive, die Du vor drei Jahren als jüngster Jahrgang hattest?

Der Nachwuchs ist super. Die U23 von diesem Jahr war klasse. Ich fand das extrem cool, dass wir uns in Deutschland nicht verstecken müssen, was die Nachwuchsarbeit angeht. Aber ich finde es immer schwierig Vergleiche zu ziehen. Man hat immer verschiedene Bedingungen und es ist müßig. Sicher, Max (Brandl) mit seinem vierten Platz in Andorra, der Lukas (Baum) und der Georg (Egger) haben das Potenzial ganz vorne rein zu fahren.

Die Frage ist halt immer: was kommt oben an. Daran wird eine Nation gemessen. Wir müssen uns allerdings ankreiden lassen, dass in den vergangenen Jahren keiner ganz oben angekommen ist. Vielleicht ist mein Werdegang mit konstanten Verbesserungen dann der bessere. Mir war das wichtiger als irgendwelche Nachwuchs-Titel. Aber ich habe keine Glaskugel und es kann auch schief gehen.

Womit wir wieder beim Anfang wären: Man benötigt die Unterstützung auch ohne die ganz großen Erfolge.
Ja, da bin ich Bergamont so dankbar, dass sie mir bis 2020 die Chance geben. Ich habe jetzt die Zeit, mich da hin zu entwickeln. Der Leistungsdruck kommt nicht von anderen, sondern nur von mir selber. Das ist ein absoluter Luxus, den nur wenige haben. Unter den Rahmenbedingungen, die auch noch passen. Wer hat schon vier Jahre Vertrag? Das ist eine riesige Chance für mich und ich wäre mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn ich das nicht nutzen würde. Ich stehe jeden Morgen auf und denke, geil, dass du so leben darfst.

Matthias Faber: Wir sind sehr zufrieden mit dem Deal, freuen uns drauf vier weitere Jahre mit Ben und seinem Vater zusammen zu arbeiten und sind stolz einen solchen Athleten hoffentlich bis Tokio 2020 zu begleiten.