Brasil Ride#3: Hinterrad-Drama kostet Käß und Geismayr Etappensieg

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Da waren sie bereits alleine in Führung: Daniel Geismayr und Jochen Käß bei einer Flußüberquerung ©Armin M. Küstenbrück/EGO-Promotion

Der vierte Tag des Brasil Ride hatte am Mittwoch ein paar dramatische Wendungen zu bieten. Die Gesamtführenden Fabian Rabensteiner und Alexey Medvedev (Trek-Selle San Marco) gewannen ihre dritte Etappe, profitierten dabei aber vom Pech bei Daniel Geismayr und Jochen Käß. Das Duo von Centurion-Vaude lag bis fünf Kilometer vor dem Ziel klar in Führung, als dann eine kleine Brücke kam…Weltmeister Tiago Ferreira und Ex-Weltmeister Roel Paulissen (Protek) erlebten einen rabenschwarzen Tag und fielen auf Gesamtrang vier zurück.

 

Pardon Jochen Käß und Daniel Geismayr, aber das Schmunzeln kann man sich nicht verkneifen. Man muss einfach ein wenig in Jugenderinnerungen kramen, um sich vorzustellen, wie das ausgesehen hat, als die beiden Centurion-Piloten versuchten die letzten fünf von 85 Kilometern auf einem Fahrrad zu bewältigen. Oder sich eine kurze Sequenz des Videos (Vídeo oficial Etapa 4 – Stage 4 – 85 km Guaratinga), etwa bei Minute 4:20,

anschauen.

Was war bis dahin passiert?

Jochen Käß und Daniel Geismayr haben zum General-Angriff geblasen. Etwa nach der Hälfte der Distanz fuhren der Deutsche und der Österreicher den Trägern des Gelben Trikots, Rabensteiner und Medvedev, weg. „Die waren heute eindeutig die Stärksten. Für mich war der Tag heute sehr schwer, aber Alexey hatte gute Beine und hat mir sehr geholfen“, erklärte Rabensteiner.

Zwischen acht und zehn Minuten Vorsprung fuhren Käß und Geismayr heraus und es lagen nur noch rund fünf Kilometer vor ihnen, als sie eine kleine Brücke überqueren mussten.

Jochen Käß schildert die Situation so: „Die Brücke hatte Längsholz-Streben. Ich war hinter Daniel und habe die nicht gesehen. Es ging so schnell, ich wollte drüber springen, aber es hat nicht gereicht. Mit dem Hinterrad bin ich auf die Kante geknallt und habe das Laufrad total zerstört.“

Mit der Lausbuben-Variante

Um dennoch ins Ziel zu kommen, wählten Käß und Geismayr zwei Varianten. Erstens fuhr Geismayr, das Rad von Käß auf dem Rücken tragend und Käß rannte hinterher. Dann wählten sie die Lausbuben-Variante: Käß setzte sich aufs Oberrohr, pedalierte und lenkte, während sein Kollege im Sattel sitzend dessen Bike über der Schulter trug.

Man kann sich vorstellen, dass es nicht ganz so schnell und ziemlich wackelig vorwärts ging. Etwa einen Kilometer vor dem Ziel wurden Käß/Geismayr von Rabensteiner/Medvedev überholt. „Wir konnten es fast nicht glauben“, gestand Rabensteiner, doch bis ins Ziel konnten sie noch 2:13 Minuten Vorsprung heraus fahren.

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Wie in alten Zeiten: Daniel Geismayr und Jochen Käß versuchen irgendwie ins Ziel zu kommen. ©Screenshot Video Brasil Ride

Käß und Geismayr bekamen kurze Zeit später noch Hilfe in Form eines Ersatz-Laufrads (ist beim Brasil Ride erlaubt) und erreichten das Ziel 2:50 Minuten vor Hans Becking/Jiri Novak (CST Superior Brentjens), die am vierten Tag wieder mit funktionierendem Freilauf unterwegs waren.

„Unter normalen Umständen wird es jetzt schwer noch den Gesamtsieg zu holen. Aber nichts ins unmöglich. Wir waren heute gut unterwegs und Roel und Tiago hatten heute einen ganz schlechten Tag“, meinte Daniel Geismayr am Abend.

Desaster für Paulissen/Ferreira – Kaufmann und Prado schieben sich auf Rang drei

Der Belgier Roel (Paulissen) und der Portugiese Tiago (Ferreira) mit 48 Minuten Rückstand ins Ziel, so dass Geismayr und Käß auf Rang zwei vorrücken konnten und mit 16:43 Minuten Rückstand in die letzten drei Tage gehen.

Der Schweizer Lukas Kaufmann und der Brasilianer Hugo Prado (Orthrocin-Cannondale Lefty) schoben sich durch den vierten Etappenplatz (+17:08) auf Rang drei, 37:16 Minuten hinter dem Führungsduo. Paulissen und Ferreira liegen knapp 17 Minuten dahinter auf Rang vier.

„Es war extrem hart heute“, meinte Kaufmann zur Königsetappe, „aber wir haben es uns gut eingeteilt. Wir waren eine Zeit lang auf Position sieben, aber auf einmal konnten wir noch drei Teams überholen. Es liegen aber noch drei harte Tage vor uns.“

Positionskämpfe bei Kreuchler/Maletz

Christian Kreuchler und Christopher Maletz (r2Bikes.com/Fujibikes-Rockets) beendeten die bisher schwerste Etappe auf Platz acht (+25:08) und verloren in der Gesamtwertung eine Position.

„Wir sind zufrieden wie es läuft. Christian fährt mir am Berg davon, aber ich holen in bergab wieder ein. Gegen Ende konnten wir wieder Plätze gut machen“, erklärte Maletz. Als Siebte (+1:11:55 Stunden) gehen die beiden Deutschen in die letzten drei Tage. Knapp drei Minuten vor ihnen liegen Wolfgang Krenn und Ondrej Foitik (Mitas Kaiser Force) auf Platz sechs und gut drei Minuten hinter ihnen mit Hernani Silva/Andrew Henriques zwei Portugiesen auf Rang acht.

 

Damen: Einbruch bei den Leaderinnen

Ivonne Kraft und Celina Santos Carpinteiro haben auf der Königsetappe fast ihren kompletten und komfortablen Vorsprung hergegeben. Ivonne Kraft leidet an einer Erkältung, doch Carpinteiro wollte das nicht zu hoch bewerten.

„Wir hatten einfach keine guten Beine und mussten in den Anstiegen viel Laufen. Ivonne hat wirklich gekämpft, aber es ging nicht mehr“, so die brasilianische Partnerin der Deutschen.

Sie wurden zwar noch Tages-Zweite, verloren aber 57:36 Minuten gegenüber Isabela Lacerda/Leticia Candido (Brazilian Rockets).

Auf 18:53 Minuten ist der Vorsprung von Kraft/Carpinteiro jetzt zusammen geschmolzen.

Ergebnisse

Interviews von Armin M. Küstenbrück