Bundesliga Gedern: Wo sind sie nur geblieben?

FOTO|DM-Junioren-Podium 2009 von links: Wenzel Böhm-Gräber, Julian Schelb, Markus Schulte-Lünzum, Martin Gluth, David Simon ©Werner Schulte-Lünzum/EGO-Promotion

Am Samstag und Sonntag gastieren Nachwuchs-Sichtung und Bundesliga im hessischen Gedern, organisiert vom TGV Schotten. Der Klub hat vor acht Jahren die Nachwuchs-DM ausgerichtet, damals am Hoherodskopf. Der amtierende Deutsche Meister Markus Schulte-Lünzum (Focus XC) ist Deutscher Meister in der U19 geworden und ist seinen Weg vorbildlich durch die U23-Klasse bis zur Elite gegangen. Doch der Blick in die Ergebnislisten von 2009 provoziert auch ein nachdenkliches Kratzen am Hinterkopf.

Platz eins, zwei, drei: Markus Schulte-Lünzum, Julian Schelb als jüngerer Jahrgang und Martin Gluth damals noch mit Bronze bedacht, nachdem er in Führung liegend mit einem unaufmerksamen Streckenposten kollidiert war.

Dieses Trio ist noch aktiv und wenn man sieht, dass Schulte-Lünzum U23-Weltcup-Gesamtsieger war, Julian Schelb U23-Vizeweltmeister und Martin Gluth immerhin Junioren-EM-Dritter, dann hat das mit der Nachwuchsförderung ja funktioniert.

Ab Jahrgang 1990 begann man sich im BDR im männlichen Bereich ja zunehmend Hoffnungen darauf zu machen, dass man wieder international konkurrenzfähigen Nachwuchs an den Start bringen konnte. Die sich teilweise ja auch erfüllt haben oder auf deren Erfüllung man noch hoffen kann.

Weniger erfreulich wird es wenn man die Ergebnislisten nach unten scrollt. Da findet man – immer noch U19 männlich – die Namen Wenzel Böhm-Gräber (4.), David Simon (5.), Sascha Bleher (6.),

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Triumphierte bei der Junioren-DM am Hoherodskopf 2009: Markus Schulte-Lünzum ©Armin M. Küstenbrück/EGO-Promotion

Marcus Nicolai (7.), Lukas Kuch (8.), Jan Carlsen (9.), Tim Müller (10.)…., die Reihe ließe sich fortsetzen und bis auf eine Hand voll Ausnahmen, ohne allzu große sportliche Relevanz, taucht von den 71 Startern heute niemand mehr in den Ergebnislisten der Cross-Country-Rennen auf.

Nun, der Auslese-Prozess ist Leistungssport-immanent und hätte auch nur die Hälfte bis heute weiter gemacht, dann würden bei Bundesliga-Rennen 150 bis 200 Deutsche am Start stehen.

Die jüngeren Jahrgänge immer: Silber

Gravierender wirkt sich aus, dass von den damals 14 Juniorinnen eigentlich nur noch eine wirklich übrig geblieben ist. Helen Grobert, heute Cannondale Factory Racing, wurde – als jahrgangsjüngere Fahrerin – Zweite hinter Mona Eiberweiser, die schon im Jahr zuvor Junioren-Europameisterin war. Eiberweiser beendete ihre Karriere wegen Rückenproblemen.

Elisa Ries (3.) und Julia Haase (4.), hörten als U23-Fahrerinnen auf, Sarah Bosch (5.) hat in der rad-net-Rangliste im Jahr 2014 ihren letzten Eintrag, von Stephanie Frank (6.) steht 2016 kein Ergebnis mehr. Theresa Wolfrum, damals 13. hat immerhin einen langen Atem bewiesen und ist immer noch am Runden drehen. Vergangenes Wochenende gewann sie ein kleineres Rennen in Altenstadt. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, aber es wird klar, warum die Decke im weiblichen Rennsport-Bereich so dünn ist.

Auch wenn man sich die U17 anschaut, ergibt sich dasselbe Bild: Johanna Techt holte sich damals den Titel vor Lena Putz (witzig: auch sie als Silbermedaillengewinnerin jüngerer Jahrgang) und Lena Wehrle.

Johanna Techt, zweifache Junioren-EM-Dritte, konnte nach ihrem tragischen Rodel-Unfall ihre Karriere nicht mehr fortsetzen. Lena Putz, Junioren-Vizeweltmeisterin 2011 und – WM-Dritte 2012, hatte ihre Probleme mit den Verbandsstrukturen, oder die mit ihr, und zudem einen schweren Unfall auf der Skiroller-Strecke.

Lena Wehrle ist zwar noch aktiv, aus beruflichen Gründen allerdings auf Sparflamme. Was danach kam: Chiara Eberle (4.) wechselte irgendwann zum Enduro, Sophia Ries (5.) hörte auf, Julia Thaler (6.) fuhr auch nur noch bis 2014, Vanessa Kleih (7.) stoppte ihr Engagement nach 2015. Majlen Müller (8.) hat ihr Engagement 2017 auch zurück geschraubt. Der Rest der damals 18 U17-Fahrerinnen ist, soweit bekannt, auch nicht mehr aktiv.

Aus der U23: Bauer, Stiebjahn, Holz…und Weschta

Der männliche Gegenpart: Severin Lehmann holte sich am Hoherodskopf den Titel vor Martin Frey (stimmt: auch jüngerer Jahrgang) und Christian Pfäffle. Die beiden sind übrigens auch die ersten Schülermeister (2007 Pfäffle, 2008 Frey), die auch in der Elite noch dem Nationalkader angehören.

Während Lehmann Anfang der U23 aufgab, ist Louis Wolf (4.) noch am Start, genauso wie Christopher Platt (7.), der aber mehr Marathons fährt. Jan Kalt (5.), Simon Krautloher (6.) und wie sie alle heißen: in der Elite nicht angekommen.

Interessanterweise kommt viel weiter hinten noch einer, der am Sonntag stark Podest-verdächtig ist: Ben Zwiehoff wurde 29.

Aus dem U23-Klassement gibt es aus den Top-Ten noch einen einzigen, der am Sonntag das Bundesliga-Rennen bestreitet: Markus Bauer war hinter Manfred Reis und Marcel Fleschhut Dritter. Bundesliga-Titelverteidiger Simon Stiebjahn ist auch noch so ein Relikt aus dieser Zeit. 24. war er damals. Max Holz fährt am Sonntag auch in Gedern und war vor acht Jahren 30. Und Thomas Weschta (40.) ist in Gedern auch dabei, allerdings „nur“als Fotograf am Streckenrand.

Leistungssport wird an Medaillen gemessen

Es bleiben aus den Nachwuchs-Klassen also wenig  Sportler im System. Auch von den U17- und U15-Sportlern, die am Samstag und Sonntag in Gedern die Nachwuchs-Sichtungs-Serie des BDR bestreiten wird man nach acht Jahren nur noch wenige mit Startnummer am Lenker sehen. Und vermutlich nur teilweise die, welche am Sonntag auf dem Podium stehen.

Das  ist allerdings bei anderen Sportarten auch nicht viel anders und auch keine neue Erkenntnis. Nur auf den ersten Blick, nun ja: fast erschreckend. Ein Leistungssport wird letztlich – in der Öffentlichkeit – vor allem daran gemessen, wie viele internationale Medaillen er zu Tage fördert.

Ob es über die Jahre eine Veränderung beim “Abfluss” von Sportlern aus dem System gegeben hat  und gibt, wäre allerdings durchaus Gegenstand eines interessanten Forschungsprojekts.