Christian Pfäffle: Mit Moritz Milatz raus aus dem Bummel-Modus

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Zählt bei der DM zu den Medaillenkandidaten: Christian Pfäfffle ©Erhard Goller

Durch seine starken Vorstellungen in den vergangenen Monaten ist Christian Pfäffle in seinem ersten Elite-Jahr zu einem Medaillenkandidaten bei der Deutschen Meisterschaft geworden, die am Wochenende in Lohr am Main stattfindet. Acrossthecountry.net hat beim 23-Jährigen Neuffener nachgefragt ob er das selber auch so sieht und wie er sich seinen Leistungssprung erklärt.

Christian, vor knapp zwei Wochen bist Du bei den Weltmeisterschaften in Tschechien großartiger 15. geworden. Wie bewertest Du im Rückblick selbst diese Leistung?
Ich glaube, das war das beste Rennen, das ich jemals gefahren bin. Das habe ich mittlerweile realisiert. Es hat mir nach den zwei schweren Jahren gezeigt, dass ich es eigentlich kann. Dass es so weit nach vorne reicht, das habe ich vorher selber noch nicht so gedacht. Jetzt schaue ich halt mal, wie der Rest der Saison vollends verläuft.

Du sprichst von den zwei schwierigen Jahren 2014 und 2015. Aus dieser Perspektive hast Du im ersten Halbjahr einen gewaltigen Leistungs-Sprung vollzogen. Lässt sich in ein paar Sätzen erklären, wie der zustande kam?
Letzten Endes weiß man nie so genau, warum es auf einmal wieder läuft. Aber ich denke, einen ganz großen Anteil daran hat, dass ich die letzten zwei Jahre im Winter sechs bis acht Wochen nicht trainieren konnte und mir für die Saison so die Basis gefehlt hat. Ich habe immer mal wieder ein ganz gutes Rennen hinbekommen, aber halt keine Konstanz reingebracht. Das war wohl der limitierende Faktor. Dieses Jahr war die Vorbereitung eben optimal, war nie groß krank, konnte mit der Nationalmannschaft nach Mallorca und Südafrika. Dort konnte ich viel mit Moritz (Milatz) trainieren. Ich glaube das hat mir auch viel gebracht, weil das Training mit ihm qualitativ ziemlich hochwertig war. Zuhause fahre ich halt oftmals alleine.

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Von der Zusammenarbeit mit Moritz Milatz profitiert, nicht nur im Rennen: Christian Pfäffle mit Moritz Milatz im Schlepptau ©Erhard Goller

Was macht das Training mit Moritz qualitativ so hochwertig?
Moritz hat halt ein ziemlich hohes Leistungsniveau und wenn einer das hat, bringt mich das eben auch weiter. Weil ich in jeglicher Hinsicht von ihm lernen kann.

Was ist das, wodurch du profitierst?
Ich denke, hauptsächlich die langen Einheiten haben mir was gebracht. Bei mir ist es so, wenn ich lange fahre, komme ich ein wenig ins Gebummel rein, dass ich einfach keinen Zug auf der Kette habe, über fünf, sechs Stunden. Das kann Moritz halt ziemlich gut. Das waren die Einheiten, die mich richtig weitergebracht haben.

Bundestrainer Peter Schaupp meinte nach dem WM-Rennen: jetzt haben wir den alten Christian Pfäffle wieder. Ist es der Alte oder ist es ein ganz Neuer?
(Lacht). Schwer zu sagen. Im Endeffekt habe ich über die Jahre nicht viel am Training verändert. Auch von der Einstellung her ist es ähnlich. Klar, wenn es läuft, macht man sich weniger Gedanken. Das ist sicher ein Unterschied zu den letzten beiden Jahren. Aber es stimmt schon auch. Mich hat die WM in Nove Mesto sofort an die U23-WM in Südafrika 2013 erinnert, wo ich auch kontinuierlich nach vorne gefahren bin. Da war ich zwischenzeitlich auf vier, bin dann aber leider noch eingebrochen. Das hatte ich in Nove Mesto übrigens auch im Kopf (lacht), aber es hat zum Glück geklappt.

Das könnte auch der mit Moritz erreichten Stabilität zu verdanken sein, oder?

Auf jeden Fall. Ich habe einfach eine bessere Grundlagen-Ausdauer und komme deshalb auch mit meinen Spitzen höher. Ich denke, dass das der Schlüsselfaktor war.

Durch Deine Leistungen bist Du für Viele zum DM-Medaillenkandidaten geworden. Siehst du dich selbst auch so?
Ja. Ich sag’ mal so: ich bin auf jeden Fall einer der Vielen, die in die Medaillenränge fahren können. Aber bei einer DM ist das ganz anders als bei internationalen Rennen.

Inwiefern?
Da stehen am Sonntag alle auf einer Linie und es wird ganz anders sein wie beim Weltcup. Allein schon vom Streckenprofil her und wie man das Rennen angeht. Da gibt es auch immer wieder Überraschungen. Dass ich vom Leistungsniveau her auf Medaillenkurs sein kann, das steht, glaube ich, außer Frage. Aber es sind Viele, die gezeigt haben, dass sie gut sind. Ich denke, es gibt ein spannendes Herren-Rennen.

Fumic, Milatz, Schulte-Lünzum gehören zu den Aspiranten. Wen siehst Du sonst noch?
Ich denke Ben Zwiehoff hat schon gezeigt, dass er es kann. Und ein Sascha Weber darf man nicht unterschätzen. Der hat gerade richtig gute Form, auch wenn er mehr Marathon fährt.