Der Sprint-Weltmeister verlässt seine Disziplin

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Daniel Federspiel bei seinem Bundesliga-Sprint-Sieg in Titisee-Neustadt: Das wird es künftig nur noch in Ausnahmefällen geben. ©Armin M. Küstenbrück/EGO-Promotion

Der Eliminator Sprint verliert seine Plattformen. Deshalb sieht sich auch Daniel Federspiel zu einer Kehrtwende gezwungen. Der zweifache Weltmeister im Eliminator Sprint verlagert 2017 seinen Schwerpunkt auf die Cross-Country-Disziplin. Radstars.at hatten schon im November darüber berichtet. Der Grund dafür ist in einer Entwicklung zu suchen, die bereits 2015 eingeleitet wurde.

Warum ein Weltmeister seiner Spezialdisziplin überhaupt den Rücken zu kehrt, hat mit einer Entscheidung zu tun, die vom Radsport-Weltverband UCI 2014 getroffen wurde

Nach nur vier Jahren wurde dem Eliminator Sprint für die Saison 2015 der Weltcup-Status wieder genommen. Grund war, dass das Internationale Olympische Komitee (IOC) eine Aufnahme ins olympische Programm ablehnte und die UCI daraufhin die finanziellen Aufwendungen innerhalb der Weltcup-Serie nicht mehr tragen konnte. Oder wollte.

Es war vorauszusehen, dass die Disziplin danach keine echte Überlebenschance haben und in Richtung Abstellgleis unterwegs sein würde. Die Fortführung der Sprint-Weltmeisterschaften, die Beibehaltung des Bundesliga-Sprints, die City-Sprints in Benelux oder des Austria-Cups, das alles reichte als Plattform nicht aus. Bis auf einige Spezialisten, zu denen auch Federspiel gehört, fehlt der Disziplin die Masse an Sportlern. Aller Attraktivität zum Trotz.

Nur noch ein Bundesliga-Sprint

Den Austria-Cup gibt es 2017 nicht mehr, in der Bundesliga im kommenden Jahr auch nur noch einen Sprint (beim Finale in Freudenstadt). Und die WM wird innerhalb der neu geschaffenen „Urban Cycling Games“ ausgetragen, mit BMX Freestyle und Trial. Wodurch das Thema vollends aus dem Blickfeld des MTB-Sports und seiner Protagonisten gerät.

So sah sich auch der zweifache Europa- und zweifache Weltmeister Daniel Federspiel gezwungen seinen Schwerpunkt wieder in Richtung olympische Disziplin zu verlagern. Der Österreicher ist ja vor der Einführung des Sprints auch Cross-Country- und Marathon-Rennen gefahren. Wie schnell und wie gut er sich auf den längeren Distanzen schlagen kann, wird man erleben. Die Zeit der „Start-Buletten“ als er zum Spaß in Cross-Country-Weltcup-Rennen in Runde eins vorneweg gefahren ist, dürfte aber vorbei sein.

Federspiels Körper muss umgeformt werden

Man stelle sich vor: Tokio 2020, Daniel Federspiel kommt mit Nino Schurter auf die letzten 500 Meter, es geht um Gold oder Silber. Federspiel, mit seinen ultraschnellen Beinen, wäre vom Schweizer kaum zu schlagen.

Die Frage ist allerdings: Wie kommt Federspiel überhaupt erst dahin? Erst nach Tokio zu den Olympischen Spielen und dann dort bis zu diesem Sprint-Duell? Das ist, was den 29-jährigen Tiroler umtreibt und was ihn dazu veranlasst hat just bei dem Trainer anzuklopfen, der Nino Schurter seit Nachwuchs-Zeiten betreut und ihn zu Weltmeister-Titeln und Olympia-Sieger-Ehren geführt hat: Nicolas Siegenthaler.

Nun macht ein Trainer wie Siegenthaler natürlich nicht aus jedem Sportler Olympiasieger und Daniel Federspiel weiß das auch. Er träumt auch nicht von Gold sondern von einer Olympia-Teilnahme überhaupt.

Dafür muss der Hausmeister aus Imst seinen Körper (wieder) umformen, damit er die 90 Minuten zwischen Startphase und Finale auch in hohem Tempo bewältigen kann. In der Tiroler Tageszeitung berichtet Federspiel bereits von zwei Kilogramm Körpergewicht, die er verloren hat und dass er „wohl schon einiges an Muskelmasse verlieren“ würde.

Trainingsprogramm verdreifacht

Der Umfang seines Trainingsprogramms hat sich deutlich gesteigert. Was er bisher in drei Wochen trainiert habe, würde jetzt in einer absolviert.

Es sei für ihn der einzig mögliche Plan gewesen, so Daniel Federspiel. Er hätte sich schon überlegt auf die Straße zu wechseln – da sind schließlich gute Sprinter gefragt – , aber es sei dann doch „die beste Entscheidung“ gewesen auf dem MTB zu bleiben. Plätze in Profi-Teams zu finden ist für einen Quereinsteiger nun gewiss nicht einfach.

 Daniel Federspiel_muscles_by Andreas Dobslaff
Ein bisschen von diesen Muskelpaketen wird schon verschwinden müssen ©Andreas Dobslaff/EGO-Promotion

Als Junior gewann er im damaligen Europacup ein Rennen und beendete die Serie als Zweiter hinter Weltmeister Robert Gehbauer. Im Marathon wurde er 2009 in Estland U23-Europameister und 2008 war er damals in Albstadt Zweiter.

„Im ersten Jahr wird es eher schwer, da ich erstens mal Punkte brauche und zweitens mein Training ja komplett umstellen muss, bzw. gerade mittendrin bin“, erklärt Federspiel gegenüber acrossthecountry.net. „Aber ich denke, ich habe nichts zu verlieren und es ist eine Herausforderung für mich.“

Was er bisher an Umfängen trainiert habe, das habe Nicolas Siegenthaler als Programm für Hobby-Biker bezeichnet, „aber für den Sprint war es top“, sagt Federspiel, der bisher von Kollege Thomas Litscher gecoacht wurde.

Sprint-WM bleibt im Blickfeld

Bei Europa- und Weltmeisterschaften in der Sprint-Disziplin will er aber nach wie vor dabei sein. „Und wenn ein XCE vor einem XCO ist, hindert uns das auch nicht“, meint Federspiel, dessen Ziel es aber ist bei der Cross-Country-WM in Cairns dabei zu sein.

Übergeordnetes Ziel sei Olympia 2020. „Bis dahin habe ich ja noch dreieinhalb Jahre Zeit“, meint er lachend. Aber den weitaus größeren Zeitaufwand muss er bis dahin auf jeden Fall mit seinem Hausmeister-Job besser verzahnen können. Mit den aktuell 30 Arbeitsstunden pro Woche kommt er an seine Grenzen.