DM Bad Säckingen: Die Jungen scharren mit den Hufen, die Alten sind gewarnt

 120709_GER_BadSaeckingen_Fumic_Milatz_acrossthecountry__mountainbike
Manuel Fumic vor Moritz Milatz. Ein Foto von der DM 2012 in Bad Säckingen. Fumic wurde Meister, Milatz gab später auf. ©Erhard Goller

Auf dem Papier müsste alles auf ein Duell zwischen Titelverteidiger Moritz Milatz (BMC Racing) und seinem Vorgänger Manuel Fumic (Cannondale Factory Racing) hinaus laufen. Doch am Ende könnte das auch eine Milchmädchen-Rechnung sein. Die Jungen scharren mit den Hufen und die Routiniers, na ja, müssen mit Unbekannten kalkulieren.

Es ist eine andere eine Konstellation entstanden, als sie noch Anfang Juni existiert hat. Zu diesem Zeitpunkt war Moritz Milatz mit Weltklasse-Leistungen der stärkste Deutsche im Weltcup. Auch Manuel Fumic bezeichnete den vierfachen Meister vor vier Wochen als Favoriten.

Doch wie bei den Damen hat das erste Rennen nach einigen Wochen ohne Cross-Country-Wettbewerbe, die Kräfteverhältnisse verschoben. Moritz Milatz erlebte in Lenzerheide eine Enttäuschung. Allerdings nivellierte sich das Empfinden nach den ersten beiden Trainingstagen in dieser Woche wieder. „Im Training ging es ganz gut. Als ob es den Sonntag nicht gegeben hätte“, erzählt Milatz.

Er sei jetzt ganz zuversichtlich. „Ich werde schauen was geht und alles rausholen, was drin ist“, sagt der Titelverteidiger. Was auch sonst. Einfacher wäre es natürlich für ihn gewesen, wenn er in Lenzerheide ein Top-Ten-Resultat eingefahren hätte.

Sein Hauptkonkurrent ist sicher Manuel Fumic. Der hat seit der EM am 8. Juni keinen Wettkampf mehr bestritten und muss deshalb mit einer kleinen Unsicherheit leben. Intensive Einheiten hatte er sich noch nicht gegönnt. Weil im Grunde der nächste Weltcup zwei Wochen später der Fixpunkt im Aufbau ist. Das ist ein gewisses Risiko.

Manuel Fumic: Kein haushoher Favorit
„Ich glaube, dass ich mit einer sehr guten Form am Start stehe und der Kurs liegt mir. Aber eine DM ist immer ein Rennen für sich und die junge Generation rückt nach. Ich erwarte ein interessantes Rennen und sehe keinen haushohen Favoriten“, meint der Kirchheimer.

Er rechne aber auf jeden Fall mit einem starken Moritz Milatz. „Er hat schon oft bewiesen, dass er bei einer DM auf den Punkt fit sein kann“, so der Cannondale-Fahrer, der 2012 in Bad Säckingen Deutscher Meister wurde. Er wird am Sonntag die 13. Elite-DM seiner Karriere bestreiten.

 140511_7016_by_Weschta_GER_Saalhausen_acrossthecountry_mountainbike_XC_ME_Fumic.
Hier ist die Meute, die Manuel Fumic (links) und Moritz Milatz jagen wird: Julian Schelb (Mitte), hinter ihm Markus Schulte-Lünzum, daneben Simon Stiebjahn und hinter dem Martin Gluth und ganz außen Markus Bauer ©Thomas Weschta / EGO-Promotion

Ein junges Quintett will die Alten ärgern
Die junge Generation, von der Fumic spricht, das sind, auf Sonntag bezogen, fünf Fahrer. Markus Bauer (24) vom Lexware-Team aus Kirchzarten, Markus Schulte-Lünzum (23, Focus XC) aus Haltern, der 2013 in Bad Salzdetfurth schon Dritter war, der Münstertäler U23-Vize-Weltmeister Julian Schelb (21, Multivan-Merida), der ganz ohne Druck ins Rennen gehen kann und Simon Stiebjahn (24, Team Bulls) aus Titisee-Neustadt, der allerdings aufgrund muskulärer Probleme zuletzt einen Trainingsausfall zu verkraften hatte. Vermutlich wird für ihn die DM nur eine Durchgangstation sein.

Bisher hatte man Schulte-Lünzum als den Kandidaten angesehen, der – wie schon im Vorjahr – am längsten vorne mithalten oder gar eine Gefahr darstellen kann. Auch wenn er vergangenen Sonntag zum Schluss etwas eingebrochen ist, nahm er aus der Pfalz „ein gutes Gefühl mit“. Und an Optimismus fehlt es ihm auch nicht. “Ich freue mich auf die DM”, sagt er. Und sicher nicht nur zum Spazieren fahren.

Das Gefühl von Markus Bauer dürfte sogar noch besser sein. Natürlich können sich die Kräfteverhältnisse am Sonntag wieder verschieben. Doch die Sicherheit eine gute Form aufgebaut zu haben, ist dem Deutschen Vize-Meister im Marathon und im Sprint nicht mehr zu nehmen. „Platzierungsmäßig habe ich keine großen Erwartungen, aber ich fühle mich gut und hoffe, dass es nicht so heiß wird. Das wäre für mich ein Nachteil“, sagt Bauer.

Simon Stiebjahn ist eigentlich vom gleichem Kaliber, doch wie am Sonntag in Schopp zu besichtigen war, hat dem Deutschen Sprint-Meister die Zwangspause nicht gut getan. Er wird die DM im Neu-Aufbau wohl eher „so mitnehmen“.

Julian Schelb ist dagegen guter Dinge. Der freiwillige Aufsteiger aus der U23-Kategorie hat nichts zu verlieren. „Spaß haben und die vorne ein bisschen ärgern“, nennt er seine Ziele. Allerdings hat auch er partiell schon gezeigt, dass da mehr draus werden könnte.

Vermutlich muss man den Kreis noch erweitern auf Martin Gluth (23, EBE-Racing). Der Wahl-Freiburger ist ein wunderbarer Fahrtechniker, was auf dem trickreichen Kurs am Waldbad auf jeden Fall von Vorteil ist. Und er hat in Schopp gezeigt, dass die Form, die richtige Kurve beschreibt.

Kurschat überlegt

Und aus der Ü30-Fraktion? Jochen Käß (Centurion-Vaude), immerhin sechsfacher DM-Medaillen-Gewinner im Cross-Country, ist durch die am Sonntag startende Transalp verhindert. Torsten Marx (Kreidler Werksteam) ist für ein Top-Ten-Resultat auf jeden Fall gut. Wolfram Kurschat (Topeak-Ergon), im Vorjahr noch Vize-Meister, überlegt, ob er überhaupt starten soll. Diese Woche war auch wieder von anderen beruflichen Verpflichtungen überlagert, so dass er sich ohnehin nicht viel ausrechnet.

Masters: Favoriten schwer einzuschätzen
Bei den Masters wären die Aussichten für die gerade Genannten natürlich glänzend, obschon auch das Leistungs-Niveau der Protagonisten in den Altersklassen ganz beachtlich ist.

In der Masters-Kategorie 1 ist Lutz Baumgärtel (Scott) der Favorit. Der Bautzener dürfte unter anderem in André Kleindienst (Bergamont-Hayes) aus Förste und in Sven Pieper (Focus-Rapiro) von der DJK Grafschaft seine Konkurrenten haben. Allerdings ist die Gemengelage im Vorfeld schwer einzuschätzen, weil die Masters in der Konstellation vorher gar nicht aufeinander getroffen sind.

Uli Brucker (Wheeler-iXS) ist Titelverteidiger in der Masterskategorie 2-4. Der Hausacher gewann voriges Jahr vor Erik Hühnlein (TuS Stromberg) und Stefan Danowski (Bergamont-Hayes) aus Hamburg.