Eliminator-WM Chengdu: Erneut Silber für Gegenheimer – Titel an Perrin Ganier

FOTO | Titouan Perrin Ganier (3) war nicht nur am Start der Stärkste. Simon Gegenheimer (6) eroberte Silber vor Lorenzo Serres (8). ©Armin M. Küstenbrück/EGO-Promotion

Simon Gegenheimer (Rose-Vaujany Ultra Sports) hat sich bei der Eliminator-WM im chinesischen Chengdu zum zweiten Mal die Silber-Medaille geholt. Den großen Triumph verwehrte ihm jedoch der Franzose Titouan Perrin Ganier. Bronze ging an dessen Landsmann Lorenzo Serres.

 

„Es ist ein Traum, unglaublich“, schüttelte ein sichtlich bewegter Titouan Perrin Ganier den Kopf. Der Europameister ebnete den Weg zum Titel mit dem besten Start der vier Final-Teilnehmer. Während sich Simon Gegenheimer in Kurve eins an zweiter Stelle einreihte, verlor der Spanier Alberto Mingorance da schon alle Chancen, als er gleich eine Lücke kassierte.

Titouan Perrin Ganier gewann in technischen Passagen immer wieder einen Meter und als es auf die lange Gerade ging, die wohl Gegenheimers größte Chance für eine Attacke gewesen wäre, klaffte bereits eine Lücke von etwa zehn Metern zwischen Platz eins und zwei.

Weltcup-Gesamtsieger Gegenheimer musste da eher aufpassen, dass ihn Lorenzo Serres nicht noch den Silber-Rang wegschnappte. Dem Titel trauerte er aber nur kurz nach.

„Nach so einem Rennen muss man immer sagen: Gold verpasst. Aber ich war jetzt dreimal im WM-Finale und habe drei Medaillen geholt. Damit muss man zufrieden sein“, kommentierte Gegenheimer und zollte dem siegreichen Franzosen Respekt:

„Er war heute wirklich schneller. Am Start war er immer super schnell, im Viertel- und Halbfinale hat er noch gepokert und Kraft gespart, aber im Finale hat er durchgezogen und Stück für Stück die Lücke aufgemacht. Ich habe alles probiert, aber er war weg.“

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WM-Podium: Simon Gegenheimer, Titouan Perrin Ganier und Lorenzo Serres ©Armin M. Küstenbrück/EGO-Promotion

Für Titelverteidiger Daniel Federspiel war der Weg zum angepeilten WM-Hattrick bereits im Halbfinale versperrt. Dort trafen sich der noch amtierende Weltmeister, der Europameister und der Weltcup-Gesamtsieger

Von Federspiel sah man einen eher kraftlosen Auftritt. Schon zur Hälfte der Distanz hatte er eine Lücke zu Perrin Ganier und Gegenheimer und keine Chance mehr auf die Final-Qualifikation.

Dort verursachte der Österreicher dann einen offensichtlichen Fehlstart und wurde disqualifiziert. „Körperlich war ich top fit, aber mental war ich nicht so stark wie sonst. Dass es nicht mein Tag war, hat man gesehen. Mit dem Fehlstart..ich war vorher schon verplant und nach dem Aus im Halbfinale war ich noch mehr verplant. Ob jetzt Vierter, Siebter oder disqualifiziert, ich wollte gewinnen. Aber es kann nicht immer klappen.“ Vielleicht, so Federspiel, habe auch seine schwierige Sponsoren-Situation eine Rolle in seiner mentalen Verfassung gespielt. Die Reise nach China sei aber auf jeden Fall „sensationell“ gewesen.

Heiko Hog: Im Viertelfinale schon Vollgas

Im zweiten Halbfinale scheiterte Heiko Hog (Freiburger Pilsner) gegen Lorenzo Serres und Alberto Mingorance. Der Schwarzwälder konnte das Pech des Qualifikations-Schnellsten Hugo Briatta (Frankreich) nicht nutzen, der durch einen Defekt den Final-Einzug verpasste.

Hog hatte bereits nach der Hälfte den Anschluss an Serres und Mingorance verloren und keine Chance mehr auf den Final-Einzug.

„Ich bin im Viertelfinale von vorne Vollgas gefahren weil ich unbedingt ins Halbfinale wollte. Zum Glück lag ich gleich an erster Position und konnte durchziehen. Dann war aber im Halbfinale nicht mehr möglich“, erklärte Hog.

Im kleinen Finale verschenkte er den möglichen sechsten Platz, weil er auf der Zielgeraden nicht mehr mit dem Schweden Johan Widen rechnete. Der schob das Vorderrad gerade noch so an Hog vorbei, so dass der Siebter wurde, zumal Federspiel ja nicht mehr im Rennen war.

„Schade, aber ich bin trotzdem sehr zufrieden, nachdem in der Vorbereitung mit meiner Knie-Verletzung nicht alles optimal gelaufen ist. Mein Ziel war Halbfinale, das habe ich erreicht“, konstatierte Hog.

Wagenbauer rutscht aus dem Pedal

Vitus Wagenbauer (Velo Oberland), der die elfte Quali-Zeit erzielt hatte. Wagenbauer hatte allerdings Pech, weil er im Zielsprint „saublöd“ aus dem Pedal rutschte und deshalb keine Chance mehr hatte.

„Generell bin ich zufrieden, ich bin ja nach langer Krankheitspause erst seit zwei Wochen wieder im Training. Der Trip hat sich für mich auf jeden Fall gelohnt. Ich sehe das ja quasi als professionelles Hobby und habe in dieser Woche auch alle Sightseeing-Sachen mitgenommen“, fasste Wagenbauer das Abenteuer China zusammen.

Im Endklassement war der Bayer dann auch Elfter.

Gutmann muss Quali zweimal bestreiten

Simon Gutmann (Freiburger Pilsner-Merida) musste die Qualifikation zweimal bestreiten. Bzw., er durfte. Bei seinem ersten Versuch war ein Hund auf der Strecke und Gutmann landete auf Rang 17. Damit hätte er den Einzug ins Viertelfinale verpasst. Er durfte noch einmal ran – und wurde 16.

„Das hat mich schon aus dem Rhythmus gebracht“, gestand Simon Gutmann, „aber darauf will ich es nicht schieben. Die beiden Franzosen waren einfach stark.“ Das bestätigte sich im weiteren Verlauf: Es waren Weltmeister Perrin Ganier und Bronze-Medaillengewinner Serres.

„Den Belgier hätte ich gerne noch gekriegt, aber es hat nicht mehr gereicht. Ich bin trotzdem zufrieden, dass ich hier das Viertelfinale erreicht habe.“

Gutmann wurde auf Rang 14 notiert.

 

Zitate aus Chengdu aufgezeichnet von Armin M. Küstenbrück!