Ex-Meister Robert Mennen fährt für Charity-Projekt Embrace the World

Die Welt umarmen. Mittels Radsport. So könnte man frei übersetzen, was Embrace The World Cycling ausmacht. Das Radsport-Team aus Deutschland fährt Rennen und unterstützt damit Zweirad-Enthusiasten in Afrika. Ab diesem Jahr auch auf dem Mountainbike und mit einem prominenten Mann an Bord: Ex-Marathon-Meister und Cape-Epic-Sieger Robert Mennen.

 

Radrennen in Afrika? Südafrika, ja, sicher, kennt man schon. Aber Senegal? Kongo? Togo? Dort macht ein Sportler spezielle Erfahrungen. Mit Armut, natürlich, aber auch mit Gastfreundschaft, ideellen Werten, aber vor allem auch in Bezug auf Enthusiasmus für den Radsport. Mit Kontinental-Teams hat Micha Glowatzki Einladungen zu Rennen in Afrika erhalten. Die Erlebnisse dort haben ihn bewogen ein Projekt, genauer: eine Radsport-Mannschaft, auf die Beine zu stellen, um etwas zurück zu geben.

Es seien eigentlich verschiedene „Einzelideen“ gewesen, aus denen das Team „Embrace The World Cycling“ (ETW) entstanden ist, sagt Initiator Micha Glowatzki. „Zum einen ein neues Team zu kreieren, aber eben eines, das es längerfristig geben soll.“ Der zweite Part war die Idee, soziales Engagement mit Sport und Team zu verbinden. Und der dritte Gedanke war, das und die Rennen in – aus mitteleuropäischer Sicht – exotischen Gefilden, in die es nur wenige europäische Radsportler Wettkämpfe bestreiten, filmisch festzuhalten und zu dokumentieren.

 

Kompromiss aus Einstellung, Leistung und Ergebnissen

So kam es Ende 2015 zur Gründung von „Embrace The World Cycling“. Das Team aus A-Fahrern bestreitet ganz normal Straßen-Rennen, aber eben auch welche in Afrika. Wie die Tour of Congo oder die Tour of Senegal. Und produzierte kurze, atmosphärisch dichte Video-Clips, um damit Schlaglichter auf die Bedingungen zu werfen, unter denen dort Radsport betrieben wird, um Geschichten zu erzählen, die für Aufmerksamkeit sorgen. „Die Resonanz war sehr positiv und das Interesse ist von Monat zu Monat gestiegen“, berichtet Glowatzki.

Die Team-Mitglieder, so der Bochumer, würden einen „recht langen Prozess“ ausgewählt. „Einfach deshalb weil das Menschliche und unsere Philosophie zu helfen geteilt werden muss“, erklärt Glowatzki. „Ein guter Kompromiss aus Leistung, Ergebnis und der richtigen Einstellung zu unserem Projekt“, seien die Kriterien.

Senegal: Drei Radsportler, ein Rad

Auf vielfältige Art und Weise versucht Embrace The World der Radsport-Gemeinde in diesen Ländern zu helfen. Spenden-Gelder sind das eine. Material-Sammlungen und ihre Verteilung vor Ort eine andere.

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Freude strahlende Gesichter: Embrace The World Cycling ©ETW

„Im Senegal teilen sich manche Leute zu dritt ein Fahrrad. Der eine trainiert morgens, der zweite mittags und der dritte abends. Die haben einfach kein Zugriff auf Material“, berichtet Julian Biefang. Daher sammeln die Beteiligten alles ein, was sie finden können. Oder aus der Rad-Branche gespendet wird. Wie Helme von Canyon, die bei PR-Aktionen benutzt wurden. Oder übrige Klamotten, Schläuche, was auch immer. Auch Paul Lange, der Shimano-Distributor in Deutschland, unterstützt mit Material.

Durch einen „glücklichen Zufall“ war Julian Biefang bei der Team-Suche auf das Projekt gestoßen. Und war sofort begeistert. Er war teilweise bei Straßen-Rennen mit dem Team am Start, aber weil er ein leidenschaftlicher Mountainbiker ist, entstand bei ihm rasch die Idee, das Projekt auf eine MTB-Abteilung auszudehnen.

Robert Mennen: Von der Idee überzeugt

Der Produkt-Manager für XC-Bikes bei Canyon konnte dafür auch einen „dicken Fisch“ an Land ziehen: Robert Mennen, der seine Leistungssport-Karriere im Herbst 2015 beendet hat. Eigentlich. 2016 war er für Firebike-Drössiger noch ein paar Rennen

gefahren, wollte eigentlich aber 2017 gar nicht mehr für ein Team fahren. Bis ihn Julian Biefang überzeugte. „Ich empfinde das Projekt als eine gute Sache. Ich komme zwar nicht mehr so viel zum Radfahren, aber am Ende sollte trotzdem ein gewisser Betrag für den guten Zweck zusammen kommen“, erklärt Mennen.

Mennens sportliche Ambitionen „nicht sehr hoch“

Außerdem, so der Cape-Epic-Sieger (mit Kristian Hynek) und Deutscher Marathon-Meister von 2013, komme er dadurch „wieder in den Genuss auf Canyon Bikes unterwegs zu sein.“ Jetzt könne er denen künftig wieder Input geben.

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Viele Jahre im Topeak-Ergon-Trikot auf Canyon unterwegs: Robert Mennen ©Armin M. Küstenbrück/EGO-Promotion

„Meine sportlichen Ambitionen sind nicht sehr hoch. Ich werde nur solche Rennen fahren, bei denen mir das Event, bzw. die Strecke Spaß macht“, so Mennen.

Die Weltmeisterschaften in Singen steht bei ETW auf dem Programm. Wenn auch nicht mit denselben Ambitionen wie 2015 als der inzwischen 31-Jährige bei der Marathon-EM als Vierter eine Medaille nur knapp verpasste.

Die beiden Schwaben Johannes Thumm und Sascha Nething waren für die Mountainbike-Abteilung im vergangenen Herbst beim Brasil Ride quasi schon die Vorhut. Das Duo belegte Rang 16 und der Brasil Ride steht auch in diesem Jahr wieder auf dem Programm.

 

Dazu kommen die Transalp und Rennen der UCI Marathon Serie.

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Johannes Thumm war schon im vergangenen Herbst beim Brasil Ride auf dem MTB für Embrace The World unterwegs ©Armin M. Küstenbrück/EGO-Promotion

Für das Premierenjahr stehen 2017 neben Biefang, Mennen und Thumm noch Peter Schermann und Sebastian Breuer im Aufgebot. Letzterer hat die WM-Qualifikation bereits geschafft.

 

Team-Mitglieder spenden für jeden Kilometer

Auch im Straßen-Rennteam waren schon 2016 durchaus interessante Namen unterwegs. Ex-Milram- und Gerolsteiner-Profi Dominik Roels war fester Bestandteil und wird auch 2017 als Gastfahrer an der einen oder anderen Stelle mitmischen.

Es ist auch nicht so, dass sich ETW als reines Charity-Projekt versteht. Schnell Rad fahren wollen sie trotzdem, ob auf Straße oder im Gelände. Wodurch natürlich auch mehr Aufmerksamkeit entsteht.

Der Ehrgeiz vermischt sich jedoch stark mit dem Engagement für die Radsport-Kollegen im Senegal, Kongo oder Marokko. Die Sportler haben sich selbst verpflichtet für jeden Trainings- und Wettkampf-kilometer, der auf Strava dokumentiert wird, zwei Cent zu spenden. Den Fahrern steht es frei die Beträge aus eigener Tasche zu bezahlen oder Sponsoren dafür zu finden.

Die monetären Spenden gehen an ein Fahrrad-Hilfsprojekt wie World Bicycle Relief oder an Viva Con Aqua, ein Brunnen-Projekt eines Mineralwasser-Produzenten oder auch direkt an Radsport-Verbände.

Überdies gehen 15 Prozent der Preisgelder in den Topf für die Hilfen.

Freudestrahlende Gesichter

Für die Rennen in Afrika gibt es normalerweise Einladungen, andere Reise-Kosten übernimmt die Teamkasse oder die Radsportler finanzieren sie selbst.

Die Motivation sich derart zu engagieren? Neben dem Bedürfnis sich karitativ zu engagieren, auch die Möglichkeit Erfahrungen zu sammeln, „Erlebnisse, die einen verändern“, wie es in einem Video bei der Tour of Congo heißt.

Und davon gibt es ständig welche. Micha Glowatzki spricht von den „freudestrahlenden Gesichtern“ und der Begeisterung wenn Material und Trikots verschenkt werden. „Die Fahrer können es manchmal kaum glauben.“ Bestens dokumentiert wird das in den eindrücklichen Video-Clips.