Grand Prix Obertraun: Litscher beendet Durstrecke – Morath und Pfäffle tanken Selbstvertrauen

FOTO| Wieder in der Siegesspur: Thomas Litscher ©Armin M. Küstenbrück/EGO-Promotion

Yana Belomoina (CST Sandd American Eagle) und Thomas Litscher (jb Brunex Felt) heißen die Sieger des Grand Prix in Obertraun. Bei dem HC dotierten Rennen in Österreich belegte Christian Pfäffle (Möbel Märki) Platz fünf, während Adelheid Morath (Bikesportworld) Siebte wurde.

 

Yana Belomoina und Linda Indergand (Focus XC) bildeten bis zur vierten Runde ein Spitzenduo. Dann entschied sich die Kette von Linda Indergand das entscheidende Detail zu werden und verklemmte sich. Die Schweizerin musste vom Bike und Belomoina ging vorbei. Den eingehandelten Rückstand konnte Linda Indergand nicht mehr kompensieren, so dass Yana Belomoina zum zweiten Mal nach 2015 in Obertraun gewinnen konnte.

„Ich mag diese Strecke und nehme jetzt viel Selbstvertrauen mit nach Nove Mesto“, sagte Yana Belomoina, nachdem sie mit 1:33 Minuten Vorsprung auf Indergand den Sieg eingefahren hatte.

Die Eidgenossin war mit ihrem Wettkampf trotzdem nicht unglücklich. „Schade mit der Kette, aber ich bin trotzdem zufrieden. Jetzt freue ich mich auf die Prague Stairs am Mittwoch“, erklärte Indergand.

Catharine Pendrel holte sich den dritten Platz (+3:59) auf dem Podium. Den verteidigte sie im Sprint gegen die aufkommende Gunn-Rita Dahle-Flesjaa (Merida Gunn-Rita). Sie hätte sich wohl „etwas zu sicher gefühlt“, meinte Pendrel zu einer gewissen Schlafmützigkeit, durch die Dahle-Flesjaa noch mal ins Spiel kam.

Die Norwegerin sprach davon, dass sie nach Wochen auf der Straße und bei Marathons das Cross-Country-Feeling erst wieder aufnehmen müsse. Und nach einer harten Woche zuhause nicht ganz frisch gewesen sei.

Irina Kalentieva (Möbel Märki), Vorjahressiegerin in Obertraun, sah ihren sechsten Platz, vier Sekunden hinter Teamkollegin Corina Gantenbein als „nächsten Schritt“ nach vorne.

Adelheid Morath: Unnötiger Sturz und perplex über die guten Beine

Bei Adelheid Morath klang das Statement nach dem Rennen viel positiver als es Rang sieben mit 5:18 Minuten Differenz hätten vermuten lassen. Plus die Schrammen am Knie und am Kopf.

In einer Schotter-Kurve wollte sie die Italienerin Eva Lechner vorbei lassen („mir hapert’s im Moment am Selbstvertrauen“) und just dieses Zuvorkommen endete mit einem Sturz. Sie stürzte auf die Seite, verbog Sattel und Bremsgriff, verlor Zeit und Plätze. „Der Sturz war unnötig und ich hoffe, dass es nicht zu sehr anschwillt“, sagte Adelheid Morath.

Doch im Vordergrund stand für die St. Märgenerin das grundsätzliche Feedback ihres Körpers. „Ich hatte wegen Blockaden während der Woche noch mal Behandlungen und die Befürchtung, dass ich deshalb nicht gut fahren werde. Das war in Heubach auch so. Aber es war heute nicht so“, erklärte sie im Ziel. „Ich war perplex über mich selber. Der Druck auf dem Pedal war da, die Form stimmt. Das gibt mir für Nove Mesto und Albstadt Selbstvertrauen.“

 

Herren: Litscher macht’s im Solo-Programm

Bei den Herren dominierte Thomas Litscher das Rennen. In der ersten Runde setzte er sich an die Spitze und fuhr der Konkurrenz Sekunde um Sekunde weg. „Ich freue mich riesig“, sagte Litscher ins Diktiergerät. Er erzählte davon, die vergangenen Wochen „hart trainiert“ zu haben, doch die Beine seien „von Anfang an offen“ gewesen. „Ich hatte immer den gleichen Rhythmus, den Flow“, erzählte Litscher fast schwärmerisch. „Das zeigt, dass Potenzial da ist.“ Nach langer Zeit konnte der Eidgenosse mal wieder ein Rennen gewinnen.

Bis ins Ziel sammelten sich nach 1:33:10 Stunden 1:06 Minuten Vorsprung auf Gregor Raggl und 1:59 Minuten auf Martin Loo an.

Pfäffle ruft seine Defizite ab

Christian Pfäffle sah seinen fünften Platz im Salzkammergut, 3:59 Minuten hinter Thomas Litscher (1:33:10) als gelungenen Test für die beiden anstehenden Weltcup-Rennen in Nove Mesto und dann in Albstadt. Vor allem die Schlussphase machte ihm Mut.

Lange auf Rang sieben unterwegs, konnte er den italienischen Olympioniken Andrea Tiberi im Schlussabschnitt mit der besten Rundenzeit noch verdrängen und weil Pfäffles Möbel-Märki-Teamkollege Karl Markt nach einem Sturz ausschied, reichte es zu Platz fünf.

„In einem HC dotierten Rennen ist das Ergebnis ganz gut“, meinte Pfäffle. „Am Anfang ging es mir nicht so gut, aber die letzten beiden Runden sehr.“ Der Rücken zwickte etwas, doch als er Tiberi vor sich sah, da verdrängte der Neuffener das Zwicken.

„Ich denke, das war ein weiterer kleiner Schritt nach vorne, nächstes Wochenende sollte es passen. Der Kurs hier hat viele Ecken und hat meine Defizite noch mal abgerufen. Deshalb war es ein ganz gutes Training“, bilanzierte der 24-Jährige. Am Mittwoch nutzt er in Prag noch das bekannte Show-Rennen „Prague Stairs“, wo es in der Stadt unzählige Stufen hinab geht, als Vorbereitung.

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Das war so nicht geplant: Karl Markt kurz bevor es richtig weh tut. ©Armin M. Küstenbrück/EGO-Promotion

Pfäffles Teamkollege Karl Markt lag an dritter Stelle, als er böse stürzte und ins Hospital gebracht werden musste. „Ich musste oberhalb vom Auge und hinterm Ohr genäht werden und habe einige Prellungen“, meldete Karl Markt auf Facebook. Immerhin: keine Brüche.

 

Junioren: Wollenberg Vierter, Wahl Sechster

In der U19-Kategorie holten sich Tim Wollenberg und Dennis Wahl Weltranglistenpunkte. Stevens-Schubert-Fahrer Wollenberg beendete das Rennen auf Position vier, 3:16 Minuten nach Jorin Gabriel von jb Brunex Felt, während Dennis Wahl 4:52 Minuten Differenz auf Position sechs erstmals überhaupt Punkte einfahren konnte.

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