Helen Grobert: Wir haben es ihnen nicht leicht gemacht

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Helen Grobert, hier bei ihrem sechsten Platz in Cairns, wurde vom BDR zur Nominierung für die Olympischen Spiele vorgeschlagen ©Thomas Weschta/EGO-Promotion

Eine der schwersten Entscheidungen der letzten Jahre nannte es BDR-Leistungssportdirektor Patrick Moster, doch letztlich schlug das Pendel zugunsten von Helen Grobert (Ghost Factory Racing) und gegen Adelheid Morath aus. Die 24-Jährige aus Remetschwiel, die in Freiburg lebt, erfuhr am Sonntagabend davon, dass sie vom BDR zur Nominierung für die Olympischen Spiele in Rio vorgeschlagen wurde. Die Bestätigung durch den DOSB steht noch aus, doch es sieht alles danach aus, als würde Helen Grobert im August ihre ersten Spiele erleben. acrossthecountry.net hat sich mit der Deutschen Meisterin über den Nervenkitzel in den vergangenen Wochen unterhalten.

ACC: Helen, Glückwunsch, Du wirst vom BDR zur Nominierung für die Olympischen Spiele in Rio vorgeschlagen. Wann hast Du es erfahren?
Helen Grobert: Sonntagabend. Ich habe von Patrick Moster (BDR Sportdirektor) und Speedy (Peter Schaupp, Bundestrainer) einen Anruf bekommen, dass wir jetzt gleich eine Telefon-Konferenz haben, aber es hat noch keiner von beiden was durchdringen lassen. Es war bis zur letzten Sekunde spannend für mich.

Wie ist es angekommen bei Dir?
Ich bin überglücklich und bin gestern Abend mit einem Lächeln auf dem Gesicht eingeschlafen. Ich freue mich, dass Patrick Moster und Speedy Vertrauen in mich haben und dass ich die Chance habe, in Rio zu zeigen, was ich drauf habe. Für mich war alles auf Rio ausgerichtet und deshalb habe ich mich die vergangenen zwei Wochen auch nicht von meinem Weg abbringen lassen. Mir ging es auch richtig gut.

Obwohl es nicht klar war?
Ich wusste, dass es eine Fifty-Fifty-Chance war, weil wir beide (sie und Adelheid Morath) einfach sau stark waren. Wir haben gut abgeliefert und haben es denen nicht leicht gemacht, die richtige Entscheidung zu treffen. Jetzt bin ich richtig glücklich. Vorgeschlagen zu werden, bestätigt alles, für was ich die ganze Zeit so hart gearbeitet habe.

Du sagst, Du hast einfach weiter gemacht. Aber wie Nerven aufreibend war denn die Zeit des Wartens für Dich, seit dem Weltcup in La Bresse? Es hat sich ja immer mehr zugespitzt.
Es war schon spannend. Ich habe mich mit meinem Umfeld unterhalten, auch im Team. Aber schlussendlich kann nur ich mein Training machen und nur ich selber kann damit klar kommen, dass noch keine Entscheidung getroffen werden kann. So habe ich mir das auch gesagt. Ich hatte keine negativen Tage, das Training hat Bock gemacht und ich hatte dabei Rio fest im Kopf. Klar, ich habe auch mit einer Absage rechnen müssen, aber daran wollte ich gar nicht denken. Als nächstes steht ja auch die WM an, die zu dem Weg dazu gehört. Deshalb habe ich einfach weitergemacht.

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Als der Traum Konturen von Wirklichkeit bekam: Helen Grobert 2015 in Nove Mesto ©Marius Maasewerd/EGO-Promotion

Stichwort WM. Die ist in Nove Mesto. Im Grunde hat Dein Traum von Olympia dort mit Deinem neunten Platz im Weltcup vergangenes Jahr begonnen. Der kam für Viele überraschend. Durch halbe Norm wurde Rio für Dich erst greifbar. Mit welchen Gefühlen und Zielen wirst Du zur WM reisen?
Ziel ist es, meinen Körper immer weiter ans Limit zu bringen. Ich weiß, dass ich viele Rennen benötige, um ans Maximum zu gehen. Nove Mesto ist eine richtig coole Strecke, mit viel Action, die mir auch liegt. Deshalb wird die gefahren wie man eine WM fährt, da werden keine Körner gespart. Da geht’s um was, das ist eine Meisterschaft und hat richtig hohe Priorität. Aber Du hast Recht, in Nove Mesto hat für mich die Saison in der Elite-Kategorie so richtig begonnen (im Jahr zuvor war Grobert noch U23). Es macht umso mehr Spaß, dort die WM zu fahren.

Wie sehen die genauen Planungen bis zur WM und dann bis Olympia aus?
Was Olympia angeht, muss ich noch abwarten, was vom Bundestrainer kommt. Wir werden uns nächste Woche treffen. Dann sehen wir, wie es nach der WM (3. Juli) weitergeht.

Du fährst am Sonntag die KMC Bundesliga beim BiketheRock in Heubach. Und dann?
Ich werde in Freiburg trainieren. Beim Olympia-Stützpunkt in Freiburg bin ich in einem ganz guten Umfeld.

Du hast die Rio-Strecke schon angesprochen. Kannst Du mal beschreiben, was für Dich die Strecke ausmacht, was sie kennzeichnet?
Die Strecke ist mega besonders, weil es kein natürlicher Untergrund, weil relativ viel gebaut ist. Manchmal denkt man, es ist gar nicht so schwierig. Aber eigentlich ist sie von vorne bis hinten eckig. Die Kurven sehen leicht aus, aber der Boden ist so lose, dass man eine gute Technik braucht.
Was ich echt cool finde ist, dass da alles dabei ist. Kurze Berge, bis zu Vier-Minuten-Berge, technische Anstiege, Sprünge, steile Abfahrten. Es gibt auch Flachpassagen, auf denen man mit Kraft schnell vorwärts kommt. So was gefällt mir schon. Es ist eine geile Strecke, sie ist auch echt zuschauerfreundlich.