Julie Bresset: Ich gebe mir drei Jahre

FOTO | Mit Startnummer am Lenker. So wie hier bei der EM 2016 in Husquarna, Schweden, wo sie Neunte wurde, will sich Julie Bresset 2018 wieder sehen ©Erhard Goller

Bei einer Pressekonferenz hat London-Olympiasiegerin Julie Bresset noch mal bekräftigt, dass sie 2018 wieder in den Cross-Country-Zirkus zurückkehren will. Die Französin wird beim Comeback unterstützt von Scott France.

 

Julie Bresset muss niemand mehr etwas beweisen. Die 28-Jährige war Olympiasiegerin 2012 und zweimal Weltmeisterin (12/13) in der Elite-Kategorie, vier Weltcup-Rennen hat die Französin im Cross-Country gewonnen. Ihr Comeback, so sagt sie es im Interview mit vojomag.com, sei deshalb „etwas Anderes“. Etwas Anderes als die Jagd nach Titeln und Trophäen.

Seit ihrem zweiten Weltmeister-Titel in Pietermaritzburg sind mehr als vier Jahre vergangen. Im Jahr danach begann eine lange, schwierige Zeit und im Rückblick nennt Bresset das Jahr 2014 das „härteste ihres Lebens“.

Damals begann die Saison mit einem achten Platz in Pietermaritzburg, in Cairns stürzte sie und schied aus. Es folgte ein 26. Platz in Nove Mesto und eine Woche später in Albstadt gab sie einen Tag vor dem Rennen ihren Verzicht bekannt.

Die verbleibenden drei Weltcup-Rennen bestritt Bresset, allerdings nicht auf dem von ihr bekannten (und erwarteten) Niveau. Es wurde klar, dass die Probleme auf der mentalen Seite der Persönlichkeit lagen. Es war ein Burn-Out, ein anderes Wort für Depression.

„Ich habe nicht gelernt, nein zu sagen“, sollte sie im März 2015 auf Zypern dem Autor dieser Zeilen erklären. Zu schnell seien die Erfolge gekommen, zu sehr sei sie davon überrascht worden.

„Nicht mal das Regenbogen-Jersey annehmen können“

Eine Analogie zu Jenny Rissveds (Scott-Sram), die 2016 auch, ähnlich jung, Olympiasiegerin wurde und seit diesem Jahr mit Depressionen kämpft, liegt auf der Hand. Oder zu Pauline Ferrand Prevot (Canyon-Sram) und zu Alexandra Engen (Ghost Factory Racing). Oder Marianne Vos, die Julie Bresset selbst als Beispiel anführt.

2014 habe sie nicht mal ihr Regenbogen-Jersey annehmen können, sagt Bresset gegenüber vojomag.com. Die ganze Lust an der bisherigen Leidenschaft war verloren gegangen. 2015 und 2016 kämpfte sie dann mit dem Pfeifferschen Drüsenfieber (Mononukleose) und scheiterte an der Olympia-Qualifikation, so dass sie 2017 schließlich komplett pausierte.

Zurückeroberung der Leidenschaft

Vielleicht ist dieses „Andere“ einfach die Zurückeroberung der eigenen Leidenschaft für den Sport. „Ich weiß nicht, was ich geben kann“, sagt sie gegenüber der Agentur AFP. Aber drei Jahre wolle sie sich Zeit geben, bis zu den Olympischen Spielen in Tokio 2020.

Das Jahr Wettkampf-Pause nutzte Bresset um den Radsport-Trainer-Schein abzuschließen und einiges andere auszuprobieren. Aber am Ende kommt sie zum Schluss: „Ich sehe mich nirgendwo anders als in der Bike-Welt, ich will nichts anderes machen“, erklärt sie.

Der fünfte Jahrestag entfacht die Flamme

Die Entscheidung zurückzukommen sei langsam gereift. Für den Internet-Sender L’Equipe21 war sie im Weltcup als Co-Kommentatorin tätig und sie habe sich schon dort gesehen. Aber den wirklichen Wunsch wieder dabei zu sein, den hätte sie so nicht erwartet, weil sie sich auf dem Bike immer noch gehemmt gefühlt habe.

Dieser Wunsch, dieser Implus war ein Datum: Der 11. August 2017. Da jährte sich ihr Olympiasieg zum fünften Mal und die Rückkehr der Emotionen hätten die Flamme wieder entzündet, erzählt Julie Bresset. Ihr Freund Olivier unterstützt sie dabei und ohne ihn, das stellt sie klar, würde sie das Wagnis auch nicht eingehen.

Bresset gibt sich Zeit

Dass sie nicht von Beginn an frühere Erfolge anknüpfen kann, das ist der inzwischen in Besançon lebenden Sportlerin klar. Abgesehen vom schlechten Startplatz, braucht der Körper Zeit, um sich wieder an die extremen Belastungen heran zu tasten. Und die Psyche, um sich den Qualen erneut auszusetzen. Aber, und das mache sie zuversichtlich, das Vergnügen am Bike-Handling in technischen Sektionen sei wieder da.