KMC Bundesliga Titisee-Neustadt: Maxime Marotte will am Ende einer (fast) perfekten Saison Spaß haben

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Sympathischer Kerl mit einer starken Saison: Maxime Marotte ©Constantin Fiene/Whyex Productions

Er hat gemeldet und er wird als Favorit ins Rennen gehen: Maxime Marotte von BH-Sr Suntour-KMC wird am Sonntag das KMC Bundesliga-Rennen in Titisee-Neustadt bestreiten und „Spaß haben.“ Der Franzose hat die beste Saison seiner Karriere hinter sich. Abgesehen von einem Makel, der zehn Sekunden lang ist.

„Es stimmt, so konstant war ich noch nie. Es war eine perfekte Saison“, urteilt Maxime Marotte selbst über das zu Ende gehende Wettkampf-Jahr 2016. In sechs Weltcup-Rennen stand er fünf Mal auf dem Podest, zweimal als Zweiter, zweimal als Dritter und einmal als Vierter, die Gesamtwertung schloss er als Dritter ab und diesen Platz belegt er auch in der Weltrangliste.

In Mont Sainte Anne verhagelte ihm ein Defekt das Rennen. Genauso wie bei EM und WM (8.), als er in der zweiten Runde an die Box musste und sich dann von Position 33 noch so weit nach vorne fuhr.

Doch das ist es nicht, was die größte Enttäuschung beim 29-Jährigen ausgelöst hat. Genau genommen war es ein Rennen, das ihm richtig gut gelungen ist: das Olympische in Rio.

Enttäuschung bleibt: Kommt die Chance jemals wieder?

Da war er hinter Nino Schurter und Jaroslav Kulhavy mit Carlos Coloma (MMR Factory Racing) in den Kampf um Bronze verwickelt. Am Ende fehlten gegen den Spanier zehn Sekunden. „Carlos war am Berg immer stärker. Die Lücken konnte ich im Downhill wieder schließen“, erklärt er im Rückblick.

Einmal aber, in der vorletzten Runde, da riss Marotte plötzlich eine Lücke und schien auf dem Weg zu Bronze. „Da bin ich mal vor ihm in die technische Passage gekommen, aber er hat das Loch am Berg wieder zugemacht. Und in der letzten Runde war ich im Anstieg voll im roten Bereich. Es ging einfach nicht mehr, da kann ich mir keinen Vorwurf machen“, so Marotte.

Auch wenn er sich den nicht machen kann, die Enttäuschung ist beim Erinnern daran, nicht verschwunden. „So eine Chance bekommt man nur alle vier Jahre und wer weiß ob ich sie 2020 noch mal bekomme? Das ist schwer zu akzeptieren, auch wenn ich mein Bestes gegeben habe“, erklärt Marotte.

An ein paar Schräubchen gedreht

Dass der Ingenieur für Öko-Design und Maschinenbau 2016 überhaupt auf diesem Niveau und so konstant unterwegs war, erklärt er mit ein paar kleinen Schräubchen, an denen er gedreht habe. „Ich habe an meiner Atmung gearbeitet und auch die Ernährung umgestellt“, sagt der Motorsport-Fan

. Vor allem weniger Gluten. „Damit fühle ich mich wohler.“ Zudem sei er, im Gegensatz zu den Vorjahren, nicht krank geworden. Auch das vermutlich kein Zufall. „Wir haben beim Verband einen neuen Arzt, der öfter die Blutwerte misst und wir haben Probiotika eingeführt“, erläutert der Elsässer.

Das Gesamtpaket scheint gewirkt zu haben und daran will er weiter arbeiten. Um irgendwann mal einen Weltcup zu gewinnen. „Nino und Julien zu schlagen ist eine Herausforderung, aber das ist gut so. Ich glaube, dass ich so weit kommen kann“, meint Maxime Marotte.

Der Franzose gilt als feiner Charakter, der auch einen Blick für das Drumherum hat. Erst dieser Tage hat er auf Facebook eine schöne Hommage an José Hermida geschrieben, der seine Karriere beendet.

Eine Stunde von zuhause

Am Sonntag sieht man ihn in Titisee-Neustadt zum dritten Mal in diesem Jahr in der KMC Bundesliga. Schon in Bad Säckingen (auch Defekt) und in Heubach (3.) war er am Start. Aufgewachsen ist Marotte in Zillisheim, nahe Mulhouse. Seit eineinhalb Jahren lebt er bei Annecy („der Liebe wegen“), aber vom Haus seiner Eltern hat er es nur eine gute Autostunde weit nach Titisee-Neustadt.

„Hanna Klein und Markus Bauer haben mir gesagt, es wäre eine schöne Strecke und ich will ein bisschen Spaß haben. Auch wenn die Form nicht mehr ganz top ist“, meint Marotte. Und es lasse sich dann auch mit einem Besuch bei den Eltern verbinden.

Nachlassende Form hin oder her, Marotte geht als Favorit ins Bundesliga-Finale, wo vermutlich Vorjahres-Sieger Florian Vogel (Focus XC) größter Konkurrent sein wird.