Marathon-DM St. Ingbert: Marathon-DM St. Ingbert: Böhmes langes Warten hat ein Ende

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Jubel über seinen ersten Deutschen Meister-Titel in der Elitekategorie: Tim Böhme ©Thomas Liening


Tim Böhme vom Team Bulls hat sich im saarländischen St. Ingbert zum ersten Mal den Titel des Deutschen Marathon-Meisters gesichert. Silber und Bronze ging an die beiden Centurion-Vaude-Fahrer Markus Kaufmann und Jochen Käß.
Bei den Damen siegte Titelverteidigerin Silke Schmidt (Herzlichst Zypern) vor Hanna Klein (BH Sr Suntour-KMC) und Katrin Schwing (Trek).

Über die 82 Kilometer lange Distanz blieb es bei den Herren bis zum Schluss spannend. „Die Strecke war einfach nicht selektiv genug“, meinte Jochen Käß (Ofterdingen) danach. Nach rund 20 Kilometern hatte sich eine zehnköpfige Spitzengruppe gebildet, die lange zusammen blieb.

Das Team Bulls hatte alle Fahrer mit dabei und nutzte diesen Vorteil.
Stefan Sahm und später auch Simon Stiebjahn mit einem Angriff bereiteten das Finale vor. Titelverteidiger Robert Mennen (Topeak-Ergon) musste abreißen lassen und übrig blieb Am eine dreiköpfige Spitzengruppe mit Böhme, Kaufmann und Käß.
Am letzten Berg ergriff Markus Kaufmann die Initiative.

„Ich habe mich eigentlich die ganze Zeit als stärkster Fahrer in der Gruppe empfunden und habe da alles auf eine Karte gesetzt“ erzählte der Meckenbeuerener Markus Kaufmann.

Er riss eine kleine Lücke, doch in der nächsten Flachpassage konnte Tim Böhme mit Kaufmanns Teamkollegen Käß im Schlepptau wieder aufschließen. Markus Kaufmann schaffte es dennoch als erster in den letzten Singletrail zu kommen, der eigentlich der Schlüssel zum Sieg war.

Doch dann leistete sich der Meister von 2012 einen Fahrfehler. „Ich bin einfach zu schnell gewesen, zu optimistisch. Im Training war die Stelle noch nicht so ausgefahren und so bin ich einfach von der Strecke abgekommen“, schildert Kaufmann diese vorentscheidende Situation.

Böhme und Käß gingen vorbei, Kaufmann schaffte nochmal den Anschluss.
Vor ihm versuchte Jochen Käß an Tim Böhme vorbei zu kommen. Doch Tim Böhme machte die Türe zu. Käß stürzte und Kaufmann fuhr vorbei zu Silber.

„Mir ging es heute super, ich habe mich die ganze Zeit sehr wohl gefühlt“, sagte Böhme nach seinem ersten Triumph bei einer Deutschen Meisterschaft, wenn man mal Nachwuchs-Titel ausnimmt. Der 32-Jährige hat schon viele Anläufe unternommen und war auch schon zweimal Zweiter bei einer Marathon-DM. Unter anderem 2007 in St. Ingbert, hinter seinem damaligen Teamkollegen Jochen Käß.

Ex-WG-Genosse mit dem Impuls aus Norwegen
„Es ist gar nicht zu glauben, dass es endlich mal geklappt hat. Ich bin selbst überrascht, obwohl ich alles auf diese DM gesetzt habe. Mein Training war ganz darauf ausgerichtet. Das ich nochmal krank war, hat offenbar auch nicht geschadet. Endlich hat es mal geklappt. Ich habe mich gewissermaßen keine sechs Wochen, sondern sechs Jahre darauf vorbereitet“, sagte der neue Titelträger, der in Frankfurt lebt und aus Singen stammt.

Sein ehemaliger WG-Genosse Moritz Milatz, der am Samstag bei der WM in Norwegen Vierter geworden ist, hatte ihm noch mit auf den Weg gegeben: „Hol Dir das Ding endlich.“
Böhme lacht: „Habe ich gemacht. Die ehemalige WG war an diesem Wochenende ganz schön erfolgreich.“

Fünf Sekunden hinter ihm rollte Markus Kaufmann auf der Silber-Position ins Ziel. „Schade für unser Team, aber Tim hat ja auch lange darauf gewartet“, gratulierte Kaufmann.

Jochen Käß war etwas säuerlich. „Ich bin nicht zufrieden mit Bronze“, meinte Käß. Er war der Meinung, dass Böhme ihm zweimal das Überholmanöver vereitelt hatte. „Darüber kann man streiten, ob das okay war.“ Er kam mit 24 Sekunden Rückstand ins Ziel.

Robert Mennen (Nörvenich) hatte als Vierter 42 Sekunden Differenz, Karl Platt (Osthofen) vom Team Bulls auf Platz fünf weitere zwei Sekunden.
„Ich musste bezahlen weil ich immer hinterher fahren musste. Das Team Bulls hat perfekte Team-Arbeit geleistet. Gratulation an Tim Böhme“, twitterte der entthronte Meister Mennen.

Damen: Ein perfekter Tag für Silke Schmidt
Bei den Damen setzte sich wie erwartet Silke Schmidt durch. Die Münchnerin sprach danach von einem „perfekten Tag“. Nach rund 20 Kilometern konnte sich die gebürtige Saarländerin von Katrin Schwing und Hanna Klein absetzen, nachdem Schwing die erste Attacke gerissen hatte.

Auf einem Flachstück war Hanna Klein nicht mehr in der Lage Schmidt zu folgen, so dass die restlichen 60 Kilometer zur Solo-Fahrt für die Vorjahressiegerin wurden.

„Ich wollte eigentlich nicht so früh alleine sein. Das ist im Marathon immer ein Risiko. Aber es ist super gelaufen, ich hatte nie Probleme und habe versucht meinen Vorsprung so weit wie möglich auszubauen, um ein Polster für einen Defekt zu haben“, erzählte Schmidt nach ihrem Sieg unweit ihrer Heimat.
Nach 82 Kilometern und 3:31:57 Stunden hatte sie satte 18:18 Minuten Vorsprung auf Hanna Klein (Freiburg)

„Der Start war nach meiner Nicht-Nominierung für die WM eine Spontanaktion. Leider bin ich am Dienstag krank geworden und komplett flach gelegen. Auf den flachen Schotterpassagen hatte ich gegen Silke keine Chance, aber ich bin mit meiner Silbermedaille voll zufrieden“, so die etatmäßige Cross-Country-Fahrerin Hanna Klein. Für sie war es die erste Medaille auf der Langdistanz.

Ex-Meisterin Katrin Schwing aus Mosbach eroberte mit 22:27 Minuten Rückstand die Bronze-Medaille. Sie hatte ihre bisher einzige Marathon-Medaille vor sieben Jahren in St. Ingbert gewonnen – in Gold.

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