Marathon-WM Singen: Achte Medaille für die Legenden?

Das Damenfeld der Marathon-WM in Singen ist über 70 Fahrerinnen groß, der Kreis der Titelkandidatinnen lässt sich aber auf fünf Fahrerinnen eingrenzen. Sofern man auf dem 80 Kilometer langen Kurs nicht völlig überrascht wird. Zum Quintett gehören zwei routinierte Damen, die beide bereits sieben WM-Medaillen auf der Langstrecke gesammelt haben: Gunn-Rita Dahle-Flesjaa und Sabine Spitz.

 

Sabine Spitz (Wiawis) gehört ohne Frage zu den Mitfavoritinnen. Einmal war sie Weltmeisterin im Marathon (2009) und sieben WM-Medaillen hat sie in dieser Disziplin insgesamt schon gewonnen. Doch was sie vor allem mit aufs Favoritenschild hebt, ist einerseits die Fähigkeit sich auf Groß-Ereignisse bestens einzustellen, wie nicht zuletzt ihre drei Olympia-Medaillen beweisen. Und anderseits die Form, die sie im Frühjahr bereits gezeigt hat. Bei ihrem zweiten Weltcup-Platz in Nove Mesto, aber auch zuletzt beim Swiss Bike Cup in Gränichen, wo sie auch Zweite wurde.

„Ich versuche mit Gelassenheit an den Start zu gehen und cool zu bleiben. Auf diesem Kurs darfst du nichts übers Knie brechen“, hat die 45-jährige Spitz in einem Interview vor kurzem kund getan.

Die 15 Monate jüngere Gunn-Rita Dahle-Flesjaa (Merida-Gunn Rita) hat sechs WM-Titel im Marathon eingefahren, den letzten 2015 im Grödner-Tal, einmal war sie noch Zweite. Also auch für sie wäre es das achte Edelmetall auf dem langen Kanten.

So ganz überzeugt klingt sie vor dem WM in Singen nicht.

„Ich war in dieser Saison aufgrund von Verletzungen und Krankheit noch nicht in der Lage zu zeigen, was ich drauf habe, aber ich glaube nach wie vor an einen guten Tag bei der WM“, sagt Norwegerin „Es wird ein spezielles Rennen weil es so viele Flachpassagen gibt und es muss nicht zwingend die stärkste Fahrerin gewinnen. Ich bin gespannt und es wird sich zeigen, ob ich meinen elften Titel gewinnen kann oder ob ich auf die Berge im nächsten Jahr warten muss.“

2015 bei der EM kam sie auch nicht mit den besten gesundheitlichen Voraussetzungen und wurde dann nur Vierte.

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Sprint um den EM-Titel 2015 in Singen: Sabine Spitz vor Jolanda Neff ©Tom Janas

Titelverteidigerin Jolanda Neff (Kross Racing) war zuletzt krank, aber sie sendete Anfang der Woche das Signal: „Ja, ich fahre.“ Und wenn die Schweizerin das tut, dann gehört sie zu den Favoritinnen. Die amtierende Weltranglisten-Erste im Cross-Country wurde ja vor zwei Jahren in Singen bei der EM nur knapp von Sabine Spitz geschlagen, ganz ohne Vorbereitung.

Sie ist sicherlich die Explosivste im Starterfeld und könnte mit einer Attacke eine Spitzengruppe sprengen. Aber sie kann es auch auf einen Sprint ankommen lassen.

Vor zwei Jahren verlor sie das Finish zwar gegen Sabine Spitz, doch das war eher der Cleverness von Spitz zu verdanken.

Dieses Jahr taugt die Zielgerade auch besser zum Sprint weil sie länger ist.

 

Annika Langvad (Specialized Racing) hat ihr Studium erfolgreich abgeschlossen, darf sich jetzt Zahnärztin nennen. Diesen Ballast schleppt sich also schon mal nicht mehr durchs Hegau. Langvad schickt sich an Spitz und Dahle-Flesjaa in Sachen Medaillensammlung auf den Leib zurücken, denn sie hat auch schon fünfmal Marathon-WM-Edelmetall gewonnen.

Dreimal war sie Weltmeisterin auf der Langdistanz, einmal gab es Silber und einmal Bronze für sie. Zudem ist sie amtierende Cross-Country-Weltmeisterin. Im Vorjahr verfehlte sie die Titelverteidigung im Marathon wohl nur weil sie in Führung liegend falsch abgebogen ist.

 

Ex-Weltmeisterin Esther Süss darf auf der Rechnung auch nicht fehlen. Als sie 2010 in St. Wendel den Titel holte, da war das Gelände von ähnlichem Profil wie jetzt in Singen. Und sie wurde 2013 in Singen Europameisterin, sowie 2015 nochmal Dritte. Das sind genügend Referenzen und weil sie kürzlich bei der Elsa Bike Trophy eindrucksvolle Form nachgewiesen hat, wird es niemand wagen, sie zu unterschätzen.

 

Diese fünf Damen eint, dass sie eben alle bereits mindestens einmal das Regenbogen-Jersey der Marathon-Weltmeisterin getragen haben.

Darüber hinaus könnten die Südafrikanische Meisterin Robyn de Groot (Ascendis Health), Partnerin von Sabine Spitz beim Cape Epic im Frühjahr und die Süss’ Cape-Epic-Partnerin Jennie Stenerhag aus Schweden eine Rolle spielen.

 

Die Vorjahres-WM-Zweite und Europameisterin Sally Bigham (Topeak-Ergon)) wird dagegen nicht am Start sein. Sie hat dieses Jahr noch keine Rennen bestritten. Und auch die WM-Dritte des Vorjahres, Sabrina Enaux aus Frankreich fehlt auf der Meldeliste

 

Aus deutscher Sicht darf man wohl noch der Deutschen Meisterin Silke Ulrich (Herzlichst Zypern) die größten Aussichten auf ein achtbares Resultat einräumen. Sie bewies schon bei ihrem Sieg beim Ultra Bike in Kirchzarten, dass die Form ganz gut sein muss.

Als Medaillenkandidatin wäre sie vermutlich zu hoch gehandelt, aber ein Top-15-Ergebnis ist ihr schon zuzutrauen.

 

 

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