Marathon-WM Val Gardena: Alban Lakata holt Gold – Markus Kaufmann starker Sechster

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Medaillentrio von links: Christoph Sauser, Alban Lakata, Hector Paez ©Armin M. Küstenbrück/EGO-Promotion

Topeak-Ergon-Biker Alban Lakata ist in Wolkenstein, Italien zum zweiten Mal in seiner Karriere Marathon-Weltmeister geworden. Der Österreicher setzte sich nach 87 Kilometern und 4700 Höhenmetern in 4:24:46 Stunden mit 2:07 Minuten Vorsprung auf Christoph Sauser (Specialized Racing) und 2:15 Minuten vor Hector Paez (i.idro-Drain Bianchi) durch. Bester Deutscher war Ex-Meister Markus Kaufmann (Centurion-Vaude) aus Meckenbeuren auf einem starken sechsten Platz (+5:08)

„Eigenen Rhythmus fahren“, das hörte man sowohl bei den Damen als auch bei den Herren in fast jedem Statement. Das Profil der Strecke und dann die Höhe der Dolomiten lässt alles andere wohl nicht sinnvoll erscheinen.

Es war Alban Lakatas Rhythmus, der am ersten Anstieg, den sechs Kilometer hinauf zum Dantercepies, die höchste Schlagzahl aufwies. Fast noch wichtiger war aber die folgende Abfahrt nach Corvara. Da waren ein paar Damen im Weg und Alban Lakata konnte das nutzen um sich noch etwas mehr an Vorsprung heraus zu fahren.

„Wir haben aber nicht gedacht, dass er das bis zum Ende durchzieht“, erklärte Hector Paez später. Doch, doch, Alban Lakata zog durch. Obschon er sich am zweiten Anstieg noch überlegte, ob er die Verfolger noch mal heran kommen lassen sollte. „Einfach um zu schauen, wie sie drauf sind. Aber es ergab sich nicht“, so Lakata. Vermutlich weil er an diesem Tag einfach der Stärkste war.

„Ich hätte schon einen sehr guten Tag gebraucht, um ihn heute zu schlagen“, meinte Christoph Sauser später.
Den hatte er nicht. Zumindest nicht in den ersten zwei Stunden des Rennens. „Ich musste kämpfen und wurde ein paar Mal abgehängt“, so Sauser nach seinem letzten Wettkampf als Profi.

Das wurde erst anders als es der sehr steile Anstieg über Sourasass und dann zum Passo Pordoi gefahren wurde. Die zehnköpfige Verfolgergruppe war da dann auseinander geflogen. Markus Kaufmann lag an vierter Stelle, hinter Hector Paez und Ex-Weltmeister Periklis Ilias. Kurz vor dem dem höchsten Punkt wurde der Centurion-Biker von Sauser eingeholt. Der Schweizer ging als Erster in den sieben Kilometer langen Downhill nach Canazei, hängte Kaufmann ab und eröffnete gegen Paez und Ilias den Kampf um Silber und Bronze.
„Ich hätte vielleicht mehr riskieren sollen“, haderte der Meckenbeurener etwas. Nach einem Schlüsselbeinbruch Ende Februar und einem erneuten Anbruch des Schlüsselbeins vor kurzem, war seine Vorsicht allerdings auch nachvollziehbar. „Körperlich war es kein Problem, aber mental. Ich wollte einfach nicht nochmal einen Sturz riskieren“, so Kaufmann.

So fraßen die Downhills seine Stärke in den Ansteigen wieder auf. „Es wäre schon gut gewesen, die Alpentour-Trophy noch zu fahren, aber das war mit dem Schlüsselbein nicht drin“, zuckte er mit den Schultern, nachdem er das Ziel als Sechster erreichte hatte. Das war sein bisher bestes WM-Resultat.

Gedanken, die nicht schneller machen
Zurück zur Spitze: Alban Lakata ließ sich nicht mehr gefährden. Mit diesem Sieg habe ich gezeigt, dass ich ein würdiger Weltmeister bin“, kommentierte Lakata, der 2010 in St. Wendel schon einmal Marathon-Weltmeister war. Damals auf einem völlig anderen Kurs.

Hinter den Lienzer (4:24:46) landeten Christoph Sauser und der Kolumbianer Hector Paez auf dem Silber und dem Bronze-Rang. 2:07 Minuten Abstand wurden für den dreifachen Marathon-Weltmeister gemessen, Paez kam weitere acht Sekunden später ins Ziel.

„Als ich zu Periklis und Hector aufgefahren bin, da wusste ich, dass ich um eine Medaille fahre“, erzählt Sauser in der Pressekonferenz.
Mit einer Attacke wenige Kilometer vor dem Ziel, setzte er sich schließlich von Paez ab und sicherte sich Platz zwei. Periklis Ilias war schon vorher zurückgefallen.

„Ich habe bis zum letzten Moment gewartet und es hat funktioniert. Alban war heute stärker, ich hätte schon meinen allerbesten Tag gebraucht, um ihn zu schlagen. Meiner Karriere mit WM-Silber zu beenden, das ist sehr, sehr schön“, meinte Sauser.
Daran, dass es sein letztes Rennen als Profi war, daran habe er durchaus gedacht. „Aber schneller hat es mich nicht gemacht“, fügte er mit einem Grinsen hinzu.

Vier weitere Deutsche in den Top-20
Centurion-Vaude-Fahrer Jochen Käß wurde mit 12:40 Minuten Rückstand Zwölfter. Käß hatte Anschluss an die zehnköpfige Verfolgergruppe gefunden, musste in der Schlussphase des Anstiegs zum Passo Pordoi die Konkurrenten ziehen lassen und hatte in der Folge mit Krämpfen zu tun.
„Ich musste schauen, dass ich mein Tempo fahre. Insofern bin ich froh, noch auf diesem Platz ins Ziel gekommen zu sein. Die Krankheit seit der Marathon-EM im Mai hat mich zu viel gekostet, daher war klar, dass ich bei der WM nicht in Topform sein würde“, so Käß.

Karl Platt (Team Bulls) wurde 15. (+13:55), war aber mit seiner Verfassung nicht zufrieden. „Ich hatte von Anfang an einen Drehzahlbegrenzer drin. Ich versuchte nicht zu überziehen, aber bin auch nicht gleich in meinen Rhythmus gekommen“, sagte Platt.

Ultra-Bike-Sieger bestätigt seine Leistung
Andreas Seewald (Lenggries) von Centurion-Vaude war sechs Tage nach seinem Sieg beim Kirchzartener Ultra-Bike noch mal für eine Überraschung gut. Seewald fuhr nach einem verhaltenen Start („das ist bei mir immer so“) auf einen starken 16. Rang (+14:15).
„Ich bin wirklich zufrieden“, erklärte Seewald, der schon zu Karl Platt aufgefahren war, den Bulls-Fahrer aber in der welligen Passagen zum Schluss wieder verlor.

Markus Bauer (Kreidler Werksteam) überzeugte als 18. (+18:16). „In der zweiten Abfahrt habe ich zwei, drei Plätze gut gemacht. Leider habe ich Karls Gruppe am nächsten Anstieg um 20 Sekunden verpasst, aber in der Abfahrt vom Pordoi konnte ich sechs Positionen gut machen und dann lief es einfach“, erklärte Bauer.

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