Multivan-Merida: Kleineres Team, größere Bikes

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Multivan-Merida 2013 von links: Thomas Litscher, Gunn-Rita Dahle-Flesjaa, José Hermida, Rudi van Houts. Ondrej Cink ©Erhard Goller

Das Multivan-Merida Biking Team hat sich auf Mallorca den Medien präsentiert. Zwei Neue gehören zum Quintett, das die 26-Zoll-Wettkampfräder eingemottet hat Startnummern nur noch an 27,5- und 29-Zoll-Bikes klemmen will. Kleiner ist nur die Mannschaft geworden.

Zum ersten Mal seit Bestehen des (Multivan-) Merida Biking Teams gehört der Equipe kein deutscher Fahrer mehr an. Nachdem Moritz Milatz die Equipe schon vor zwei Jahren verlassen hat, fielen durch die Stilllegung der Marathon-Abteilung auch die Planstellen von Jochen Käß und Hannes Genze weg. Die Mannschaft ist von sieben auf fünf Fahrer geschrumpft.

Das habe allerdings nichts mit dem Einstieg in das Straßen Pro-Tour-Team Lampre zu tun, betont Andreas Rottler. Der langjährige Team-Manager erklärt, dass man mit der Entwicklung im Marathon-Bereich nicht zufrieden war. „Die Medienpräsenz dort ist verhalten und es ist ein großer Aufwand.“ Deshalb habe man sich, schweren Herzens zwar, für eine Fokussierung auf die Cross-Country-Disziplin entschieden. Das Engagement im Straßenrennsport sei seit zwei Jahren geplant gewesen und deshalb unabhängig davon zu sehen. Wenn man den Zahlen folgt, die Senior Vice President William Jeng an die Wand warf, dann steht Merida bei zehnprozentiger Umsatzsteigerung auch im vergangenen Jahr tatsächlich nicht unter Spardruck.

Zum ersten Mal keine DM

Dass man keinen deutschen Fahrer mehr an Bord hat, ist für Andreas Rottler erst einmal kein Thema. „Merida Europa sitzt in Deutschland, ist aber in über 70 Ländern der Welt vertreten. Volkswagen ist ein deutscher Hersteller, aber weltweit agierend. Klar, das Team-Management ist deutsch, klar hätten wir Freude an einem deutschen Fahrer. Aber es hat sich nicht ergeben“, sagt Rottler. Jetzt sei man halt mal zwei Jahre oder auch nur eines ohne deutschen Fahrer, meint er, bekennt aber, dass es „natürlich ungewohnt“ sei, bei der Deutschen Meisterschaft nicht vertreten zu sein.

Fünf Fahrer, fünf Nationen heißt es jetzt. In einer interessanten und hochkarätigen Mixtur, in der vier von fünf Sportlern schon zu Weltmeisterehren gekommen sind. Zwei sehr erfahrene Biker: Gunn-Rita Dahle-Flesjaa, die am Sonntag ihren 40. Geburtstag feierte und José Antonio Hermida, der 34 Jahre alt ist. Ein „Mittelbau“: Der 28-Jährige Rudi van Houts. Und zwei „Young Guns“: Der U23-Weltmeister von 2011 Thomas Litscher und der U23-Weltmeister von 2012 Ondrej Cink. Litscher und Cink, das ist die Verjüngung, die man bei Multivan-Merida haben wollte, ohne das Team gleich komplett auf den Kopf zu stellen. „Zwei, die nett sind und sich zu benehmen wissen“, meint Gunn-Rita Dahle-Flesjaa, die sich für deren Verpflichtung ausgesprochen hat.

Der fahrbare Untersatz des Quintetts wird die 27,5-Zollmarke nicht mehr unterschreiten. Während sich Dahle-Flesjaa nach Tests entweder für das „Big-Seven“ (27,5 Zoll) oder das Big Nine (29 Zoll) entscheiden und dann durchgängig fahren wird, wollen ihre männlichen Kollegen je nach Streckenbeschaffenheit entscheiden welches Gerät sie nutzen wollen. Das bisher übliche 26-Zoll-Bike hat für die Rennen anscheinend ausgedient, auch wenn es weiterhin im Handel ist.

Die Existenz als Multivan-Merida Biking Team ist für zwei weitere Jahre gesichert. VW hat die bereits zehn Jahre währende Zusammenarbeit verlängert. „Wir gehen jetzt in die elfte gemeinsame Saison, das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen“, sagt Andreas Rottler. 2003 stieg VW als Fahrzeugsponsor ein, 2004 übernahmen sie das Titelsponsoring. In der Tat gibt es nur ganz wenige lang andauernde Partnerschaften mit branchenfremden Sponsoren im MTB-Profibereich.

Neben der veränderten Teamaufstellung hat sich auch in den Verantwortlichkeiten für den MTB-Rennstall etwas getan. Andreas Rottler muss mehr Aufgaben im Sponsoringbereich um das Straßenteam Lampre-Merida übernehmen. Deshalb fungiert ab diesem Jahr Fabian Aust als Team-Manager der Mountainbiker. Aust arbeitet bereits seit acht Jahren an der Seite von Rottler als Assistent Team-Manager und stand bereits im vergangenen Jahr vor Ort häufiger in der alleinigen Verantwortung.