Nachgedreht: Die EM in Bern

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Multivan-Merida-Duo im Sprung: Vorne Rudi van Houts, dahinter José Hermida ©Marius Maasewerd/EGO-Promotion

Einer, der eine Situation einfach akzeptieren muss und ein Sprinter, der immer sprintet. Mountainbike als Indoor-Sport, eine ewige Vierte und Zweite, eine, die ihr Trikot vergessen hat, aber positive Zeichen sieht, ein berechtigter Protest, der abgelehnt wird und eine gerissene Kette. Nachgedreht, was hier von der EM in Bern noch nicht geschrieben stand.

Mathias Flückiger (Stöckli Pro Team) kurvte als Mitfavorit von Beginn des Rennens an in hinteren Regionen herum und gab schließlich in der zweiten Runde auf. Der Grund war eine Erkältung, die er sich während der Woche zugezogen hatte. „Manchmal musst du deine Situation einfach akzeptieren“, twitterte Flückiger enttäuscht, „die Erkältung war stärker als ich.“

Daniel Federspiel (Ötztal-Scott), seines Zeichens Sprint-Europameister, fuhr am Sonntag quasi noch mal einen Sprint. Er jagte auf der ersten von drei Startrunden am Feld vorbei und dem ganzen Peloton dann 30, 40 Meter voraus. Die Konkurrenz hat’s nicht gekümmert, aber der Österreicher war für ein paar Sekunden groß im Live-Bild. Nach dieser Startboulette stieg er dann aus.

Diese drei Startrunden auf der Wiese bei den Herren und auch bei den U23-Fahrern waren für viele Fahrer ein Ärgernis. „Wir können ja bald Indoor-Sport betreiben“, schimpfte José Hermida (Multivan-Merida) und dachte dabei an die Leichtathletik-Bahn. Das Gedränge, die Positionskämpfe auf der Wiese führten zu mehreren Stürzen und bei Hermida dazu, dass wie bei Lukas Flückiger (BMC Racing) der Schuh kaputt ging. Hermidas Teamkollege Rudi van Houts musste „voll abbremsen“, weil vor ihm Marek Konwa zu Boden ging. Als er dann in hinteren Positionen in den ersten Singletrail ging, flog er in einer Wurzelpassage über den Lenker „weil ich zu langsam war“.

Dennoch fand er sich, wie schon im Val di Sole irgendwie mit seinen Teamgenossen José Hermida und Ondrej Cink zusammen. Der Tscheche profitierte eine Weile davon, dass Hermida ihn aus der siebenköpfigen Verfolgergruppe ab Platz vier hatte fahren lassen. Cink kam aber Marco Fontana nicht näher und wurde dann wieder eingeholt. Am Ende belegte das Multivan-Merida-Trio die Plätze sechs (Hermida), sieben (Cink) und zwölf (van Houts).

Katerina Nash
(Luna Pro) hat Platz vier belegt. Wieder mal. Damit hat sie Erfahrung. Wahlweise auch mit zweiten Plätzen nach einem Sturz kurz vor dem Ziel in Führung liegend oder mit einem Einbruch in gleicher Situation. „Ich habe nichts falsch gemacht, die anderen waren einfach stärker als ich“, meinte die sympathische Tschechin im Ziel. Maja Wloszczowska war ihr Anfang der letzten Runde weg gefahren.

Julie Bresset
(BH Suntour KMC) landete im französischen Nationaltrikot auf dem siebten Rang, noch abgefangen von Esther Süss (Wheeler-iXS), die am Anfang einen heftigen Sturz erlebte. Bresset hätte eigentlich im weißen Regenbogen-Jersey der Weltmeisterin fahren können, müssen, dürfen. Das hatte sie aber zuhause vergessen. Mit ihrem Rennen war sie zufrieden, nachdem sie acht Tage zuvor im Val di Sole noch mächtig gelitten hatte. „Positive Zeichen“ hätte sie gesehen, twitterte Bresset, die sich ja im April in Münsingen das Schlüsselbein gebrochen hatte.

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Nathalie Schneitter: Nach dem Ärger im Eliminator Sprint, Elfte im Cross-Country. ©Armin M. Küstenbrück/EGO-Promotion

Nathalie Schneitter (Colnago Südtirol) war nach ihrem Ausscheiden im Viertelfinale des Eliminator Sprints enttäuscht und verärgert. Zu Recht. Die Russin Elvira Khairullina hatte im Sprint auf der Zielgerade ganz offensichtlich zweimal die Linie gewechselt. Und zwar jeweils mit dem Blick über die Schulter genau auf die Seite, an der Schneitter vorbei wollte. Ein Protest des Schweizer Verbandes wurde abgewiesen. Kaum vorstellbar, dass so ein Verhalten in einem Straßenrennen toleriert werden würde.


Kathrin Stirnemann
(Sabine Spitz-Haibike): Die Vize-Europameisterin im Eliminator Sprint verlor ihren zwölften Platz in der letzten Runde durch einen Kettenriss. Kathrin Stirnemann lag in der ersten Runde erst einmal an der Spitze des Feldes, musste dann aber Tempo raus nehmen.