Nadine Rieder im Interview: Mit Lockerheit zur Sprint-Titelverteidigung?

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Hofft bis nächste Woche wieder gesund zu sein: Nadine Rieder ©Johannes Pöttgens

Drei Jahre hat es nicht geklappt, doch 2015 war es so weit. Im hessischen Ortenberg eroberte Nadine Rieder ihren ersten Deutschen Meistertitel im Eliminator Sprint. Die Sonthofenerin vom Team AMG-Rotwild will am 11. Juni in Bodenmais das Meisterjersey verteidigen und dann drei Wochen später bei der WM in Nove Mesto, Tschechien, auch wieder so weit wie möglich kommen. In einem Interview, das seitens der Sprint-DM in Bodenmais versendet wurde, erklärt die Allgäuerin warum sie in La Bresse nicht am Start war und dass sie versteht, warum ihre Eltern beim Sprint kaum hinschauen können.

 

Nadine, wir treffen Dich zuhause an und Du bist gerade vom Arzt gekommen. Wo fehlt’s?
Ich bin ja beim Cross-Country-Weltcup in Albstadt (22. Mai) gestürzt, hatte ein Schleudertrauma und Prellungen. Aber danach habe ich auch noch eine Erkältung bekommen. Deshalb musste ich dann auch auf einen Start beim Weltcup in La Bresse verzichten. Jetzt hat es sich immer noch ganz gut gefühlt. Deshalb bin ich noch mal zum Arzt und werde deshalb jetzt auch schweren Herzens auf das Rennen in Gränichen (Schweiz) verzichten. Auch wegen der Deutschen Meisterschaft in Bodenmais.

Die DM steht hoch im Kurs bei Ihnen?
Ja doch, schon.

Auch im Sinne der Vorbereitung auf die WM?
Ja, die DM ist auch ein Test. Es ist wichtig, weil ich bisher noch keinen Eliminator bestritten habe.

Wie schwer ist es, ohne vorher einen Sprint bestritten zu haben, die DM zu bestreiten?
Mir macht das eigentlich gar nichts. Da kann ich auf meine Sprint-Qualitäten verlassen. Der Weltcup in Albstadt 2013 war das beste Beispiel. Da bin ich ohne Vorbereitung Dritte geworden. Mehr Sorgen macht mir da der Infekt. Wenn man zehn Tage gar nichts machen konnte, ist das nicht so gut. Ich hoffe, dass ich bis nächste Woche wieder voll fit bin und mich vorbereiten kann.

Du hast voriges Jahr erstmals den Titel geholt, die Jahre vorher hast Du immer als Mitfavoritin gegolten. Wie wichtig ist es Dir jetzt das Trikot zu verteidigen?
Schon wichtig. Ich habe zwar dieses Jahr nichts Spezielles dafür gemacht, aber das habe ich auch letztes Jahr nicht mehr. Die Disziplin liegt mir und macht mir Spaß. Es wäre natürlich sehr schön, wenn ich den Titel verteidigen könnte.

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Nadine Rieder in Bad Säckingen, als sie 17. wurde ©Lynn Sigel/EGO-Promotion

Mit Simon Gegenheimer haben wir auch schon über das spezielle Prickeln gesprochen, das mit dem Sprint verbunden ist. Weil es so kurz ist und in jedem Heat die Gefahr des Ausscheidens besteht. Wie empfindest Du das?
Ich mag das für mich selbst. Wenn ich aber bei den Männern zuschaue, denke ich immer: oh Gott. Da kann ich meine Eltern verstehen, wenn die sagen, Zuschauen ist nichts für schwache Nerven. Wenn ich selber fahre, bin ich so fokussiert, dann fällt mir das gar nicht so auf, dass es da so Schlag auf Schlag geht. Zuschauen finde ich jedenfalls viel schlimmer als selber zu fahren (lacht).

Würdest Du sagen, bei den Damen geht es in den Zweikämpfen etwas gesitteter zu als bei den Herren, oder gibt es da keine Unterschiede?
Hmm, bei den Damen wird schon auch mit Ellbogen gefahren. Ob es bei den Männern härter zugeht, kann ich gar nicht sagen, aber bei den Frauen wird schon auch versucht die Position zu behaupten.

Aber es bleibt alles im Rahmen?
Doch, auf jeden Fall. Es wird schon fair gefahren.

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Das Meistertrikot würde Nadine Rieder nächste Woche  gerne wieder überstreifen ©Marco Toniolo

Bei der WM warst Du zweimal nicht so weit von den Medaillenrängen entfernt.
Ja, einmal Vierte (2013), einmal Siebte (2015).

Wäre das Finale der besten Vier für dieses Jahr in Nove Mesto auch das Ziel?
Im Prinzip schon. Aber letztes Jahr habe ich mir für die WM in Andorra auch viel vorgenommen und bin dann im Halbfinale ausgeschieden. Im Sprint ist es auch wichtig, dass man mit einer gewissen Lockerheit rein geht.

Es muss schon alles passen, man muss auch Glück haben. Gerade in Nove Mesto hat man es mit einer Strecke zu tun, auf der auch taktisch gefahren wird. Da ist es gut, wenn man gelassen hingeht. Ich habe mir kein bestimmtes Ziel gesetzt, aber ich hoffe natürlich, dass es gut geht.

Die EM in Schweden (8. Mai) hast Du ausgelassen.
Ja, ich habe mich auf die Cross-Country-Weltcups konzentriert und wollte das Wochenende noch mal zum Training nutzen.

Wie eingangs schon erwähnt, haben die Cross-Country-Weltcups dann nicht funktioniert. Was hattest Du denn für ein Gefühl von Deiner Form?
Die Form war auf jeden Fall gut. Bis zum Sturz bin ich Albstadt von Startplatz 60 schnell nach vorne gekommen. War nicht so schön, dass es dann zu Ende war. Ich habe von den letzten Jahren schon gelernt, dass es nichts bringt mit der Brechstange ranzugehen. Es kommen ja noch Cross-Country-Weltcups.

Mehr zur Sprint-DM auf http://www.mtb-bodenmais.de/de/