„Nix zu verlieren“: Karl Platt steigt in den Ring für Olympia

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Legt sich für Olympia noch mal richtig in die Kurve: Karl Platt ©Sportograf

Er kommt wie ein Hase aus dem Zylinder: Cape-Epic-Sieger Karl Platt vom Team Bulls wirft in Sachen Olympia-Qualifikation seinen Hut in den Ring, genauer gesagt in die fünf Ringe. Am Wochenende kreuzt der Marathon-Spezialist beim KMC Bundesliga-Rennen in Bad Säckingen auf und der Flug zum Weltcup nach Australien ist auch schon gebucht. Bei einem SWR TV-Auftritt hat Platt das Unternehmen angerissen. Grund genug für acrossthecountry.net, sich mit dem Pfälzer über seine überraschenden Pläne unterhalten.

Karl Platt ist vor kurzem 38 Jahre alt geworden. Das ist normalerweise kein Alter, in dem man sich vom Marathon aus der Cross-Country-Disziplin zuwendet. Die umgekehrte Richtung dagegen schon eher.

Was den fünffachen Cape-Epic-Sieger und amtierenden Deutschen Marathon-Meister dazu bewogen hat, in das Rennen um ein Olympia-Ticket einzugreifen, das ist gewissermaßen eine südafrikanische Geschichte. In doppelter Hinsicht. Es hat mit einer Begegnung am Kap zu tun und mit dem legendären Etappen-Rennen dort.

Im Januar traf Karl Platt in Südafrika auf Manuel Fumic (Cannondale Factory Racing), der sich dort auf die Saison und Platt auf die Cape Epic vorbereitete.

Die Beiden hatten schon immer viel Spaß miteinander, wenn sie sich begegneten. So saß man dann zusammen und das Thema Olympia kam auf den Tisch. „Wir haben rumgeschäkert und geflunkert“, berichtet Karl Platt mit einem Lachen.

Für Karl Platt ist Olympia eine kleine Wunde in seiner Karriere, denn obschon man ihm immer das Potenzial attestierte, gelang es dem Familienvater während seiner Cross-Country-Ära nie sich für die Spiele zu qualifizieren.

„Mani sagte, du musst es einfach probieren“, erzählt Karl Platt weiter. Seither trug er diese Idee mit sich herum. Fifty-Fifty, wie er sagt. Doch wirklich zu einem Ziel formulierte sich dieser Gedanke erst nach dem Cape Epic. Der überragende Sieg an der Seite von Urs Huber, die „super Form“, die er über die Woche dort zeigte und die rasche Erholung von diesen Strapazen, anders als in den Jahren zuvor, formten sich zum Willen den Versuch zu starten.

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Die Super-Form beim fünften Cape-Epic-Sieg gab den Ausschlag. ©Andy Eyring

„Im Gegensatz zu anderen Jahren habe ich meine Form für das Cape Epic konstant aufgebaut. Dass wir den (kurzen) Prolog gewonnen haben, ohne dass ich bei 100 Prozent war und die ganze Woche nie am Anschlag war, das hat mir viel Selbstvertrauen gegeben“, erläutert Platt. „Dann dachte ich, hey, probier’s doch einfach. Du hast nichts zu verlieren.“

“Da ist Schmackes in den Beinen”

„Verlieren“ kann Karl Platt erst mal nur den einen oder anderen Marathon-Auftritt. Gewinnen kann er dagegen zusätzliche Motivation, unabhängig davon, ob es tatsächlich klappt. Sein „Mai-Loch“ ist seit vielen Jahren ein von ihm so genanntes Form-Tief, aus dem er sich dann in Richtung Transalp (Juli) wieder herausarbeiten muss.

Jetzt, mit den fünf Ringen vor den Augen, fliegen die Beine im Training leichter. „Es läuft gut“, sagt Karl Platt. „Da ist Schmackes drin.“

Die Form ist scheinbar da. Jetzt geht es um die Transformation von der Langstrecke zum dynamischen olympischen Cross-Country. Die Strecke in Bad Säckingen ist erst mal der größtmögliche Kontrast, auf 90 Minuten hin, spielt allerdings auch die konditionelle Seite eine wesentliche Rolle.

„Ich weiß ja, was mich erwartet. Voriges Jahr bin beim Bundesliga-Rennen in Wombach Sechster geworden, ohne gute Form. Sicher ist das mit der Besetzung in Bad Säckingen nicht zu vergleichen, aber ich bin trotzdem zuversichtlich.“

2008 viele Sachen falsch gemacht

Beim Weltcup-Auftakt in Cairns geht es dann um die Olympia-Norm. Zweimal Top 20 oder einmal Top-Ten sind gefordert. Aktuell ist er 146. der Weltrangliste. „In Australien werde ich vermutlich weiter vorne ins Rennen gehen können weil nicht so viele Europäer dort sind. Danach werden wir sehen. Wenn ich nur mühselig in die Top 50 fahre, dann werde ich vermutlich sagen, okay, das war’s. Aber wenn’s knapp wird, dann versuche ich es weiter. Albstadt und La Bresse sind geplant“, sagt Platt, der als wertvollstes Cross-Country-Resultat einen zwölfter Platz bei der WM 2004 stehen hat.

2007 hat er im belgischen Houffalize einen 13. Weltcup-Platz belegt. Ein Jahr später hätte ihm der in Richtung Olympia geholfen, doch da lief es nicht wie gewünscht. „Da habe ich zu viele Sachen falsch gemacht“, meint Platt.

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Konkurrenten um das Olympia-Ticket: Karl Platt (links) und Simon Stiebjahn, hier beim Sprint um den Marathon-DM-Titel in Furtwangen ©Erhard Goller

Mit seinem Unterfangen wird er auch zum Konkurrenten seines jüngeren Teamkollegen Simon Stiebjahn. Der nimmt das sportlich. „Ich will dem Karl nicht zu nahe treten, aber ich bin eher skeptisch, dass er es schafft. Aber es könnte ihm für die nächsten Aufgaben im Marathon helfen, zum Beispiel bei der Marathon-WM, die ja auch ein sehr zackiges Profil hat“, erklärt Stiebjahn.

Auf diese Situation in Sachen Olympia-Quali trifft Karl Platt:

Mit Italien kämpfen die BDR-Herren um den dritten Startplatz, den Platt wohl brauchen würde, sofern er nicht gar an Moritz Milatz (Kreidler Werksteam) und Manuel Fumic vorbeifährt (die beide die Norm schon erfüllt haben).

Bei Top-Ergebnissen, die für die Olympia-Quali reichen, könnte auch Karl Platt noch der dritte Mann werden, der in die Nationenwertung zählt.

Karl Platt tritt im Grunde auch gegen die jüngere Generation an. Markus Schulte-Lünzum (24, Focus XC), Markus Bauer (26, Kreidler Werksteam), Martin Gluth (24, Novus-OMX) und eben Simon Stiebjahn (26) haben sich die Olympia-Quali auch zum Ziel gesetzt. Zweimal Top 20 in den drei Weltcups oder bei der EM oder einmal in diesen vier Rennen unter den besten Zehn, ist die geforderte Norm.

Eine Formalität muss noch erfüllt werden, lässt der Bund Deutscher Radfahrer wissen. Karl Platt muss nachträglich noch auf die so genannte „Long List“, eine Liste, mit der ein Sport-Verband alle möglichen Olympia-Teilnehmer lange vorher beim Deutschen Olympischen Sportbund anmeldet. Es sieht aber erst mal nicht so aus, als wäre das ein Problem.