Offroad-Notizen: Mountainbiker holen Titel auf schmalen Reifen

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Verteidigte ihren Cross-Titel souverän: Eva Lechner ©Armin M. Küstenbrück/EGO-Promotion

Das Wochenende der nationalen Cross-Meisterschaften produziert auch aus Sicht der MTB-Spezialisten Nachrichten. In der Schweiz, in Italien, in Dänemark und in Großbritannien holten etatmäßige Mountainbiker Meister-Jerseys. In Spanien produzierte ein Biker auf schmalen Reifen ein kleines Kuriosum und ein Deutscher erklärt, warum er nicht am Start war. Offroad-Notizen.

 

In der Schweiz haben sich mit Lars Forster (BMC Racing) und Sina Frei (jb Brunex Felt) in Dagmersellen die Meisterjerseys im Cyclo-Cross übergestreift. Lars Forster bezwang den favorisierten Julien Taramarcaz (ERA, +0:10) und Nicola Rohrbach (goldwurstpower-Felt, +0:42). Eingangs der letzten Runde war auch noch Lukas Flückiger (BMC Racing) Teil einer vierköpfigen Spitzengruppe gewesen, bevor Lars Forster eine fulminante letzte Runde auf den Kurs zauberte, die gleichzeitig auch die schnellste Runde überhaupt war.

Lars Forster wird am Mittwoch für zwei Wochen zum Trainingslager nach Gran Canaria fliegen, die Cross-Weltmeisterschaften aber „wahrscheinlich“ fahren, wie er gegenüber acrossthecountry.net erklärte.

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Lars Forster auf dem Weg zum Titel ©Elisa Haumesser

Bei den Damen setzte sich Sina Frei hauchdünn gegen Nicole Koller (Tower Sports Eschenbach) durch. Die vielseitige Junioren-Europameisterin, die auf Straße und Mountainbike ebenso stark fährt, lag nach einer Runde mit Nicole Koller und Lise-Marie Henzelin (Cycles Prof) in Führung, in Runde drei verlor Henzelin den Anschluss. So kam es in Abwesenheit der fingerverletzten Katrin Leumann (Goldwurstpower/Sputnik) zu einem aus dem Junioren-Lager hinlänglich bekannten und spannenden Duell. Im Sprint wurden sechs Zehntel Vorsprung für Sina Frei vor Nicole Koller gemessen, Dritte wurde Lise-Marie Henzelin (+1:09).

Ergebnisse

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Eva Lechner (Luna Pro Team) hat ihren italienischen Cross-Meister-Titel in Monte Prat verteidigt. Nachdem die Weltcup-Gesamt-Zweite am Dreikönigstag durch einen Defekt das Rennen um den Giro d’Italia in Rom gegen Alice Maria Arzuffi verloren hatte, setzte sie sich in Monte Prato souverän mit 2:29 Minuten Vorsprung auf Anna Oberparleiter und 3:14 gegenüber Alessia Bulleri durch. Zweitschnellste des Tages war allerdings Arzuffi, die 2:01 Minuten nach Lechner ins Ziel kam und U23-Meisterin wurde.

Bei den Herren siegte Gioele Bertolini (Merida), der als U23-Fahrer für die Elite gemeldet hatte und Altmeister Enrico Franzoi und Christian Cominelli hinter sich ließ.

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Markus Schulte-Lünzum (Focus XC) musste auf einen Start bei der Cross-DM verzichten. Der ehemalige U23-Meister in dieser Disziplin und Cross-Country-Elite-Champion von 2014 war nach einem Infekt noch nicht wieder fit (genug). „Mich hat es vor einer Woche etwas erwischt, dachte aber, dass es noch reicht bis zur Cross-DM. Aber der Samstag war der erste Tag, an dem ich wieder halbwegs bei Kräften war, jedoch immer noch nicht hundertprozentig fit. Ich wollte mit einer hochintensiven nicht voreilig wieder anfangen, wichtig ist die Vorbereitung auf eine top MTB-Saison“, erklärte Schulte-Lünzum seinen Verzicht. So war der Vorjahres-Sechste in Vechta nur auf Beobachtungs-Stand.

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Jose Hermida (Multivan-Merida) gab die Cross-Meisterschaften in Spanien unter etwas kuriosen Umständen auf. Der Katalane lag Anfang letzter Runde an vierter Stelle, kämpfte noch um Bronze, als er versuchte bei matschigen Bedingungen mit einem Radwechsel seine Chance auf eine Medaille zu wahren. Doch als er in die Technische Zone kam, musste er feststellen, dass sein anderes Bike nicht fertig war. Im Cyclo-Cross muss man aber tauschen, wenn man in die Zone reinfährt. Er fuhr mit dem gleichen Rad wieder raus, entschied sich aber nach 150 Metern aufzugeben, um jegliche Diskussionen zu vermeiden. „Ich hatte dadurch zwar keinen Vorteil, aber so sind halt die Regeln. Um den Titel konnte ich heute nicht mitkämpfen, weil ich mich nicht speziell vorbereitet habe, um Bronze hätte ich aber mitfahren können“, lässt sich Hermida in einer Pressemitteilung zitieren.

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Georgia Gould (Luna Pro Team) holte sich bei den US-amerikanischen Meisterschaften die Silbermedaille hinter Katherine Compton. Die bleibt die Queen des US Cyclo-Cross und machte in Sachen Titeln das Dutzend voll. Bronze ging an Katie Antonneau. Bei den Herren siegte Titelverteidiger Jeremy Powers.

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Simon Andreassen (Specialized Racing) gewann in Dänemark den ersten Elite-Titel seiner Karriere. Der Junioren-Weltmeister rückte von der U19 gleich in die Elite-Kategorie auf und siegte dort souverän. Das eröffnete Sebastian Carstensen Fini (CST Superior) die Möglichkeit in Kalundborg den U23-Titel zu gewinnen. Bei den Damen siegte die erst 17-jährige Carolin Bohé im Sprint vor MTB-Spezialistin Malene Degn und Magriet Helena Kloppenburg.

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Liam Killeen holte sich in Großbritannien den Titel vor Ian Field und Jack Clarkson. Killeen, Olympia-Fünfter in Athen und U23-Vize-Weltmeister 2004, hat eine lange Leidenszeit hinter sich, nachdem er bei den Olympischen Spielen in London schwer gestürzt war.

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