Olympia Rio 2016: Helen Grobert, der Schock von Mont Sainte Anne und das Fumic-Autogramm auf dem Trikot

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Helen Grobert beim ersten Training auf der Olympia-Strecke ©Armin M. Küstenbrück/EGO-Promotion

Helen Grobert ist im deutschen MTB-Quartett der einzige Neuling. Die Deutsche Vize-Meisterin vom Team Ghost Factory Racing war mit ihrer Generalprobe in Mont Sainte Anne gar nicht zufrieden. Im Interview erklärt sie warum und dann auch wieso es was Besonderes für sie ist mit Manuel Fumic im Olympia-Team zu sein.

 

Helen, es sind nur noch wenige Tage bis zum Olympischen Rennen. Wie lief es seit dem Weltcup in Mont Sainte Anne?

Ich habe erst einmal Zeit gebraucht, um mich davon zu erholen. Es hat ziemlich an mir gezehrt. Das Rennen fiel mir nicht leicht und es war eine ziemlich schlechte Generalprobe. Aber ich habe mich dann doch erholt und jetzt ist das Gefühl noch mal besser als vor Mont Sainte Anne. Die Laune war erst mal nicht so gut, aber die Woche in Kanada war jeder Tag richtig gut.

Du sprichst von einer schlechten Generalprobe. Was war denn wirklich schlecht daran?

Wenn ich ins Ziel komme und meine Leistung nicht abrufen konnte. Es war nicht so, dass ich nicht voll gekämpft habe, nein, ich habe brutal gekämpft. Aber ich konnte nicht abrufen, was ich die Wochen davor trainiert habe.

Im Blick aufs Ergebnis?

Nein, ich konnte einfach meine Trainingsleistungen nicht umsetzen. Es lag vielleicht daran, dass ich echt viel trainiert habe und deshalb noch nicht ganz erholt war. Platz zwölf war solide, aber es gehört vielleicht einfach dazu.

Aber du hattest eine andere Erwartung?

Hmm, es ist so, dass ich denke, dieses Jahr bin ich wirklich angekommen in diesem Profi-Leben. Mir macht das immer mehr Spaß. Aber wenn man einmal nicht hundert Prozent da ist, dann geht der Schuss nach hinten los. Das Damenfeld ist so stark geworden, dass du gleich mehrere Minuten kassierst. Im Rennen sind ein paar Sachen schief gegangen, mit dem Sturz und dann der Insektenstich. Dann stehen im Ziel sieben Minuten Rückstand. Dann bin ich schon geschockt. Wenn es mir in den Tagen zuvor so gut ging und wenn ich im Training schöner gefahren bin, als im Rennen, dann bist du unglücklich. Aber es ist krass wie schnell, was passiert. Das sieht man ja an Sabine. Ich hatte bei meinem Sturz auch Glück, dass nicht mehr passiert ist.

Bist du jemand, der das Geschehen hinterher genau analysiert?

Mit meinem Vater und Florian Geyer vom Radlabor in Freiburg, mit denen ich ja zusammen arbeite, reden wir sachlich und professionell darüber, was geht und was nicht. Ich habe Test-Strecken auf denen ich schauen kann, welche Wattzahlen ich trete und deshalb weiß ich ziemlich gut vor den Rennen, wie gut ich drauf bin. Aber umsetzen muss man es dann halt auch noch können.

Ihr wart noch drei Tage in Petropolis. Wie ging es dir dort?

Ich habe das vorher gar nicht als so wichtig angeschaut, aber wir konnten uns da noch mal richtig entspannen. Das hätte ich gar nicht gedacht, so kurz vor einem wichtigen Rennen. Wir hatten gute Tage dort.

Wie war das mit Manuel und Moritz, die beide zehn Jahre älter sind wie du?

Es ist lustig: ich habe mich mit Mani darüber unterhalten, dass ich bei meiner ersten WM in Canberra 2009 (als Juniorin) gemeinsam mit Wenzel Böhm-Gräber bei Mani und bei Fontana (Marco) am Hotelzimmer angeklopft haben und uns das Trikot unterschreiben ließen (lacht). Und jetzt bin ich mit ihm zusammen bei Olympia. Unglaublich. Aber es macht hier natürlich jeder sein Programm. Trotzdem konnte ich bei Mani auch mal im Windschatten mitfahren. Wir grenzen uns nicht komplett voneinander ab, wir haben ein Team-Feeling und eine gute Zeit.

Du warst im Herbst beim Testrennen mit dabei. Wie kommst du mit dem Kurs klar?

Ich denke, es ist eine Strecke, auf der ich ein gutes Rennen fahren kann. Ich freue mich drauf.

Olympia ist für die meisten ein großer Traum, für dich auch?

Sicher. Es ist schon ein riesiger Erfolg für Deutschland nominiert zu werden, hier dabei zu sein. Dass ich mit diesem Team hier sein kann, darauf bin ich stolz. Schritt zwei ist, dass ich mein bestes Rennen in dieser Saison fahren will. Ich habe mich sehr gut darauf vorbereitet bin, so das sich keine Angst haben muss. Wenn ich das abliefern kann, was ich trainiert habe, dann wird es richtig gut. Aber die Tagesform spielt natürlich eine Rolle. Es ist auf jeden Fall das Highlight der Saison. Ich denke, ich bin das Rennen in Mont Sainte Anne nicht so gefahren, wie ich das am Samstag fahren werde. Darauf freue ich mich und darauf, das Ganze zu erleben.