SM Montsevelier: Schurters sechster Titel stand auf wackligen Beinen

FOTOS |Knapp gewonnen ist auch gewonnen: Nino Schurter ist erneut Schweizer Meister ©Swiss Cycling 

Die Konkurrenz macht immer einen Fehler zu viel: Nino Schurter (Scott-Sram) hat bei den Schweizer Meisterschaften in Montsevelier das Rennen der Herren gewonnen. 13 Sekunden nach ihm überquerte Mathias Flückiger (Radon XC) die Ziellinie, weitere drei Sekunden danach folgte Florian Vogel auf dem Bronze-Rang.

 

Das halbe Rennen lang schien es als könnte das Schweizer Meister-Jersey den Besitzer wechseln, jedenfalls stand Schurters Sieg auf wackligen Beinen.  Mathias Flückiger lag gemeinsam mit Weltmeister Nino Schurter in Führung, Lars Forster (BMC Racing) hatte den Anschluss bereits etwas verloren.

Doch wie schon beim Weltcup in Albstadt war es Mathias Flückiger selbst, der sich die Chance auf ein Duell bis zum Schluss verwehrte. Er stürzte in einem Steinfeld und verlor den Kontakt zu Nino Schurter.

Diese Steilvorlage ließ sich Nino Schurter nicht entgehen. Natürlich sind Hochrechnungen spekulativ, doch wenn man sieht, dass Mathias Flückiger den Abstand zum Olympiasieger noch mal verringern, ihn noch mal unter Druck setzen konnte, hätte man gerne gesehen wie vor einer schönen Zuschauerkulisse in Montsevelier der Kampf ums Jersey mit dem weißen Schweizer Kreuz ausgegangen wäre.

 

Thomas Frischknecht: Flückiger war stärker

Eines, das Nino Schurter erst mal sowieso nicht tragen wird, weil er ja mindestens bis September im Regenbogen-Jersey unterwegs ist. Für den mit Autogrammen beschäftigen Schurter gab sein Team-Chef Thomas Frischknecht Einblick:

„Mathias war aus meiner Sicht definitiv stärker als Nino. Schade für das Rennen, dass es nicht zum richtigen Duell gekommen ist. Für Nino war es heute extrem schwer, aber Mathias hat viel riskiert in den Abfahrten, à la Albstadt. So war es auch kein Wunder, dass es so passiert ist. Sonst hätte es wohl anders ausgeschaut, zumal Mathias auch noch mal bedrohlich nahe gekommen ist.“

 

Mathias Flückiger musste sich mit 13 Sekunden Rückstand mit Silber begnügen. „Wie es ausgegangen wäre? Man kann immer sagen, ich hätte gewonnen. Ich war bis zum Sturz nie am Limit. Aber ich heute würde ich behaupten, es war kein Fahrfehler. Ich bin aus dem Pedal gekommen, was über das Steinfeld nicht ideal war und in der Welle danach habe ich mich überschlagen“, erklärte Flückiger.

„Mit meiner Leistung und meinem Resultat bin ich generell zufrieden. Nach dem Sturz konnte ich wieder motivieren. Jetzt hat halt Nino gewonnen, wie ab und zu auch schon“, meinte er mit einem Lachen.

 

Vogel erlebt Krise und kommt zurück

Hinter Schurter und Flückiger entbrannte in der Schlussrunde noch der Kampf um Bronze – mit dem besseren Ende für Florian Vogel. Der Focus-Fahrer hatte sich seine Kräfte gut eingeteilt und ging auf der letzten 4,7 Kilometer-Schleife noch an Lars Forster vorbei.

Vogel war zwischenzeitlich auf Position fünf, gemeinsam mit Thomas Litscher (jb Brunex-Felt) unterwegs. „Anfangs war ich offensiv, aber ich hatte nicht die besten Beine. Zwischendrin hatte ich mal eine richtige Krise, konnte dann aber mit Thomas einen schönen Rhythmus fahren bis er eine Schwächephase hatte. Ich muss glücklich sein, das sich noch mal so aufdrehen konnte“, meinte Vogel, „das war das Maximum heute.“

 

Hinter Lars Forster (+0:48) wurde Thomas Litscher Fünfter (+1:50). „Ich bin zufrieden. Fünfter in der Schweiz ist sehr gut. Ich habe immer gesagt, der Motor läuft. Das mit dem Rücken bin ich am Lösen und das Team steht voll hinter mir, das finde ich super“, sagte Litscher.

 

Medaillen-Kandidat Lukas Flückiger (BMC Racing) gab das Rennen auf. „Es ist das erste Rennen, das ich ohne Zwang aufgegeben habe. Das ist bitter für mich. Aber ich hatte null Energie. Nach Lenzerheide habe ich mich nicht gut erholt, meine Tochter hatte einen Infekt, vermutlich hatte ich einen kleinen Streifschuss“, meinte Flückiger.

Ergebnis