Swiss Bike Cup Rivera: Julian Schelb und sein Problem mit den Frühblühern

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Nach dem Weltcup in Mont Sainte Anne unterbrach Julian Schelb voriges Jahr die Saison. ©Andreas Dobslaff/EGO-Promotion

2015 verschwand Julian Schelb (Multivan-Merida) meistens in den hinteren Positionen der Ergebnislisten und auch die Saison 2016 hat nicht anders begonnen. Dabei fühlt er sich im Grunde fit. Der U23 Vizeweltmeister von 2013 laboriert aber nach wie vor an einer Allergie und kann dem Handicap aktuell nur mit Geduld begegnen. Beim Swiss Bike-Cup in Rivera soll am Sonntag der nächste Versuch starten.

Im Winter versuchte Julian Schelb sein Problem mit einer homöopathischen Behandlung in Griff zu bekommen oder zumindest zu lindern. Doch beim Afxentia Etappenrennen auf Zypern (DNF) machte sich kein entscheidender Fortschritt bemerkbar. Da war er zuvor krank, wie einige seiner Teamkollegen auch. Doch auch am vergangenen Sonntag in Mailand (47.) konnte Julian Schelb seine Leistung nicht abrufen.

„Echt sch..“, kommentierte Julian Schelb danach. Es ist unschwer zu erkennen, dass ihn die Einschränkung langsam zermürbt. „Im Training fühlt es sich schon gut an und deshalb war ich echt zuversichtlich. Insofern ist es doppelt schlimm, dass ich meine Leistung einfach nicht ausschöpfen kann.“

Das Grundlagen-Training funktioniert, doch sobald er in eine höhere Intensität gehen muss, ob im Training oder im Rennen, dann riegelt der Körper ab. Die Frühblüher-Bäume sind es, die ihm zu schaffen machen und davon gibt es viele. Nase und Augen sind betroffen.

Beim Trainingslager in Camprils, Spanien, im Februar habe er gar nichts gespürt, so Schelb. „Das ist jedes Jahr anders“, sagt der Münstertäler und deshalb schwer zu kalkulieren. Auch eine zweite Therapie kann er frühestens nach der Saison anstreben.

Was dieses Handicap angeht, ist der Wettkampf-Kalender 2016 geradezu fatal. Ende April wird für die EM in Schweden nominiert, Anfang Juni für die WM in Tschechien. Vermutlich blüht’s in dieser ganzen Zeit was das Zeug hält. Einzig der Weltcup in Australien macht Hoffnung. Dort ist ja Herbst. Vor zwei Jahren stand er dort als Fünfter auf dem des Eliminator-Weltcups.

Trainer-Wechsel und Studium

Im vergangenen Jahr wechselte Julian Schelb nach Absprache mit dem Team den Trainer. Wie der WM-Dritte Ondrej Cink wird er jetzt von Christoph Weiß gecoacht.

„Mehr Intervalle, weniger Grundlage“, erklärt Schelb, „das war schon eine große Veränderung.“ Ob und wie sich die ausgezahlt hat, lässt sich unter diesen Umständen aber natürlich nicht sagen.

Im Herbst hat sich Schelb in Freiburg an der Uni eingeschrieben. Er studiert Volkswirtschaft. „Am Anfang ist es schwierig rauszufinden, wie viel ich lernen muss und wie ich es mit dem Training zusammenkriege. Aber insgesamt passt es schon“, meint der 23-Jährige.

Abwarten wie in Rivera die Pollen fliegen

Der Schwarzwälder wäre in einem gesunden Zustand einer der deutschen Hoffnungsträger für die Zeit nach Manuel Fumic und Moritz Milatz. Im Moment aber hat er genug damit zu tun, seinen eigenen Frust zu bekämpfen. Die Sinnfrage kommt nach Rennen wie auf Zypern oder in Mailand ganz zwangsläufig auf. Schließlich laboriert Julian Schelb ja schon länger an dem Problem und echte Erfolgserlebnisse waren in diesen drei Jahren rar.

Ob es am Sonntag in Rivera eines geben wird, das bleibt offen. Selbst wenn keine Pollen fliegen, der Körper ist ja durch die Über-Reaktion des Immunsystems in den Tagen zuvor schon über Gebühr belastet.

„Ich gehe davon aus, dass ich in Rivera an den Start gehe. Vorzeitig aufgeben will ich auch nicht. Wenn ich am Sonntag aber spüre, dass es nicht geht, dann werde ich reagieren“, sagt Schelb. Das heißt gar nicht fahren oder das Rennen vorzeitig beenden.

Das ist ein Lerneffekt aus den vorigen Jahren. 2015 schleppte er sich angeschlagen noch zu oft durch die Wettkämpfe, was den Körper zusätzlich schwächte.

Sollte es gehen, dann ist im absoluten Weltklasse-Feld mit Weltmeister Nino Schurter (Scott-Odlo), Julien Absalon (BMC Racing) etc, natürlich kein Top-Resultat zu erwarten. Vermutlich wäre Julian Schelb aber erst mal froh, einfach ein Rennen ohne Handicap hinter sich bringen zu können.