Team-Gründung im Schwarzwald: Vier Freunde müsst ihr sein

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Das Team Stop&Go Marderabwehr von links: Björn Ahlgrimm, Julian Schelb, Niklas Sell und Johannes Bläsi ©picslix Fotografie

Der U23-Vizeweltmeister von 2013 Julian Schelb nimmt einen neuen Anlauf. Gemeinsam mit drei Freunden fährt er ab Beginn der kommenden Saison für das Team STOP&GO Marderabwehr. Es ist eine ungewöhnliche Formation mit vielen verbindenden Elementen, die sich da im Schwarzwald zusammen gefunden hat. Acrossthecountry.net hat die Vier und ihren Sponsor getroffen und sich die spezielle Geschichte erzählen lassen.

 

Julian Schelb, Johannes Bläsi, Niklas Sell, Björn Ahlgrimm. Was hat dieses Quartett gemeinsam? Klar, alle Vier lieben sie es im Sattel eines Mountainbikes zu sitzen und ja, künftig werden sie im gleichen Trikot für den gleichen Sponsor, STOP&GO Marderabwehr, in die Pedale treten. Auch sind alle Vier in den 20ern, Björn Ahlgrimm ist 26, Julian Schelb noch 23, Johannes Bläsi und Niklas Sell je 20 Jahre alt.

Außerdem sind sie alle Studenten. Ahlgrimm studiert Medizin, Schelb Volkswirtschaftslehre, Bläsi ab dem angelaufenen Semester auch und Sell BWL International Business.

So viele Gemeinsamkeiten würden für ein homogenes Team eigentlich schon reichen, doch es gibt noch ein weiteres verbindendes Element, eines das die entscheidende Rolle für die Team-Gründung spielt.

Alle vier Sportler kommen aus Münstertal, einer 5200-Einwohner-Gemeinde im Südschwarzwald, an der nördlichen Flanke des Belchen, ein paar Kilometer westlich von Staufen im Breisgau, 20 Kilometer südlich von Freiburg. Die Unterscheidung in Obermünstertal und Untermünstertal, die ernsthaften und Augen zwinkernden örtlichen Rivalitäten, überlassen wir an dieser Stelle den Bürgern dieser idyllisch gelegenen Kommune in Südbaden.

Der Sponsor: Ultra-Biker der ersten Stunde

Wo wir aber schon bei Herkunft und Wohnort der vier Athleten sind. Hans-Jörg Schelb (nicht mit Julian verwandt), Inhaber von STOP&GO Marderabwehr, kommt auch aus: ja, Münstertal.

Dieses Athleten-Quartett, das lässt sich unschwer vermuten, das ist keine Zweck-Gemeinschaft, wie sie sich in Sport-Mannschaften oft zusammen findet. Man kennt sich natürlich bestens, unter Sportlern sowieso. Und Hans-Jörg Schelb kennt sie auch. Nicht zuletzt weil er sich nach Fußballerzeiten für die Spvgg Untermünstertal selbst gerne in den MTB-Sattel schwingt und von sich behaupten kann, dass er 1997 bereits bei der Premiere des Kirchzartener Ultra Bike-Marathon mit am Start war.

Niklas Sell betreibt ein duales Studium und seine Praxis-Stelle hat er bei STOP&GO Marderabwehr in Neuenburg am Rhein. Als Mountainbiker wurde Sell bereits in dieser Saison von seinem Chef unterstützt. Damit ist die Gründungsgeschichte erzählt.

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Fuhr schon 2016 unter der Flagge des Sponsors: Niklas Sell ©picslix Fotografie

So erscheint das Team sehr homogen, doch betrachtet man den sportlichen Werdegang besitzen die vier Radsportler sehr unterschiedliche Biographien.

Julian Schelb ist hinlänglich bekannt. Junioren-WM-Dritter 2010 und U23-Vizeweltmeister 2013, ab 2014 beim Profi-Team Multivan-Merida, das er Ende Mai vorzeitig und aus freien Stücken verließ, vor allem weil er von Allergie-Problemen massiv zurückgebunden wurde. Seither radelte er nur noch nach Lust und Laune, aber gar nicht mal so wenig.

 

Niklas Sell: Mit Luft nach oben

Niklas Sell fährt seit der U11 im Verein TuS Obermünstertal, bzw. dessen MTB-Abteilung Bikecrew Münstertal. Sell war als Junior im U19-Landeskader, unter anderem Vierter im Bundesliga-Rennen in Schopp und Neunter in Heubach. Allerdings kugelte er sich als Junior auch die Schulter aus und musste

pausieren. 2014 gab er seinen Landeskader-Platz freiwillig her, weil er für eine Zeit lang nach Neuseeland ging.

2015 nahm er den Faden wieder auf, und in diesem Jahr belegte er bei der U23-DM Rang zehn und war hinter Sven Strähle und Johannes Bläsi Dritter bei den Landesmeisterschaften.

Glaubt man Julian Schelb, dann hat Niklas Sell „noch einige Luft nach oben“. Jetzt verschwand er zwar erst mal für ein Semester Studium nach Kalifornien, doch das muss für die Saison 2017 kein Nachteil sein.

Björn Ahlgrimm: Langläufer, Fußballer, Mountainbiker

Der Dritte im Bunde kommt aus einer anderen sportlichen Ecke. Björn Ahlgrimm war Langläufer und

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Von den schmalen Langlaufbrettern auf die breiten Reifen: Björn Ahlgrimm ©picslix Fotografie

von 2006 bis 2010 Mitglied des Nationalkaders. Als Junior wurde er 2009 Dritter der Continental-Cup-Gesamtwertung und Dritter der Deutschen Meisterschaften über zehn Kilometer Freistil.

2010 gewann er zwei Rennen um den Deutschland-Pokal, bevor er dann per Sportstipendium in die USA ging. 2011 hörte der Medizin-Student abrupt auf mit dem Leistungssport, nachdem er nicht für den B-Kader vorgesehen war.

„Ich habe mich dann lieber aufs Medizinstudium konzentriert“, sagt Ahlgrimm. Während er in Mainz studierte, spielte er Verbandsliga-Fußball, fand dann aber wieder zum Langlauf zurück und als der Wechsel an die Uni Freiburg erfolgte, wurden es immer mehr Einheiten auf dem Rad. Vor allem mit seinem Freund Julian Schelb.

 

Johannes Bläsi: EM und WM als Ziel

Schelb wiederum ist auch der Cousin von Johannes Bläsi und der schon seit Kinder-Tagen sehr häufig gemeinsam mit Niklas Sell im Sattel. „Am Anfang war Niklas etwas besser, inzwischen bin ich es“, sagt Bläsi. Er hat es 2015 bereits zur EM- und WM-Teilnahme gebracht.

Der 14. Platz bei der U23-EM in Chies d’Alpago war im zweiten U23-Jahr schon ein Ausrufe-Zeichen. Dieses Jahr hat er einen 17. Rang vom U23-Weltcup in Albstadt vorzuweisen. Eine Woche später bremsten ihn in La Bresse zwei Plattfüße, so dass es auch mit einer WM-Nominierung nichts wurde. „Darüber war ich schon enttäuscht. Einmal Top 15 wäre drin gewesen“, meint Johannes Bläsi. Bei der Deutschen Meisterschaft wurde er Vierter.

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Johannes Bläsi will 2017 wieder Auftritte im Nationaltrikot ©Andreas Dobslaff/EGO-Promotion

EM- und WM-Teilnahme sind, logisch, das Ziel für 2017. „Ich will zeigen, was ich kann. Saisonhöhepunkte funktionieren bei mir eigentlich immer ganz gut“, meint Bläsi vor seinem letzten U23-Jahr ambitioniert. Er wechselt vom Team Freiburger Pilsner-AfK zur STOP&GO Marderabwehr. „Ich hatte dort eine gute Zeit, es sind Freundschaften entstanden. Aber das Team in Münstertal zu haben, macht für mich manches einfacher“, sagt Bläsi. Und: „Wir sind eine geile Truppe, das bringt für mich noch mehr Schwung in die Sache.“

 

Julian Schelb: Schaue von Woche zu Woche

Es haben sich also nicht nur vier Münstertäler, sondern auch vier Freunde zusammen gefunden. Das ist erst mal nicht ganz gewöhnlich. Und nicht ganz üblich sind auch die Antworten, wenn man das Quartett und den Sponsor nach seinen Zielen befragt.

Sicher, Julian Schelb war Profi und wieder dahin zu

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Nach dem vorzeitigen Ausstieg bei Multivan-Merida ein Neu-Anfang in der Heimat ©Thomas Weschta/EGO-Promotion

kommen, liegt nicht außerhalb seiner Vorstellungskraft. Doch erst mal formuliert er sein Ziel so: „Ich schaue von Woche zu Woche. Ich will im Winter wieder Spaß haben im Training.“ Langlaufen gehört dazu und im Frühjahr Straßen-Rennen des Schmolke-Carbon-Cup. „Ich will in der Saison Schritt für Schritt machen und werde sicher nicht mit Weltcups beginnen, sondern mit Tälercup-Rennen anfangen“, sagt er. Trotz Allergie-Einschränkungen Wettkämpfe bestreiten, das will er nicht mehr machen. „Auch keine Bundesliga-Rennen wenn die anderen voll im Saft stehen und ich Atemprobleme habe.“

Der Umgang mit der Allergie, eine Verbesserung der Situation, würde nur funktionieren, wenn er alles richtig mache. „Ich habe gelernt nicht zu schnell einzusteigen, alles muss gut überlegt sein. Wenn es passt, dann fahre ich auch wieder große Rennen.“

 

Eigenverantwortung ist Teil des „Versuchsjahrs“

Björn Ahlgrimm legt Wert darauf, dass „es nicht wieder nur ums Ergebnis geht“. Sondern, dass der Spaß immer mit im Sattel sitzt. „Es gibt keine Vorgaben von unserem Sponsor, wir können unsere Ziele selber setzen.“

Eines, das er sich gesetzt hat, ist: „einen großen Schritt zu machen“, Fahrtechnik zu verbessern und mehr Rennen zu fahren – um mehr Erfahrungen im Marathon-Metier zu sammeln. So weit es das Medizin-Studium zulässt.

Niklas Sell, als Jüngster der Combo, will ebenfalls vorwärts kommen. Als 20-Jähriger dürfte das auch machbar sein und mit Unterstützung seines Chefs sowieso.

Hans-Jörg Schelb sieht sich als „blutiger Anfänger“ in Sachen MTB-Team und 2017 als eine Art „Versuchsjahr“. Dann will er eine Bestandsaufnahme machen und weiter planen.

„Mir ist es wichtig das Projekt nachhaltig zu gestalten“, sagt er. „Es geht im Team auch um Eigenverantwortung, dass es als eine Art Lebensschule wirkt. Die Sportler stehen nicht unter Druck, sondern sollen Spaß haben an dem, was sie tun. Leistung soll sich in vielen Bereichen zeigen.“ Schelb will auch bewusst die Symbiose Ausbildung und Spitzensport unterstützen. „Ich sehe das als spannendes Projekt“, so der Firmen-Chef.

Daher kümmern sich die vier Fahrer auch selbst um die weiteren Sponsoren, um Selbstdarstellung, Logistik und so weiter. „Es geht auch um das Gefühl, dass es was Eigenes ist“, sagt Ahlgrimm.

Eigen ist auch, dass die vier Biker auf bereits vorhandenem Material die Rennen bestreiten, also nicht auf einheitlichen Rädern unterwegs sind. „Damit sind wir in unserer Lage auch freier“, meint Julian Schelb. Ein so kleines Team würde von einem Sponsor ohnehin nicht mit zwei, drei Rädern ausgestattet. Insofern wäre es besser, dass jeder das nutzt, was er eh schon hat. Eine Hand voll Co-Sponsoren gibt es aber trotzdem.

Man darf gespannt sein auf die Fahrer im gelb-magenta-farbenen Dress.

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