Toni Partheymüller: Für die WM wird die Produktion umgestellt

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Sprint-Bronze für Toni Partheymüller ©Armin M. Küstenbrück/EGO-Promotion

Am vergangenen Samstag gewann der erst 19-jährige Toni Partheymüller vom Team Haibike-KMC Bronze bei der Deutschen Meisterschaft Eliminator Sprint in Bodenmais. Und in weniger als zwei Wochen wird er überraschend Deutschland als einer von acht Sprintern bei der Weltmeisterschaft in Nove Mesto, Tschechien vertreten. In den vergangenen Jahren hat man dem Oberfranken aus Marktgraitz, einem Dorf irgendwo zwischen Coburg und Bayreuth und nur wenige Kilometer von der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze entfernt, nicht viel gehört. Dabei hat der jüngste Metzgermeister Bayerns, der mit 10 Jahren beim TV Redwitz mit dem Biken begonnen hat, bei den so genannten Jugend-Europameisterschaften in Graz-Stattegg in der U15 Silber geholt.

ACC: Toni, herzliche Gratulation zur Bronzemedaille! Hattest Du damit gerechnet, in Bodenmais aufs Podium zu fahren?
Partheymüller: Danke! Nein – ich hatte überhaupt nicht damit gerechnet, das war absoluter Zufall! Ich bin gerade mal im Training zwei Sprint-Einheiten vor der DM gefahren, damit die Beine aufwachen. Ich hatte zunächst überhaupt keine Erwartungen, doch in den Heats haben sich die Beine richtig gut angefühlt, das hat mich richtig überrascht: schließlich bin ich die DM eher aus dem Training heraus gefahren. Beim Bundesliga-Sprint vergangenes Jahr in Wombach (damals war er noch Junior) bin ich aber auch schon mal Bestzeit in der Quali gefahren.

ACC: Und nun darfst Du Deutschland bei der Weltmeisterschaft vertreten! Wie fühlt sich das an?
Partheymüller: Geil! Eigentlich hatte ich es nicht zu hoffen gewagt, auch nicht meine Eltern. Jetzt haben wir den ganzen Betrieb umgeworfen, weil Mama und Papa ja in Nove Mesto auch mit dabei sein wollen, aber unsere Metzgerei muss ja weiterlaufen!

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Der Sprint: Nur Nebensache für Toni Partheymüller ©Armin M. Küstenbrück/EGO-Promotion

ACC: Welche Ziele hast Du Dir dort gesetzt?
Partheymüller: Ich bin sicher, von der Form her geht noch mehr als bei der Deutschen Meisterschaft. Andererseits, wenn ich dann auf die richtigen Profis treffe, da wird es schon ein Stück schwieriger. Bei der Quali will ich auf jeden Fall weiter kommen. Und dann … naja, das Schöne am Sprint ist ja, dass Du von Anfang an Attacke fahren kannst!

ACC: Wird das auch Deine Spezialdisziplin in der Zukunft?
Partheymüller: Nein, eigentlich nicht. Sprint fahre ich ja vor allem spaßeshalber und mehr nebenbei, wenn es reinpasst. Meinen Fokus will ich schon auf Cross-Country legen. Zumindest mal für die nächsten vier Jahre. Die U23 will ich noch durchziehen und versuchen alles zu geben. Da es in der Elite dann nicht leichter wird, schau ich, ob ich mehr in den Betrieb gehe und das Biken zurück schraube.

ACC: Seit vergangenem Winter bist Du Bayerns jüngster Metzgermeister, Ihr habt zuhause eine eigene Metzgerei mit einem Hauptgeschäft und zwei Filialen, und Du arbeitest voll mit. Wie bekommst Du das auf die Reihe?
Partheymüller: Diese Selbständigkeit hat Vor- und Nachteile. Ich fange jeden Morgen um 5:45 Uhr in der Metzgerei an. Um 15:00 oder 16:00 Uhr kann ich dann aufs Rad. Ich habe viel Unterstützung von meinem Vater und vor allem durch meinen Trainer, Uwe Hofmann vom RV Victoria Wombach, der mich vor zwei Jahren auch zum Team geholt hat. Er hat echt Erfahrung, hat ja auch schon Max Brandl, seinen Sohn Robin, Alex Bregenzer und jetzt auch mich zu den Weltmeisterschaften gebracht. Und jetzt sogar mich! (Lacht).

Aber auch mein Papa schaut da immer noch mal drüber, damit es nicht zu viel für mich wird. Denn der Beruf des Metzgers ist ganz schön anstrengend. Früher haben wir samstags geschlachtet, aber das habe ich dann am Sonntag bei den Rennen schon noch gespürt, da war ich dann ziemlich kaputt. Jetzt schlachten wir halt montags. Aber insgesamt passt das schon: wenn man sich dran gewöhnt hat, geht das schon!

Der Sprint bei der WM in Nove Mesto:

Mittwoch, 29. Juni

16:30    Qualifikation

18:00    Final-Läufe