Weltcup Albstadt Nachgedreht: Rippenschmerzen, Migräne und eine mental wichtige Geschichte

 FOTO | Albstadt hat geliefert: Eine Hitzeschlacht mit vielen kleinen und großen Dramen ©Tobias Sindlinger

Sturz und Aufgabe, Stürze und doch keine 80-Prozent. Ein Olympiasieger verschwindet vom Radar. Ein Schweizer fährt sein Tempo, ein anderer landet in der Fahrrinne. Ein gebeuteltes Top-Team mit Migräne. Einem Altmeister geht die Energie aus. Und eine kurzfristige Entscheidung mit mentalem Hintergrund. Das und noch mehr was hier noch nicht geschrieben stand: Vom Weltcup in Albstadt Nachgedreht.

 

Helen Grobert (Cannondale Factory Racing) hatte ein Albstadt-Erlebnis, auf das sie gerne verzichtet hätte. In der ersten Runde stürzte sie so schwer, das sie sich an Ellbogen und Oberschenkel verletzte. „Ich habe mich vom Sturz nicht wirklich erholen können“, erklärte sie am Abend.

Weil sie sich zudem beim Sturz noch ihr Hinterrad demolierte, musste sie zwei Runden später an die Box. Letztlich entschied sie in Absprache mit dem Team, das Rennen aufzugeben.

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Hanna Klein (Superior Bikes-Rothaus) gehört eigentlich nicht zu den Sturzpilotinnen, doch in Albstadt gelang es ihr, sich dreimal abzulegen. Nach dem ersten Sturz hätte sie nicht mehr ins Rennen gefunden, so die Freiburgerin. Vor allem in den sonnigen Passagen hätte sie Mühe gehabt und weil es teilweise schwarz vor Augen war, entstand auch Angst in den Abfahrten. „Letztlich war ich schneller als gedacht, ich habe schon damit kalkuliert, dass sie mich mit der 80-Prozent-Regel rausnehmen.“ Arg viel hat als 44. auch nicht gefehlt, denn nur zwei Fahrerinnen hinter ihr kamen noch in die letzte Runde. Immmerhin: „die Zuschauer waren spitze“.

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Jaroslav Kulhavy (Specialized Racing) verschwand früh vom Radar. Der Tscheche gab bereits in der ersten Runde auf. „Rippenschmerzen und Atemprobleme“ nennt mtbs.cz als Grund für seinen Ausstieg. Die Probleme rühren her von einem Trainings-Sturz, zwei Tage vor dem Weltcup-Auftakt in Nove Mesto.

Dafür konnten sich die tschechischen Fans über einen zehnten Platz von Jan Skarnitzl freuen, der sein bestes Karriere-Resultat um zwei Ränge übertraf.

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Das Specialized Racing Team erlebte ohnehin keinen besonders angenehmes Wochenende in Albstadt. Kate Courtney hatte am Sonntagmorgen ihren zweiten U23-Saisonsieg durch Defekt verpasst, Annika Langvad wurde nach mehreren Stürzen nur 16. und dann musste auch noch Sam Gaze das Rennen frühzeitig verlassen. Der Neuseeländer hatte einen super Start, führte das Rennen sogar kurz an, doch dann stellte sich das gleiche Problem ein, das ihn schon in Nove Mesto zur Aufgabe zwang: Ein Migräne-Anfall. „Ich bin glücklich aus der sechsten Reihe nach vorne gekommen“, schreibt er auf Instagram, „und habe versucht dann konservativ zu fahren, um das Risiko zu limitieren, dass sie wieder kommt. Aber sie kam wieder.“

Gaze hatte seinen Migräne-Anfall in Nove Mesto bekommen, nachdem er die beste Rundenzeit gefahren war.

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Andri Frischknecht und Matthias Stirnemann ©Armin M. Küstenbrück/EGO-Promotion

 

Andri Frischknecht (Scott-Sram) startete verhalten, aus seiner Sicht. Als 21. nach der Startrunde war allerdings die Basis gelegt. „Ich bin mein Tempo gefahren, da wird es bei Hitze am Ende einfacher“, so Frischknecht. Er fiel auf Position 24 zurück, hatte Platz 20 aber immer in Reichweite. Am Ende landete er auf Platz 20, einem Ergebnis zu dem er meinte: „Ich bin in den Abfahrten sicher gefahren und mit meinem Rennen zufrieden. Mehr hätte ich nicht rausholen können.“

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Sein Teamgenosse Matthias Stirnemann (Scott-Sram) hatte sich kaum vom Sturz in Nove Mesto (Kettenriss) erholt, da musste der Cape-Epic-Sieger in Albstadt schon wieder unfreiwillig aus dem Sattel. Stirnemann hatte sich aus der Gruppe um Frischknecht nach vorne abgesetzt, lag auf Rang 17, als er im zweitletzten langen Anstieg alles gab und vermutlich etwas kaputt war, als er ihm die Einfahrt in den Mitas Devil’s Corner misslang. Er blieb an einer Wurzel hängen und stürzte die Fahrrinne hinunter.

Dabei „verknackste“ er sich den linken Knöchel. Er biss sich bis ins Ziel durch, wurde 21. und benötigte hinterher ein Röntgenbild weil der Knöchel stark angeschwollen war. Eine genaue Diagnose stand aber noch aus. Vorher konnte er immerhin noch das Podium besteigen. Scott-Sram hatte die Team-Wertung gewonnen.

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Dicker Knöchel: Matthias Stirnemann ©Armin M. Küstenbrück/EGO-Promotion

 

Moritz Milatz (Kreidler Werksteam) beendet das Rennen auf Platz 39. „So wie es für mich zuletzt lief, war das im Vergleich okay. Ich konnte kämpfen bis zum Schluss, nur der Start war bescheiden“, kommentierte Milatz. Nach der Startrunde war er nur 82. Ob die Kurve jetzt wieder nach oben zeigt, wird sich wohl erst beim nächsten Höhepunkt, der Marathon-WM in Singen zeigen.

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Christian Pfäffle (Möbel Märki) kam als 40. aus der Startrunde und das war am Ende auch die Platzierung, die in der Ergebnisliste stand. Der Vormarsch des 24-Jährigen wurde etwa zur Hälfte des Rennens gestoppt. Er stürzte schwer, verlor Zeit und Plätze. Zwei Runden später war er nur noch 43., auch weil er noch zweimal anhalten musste, um die verklemmte Kette zu befreien.

„Sehr schade. Kurz vor dem Sturz habe ich gerade eine Gruppe hinter mir gelassen und angefangen mich gut zu fühlen“, erklärte Pfäffle. „Nach dem Sturz war auch das Vertrauen weg.“ Platz 40 ist keine große Enttäuschung, aber auch nicht der gewünschte Schritt nach vorne.

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“Es hat Spaß gemacht”: Wolfram Kurschat ©Max Fuchs

 

Wolfram Kurschat (Kurschat Consulting) konnte am Schluss nicht mehr zulegen, wie man es sonst von ihm kennt. „Da ist mir die Energie ausgegangen“, bekannte der 42-Jährige. Die Startphase nannte er „eine Katastrophe“ weil er mit zwei Minuten Rückstand nur als 95. an die Zeitmessung kam. Dann ging es bis auf Rang 51 nach vorne, am Ende stand da ein 54. Platz für den Altmeister.

„Es war ein hartes Rennen, aber es hat Spaß gemacht“, lautete sein Fazit.

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Markus Bauer (Kreidler Werksteam) hatte den Weltcup in Albstadt eigentlich schon abgeschrieben, doch dann tauchte er doch am Start auf. „Am Donnerstag habe ich mich im Training erstmals wieder gut gefühlt und dachte, komm’ dann probierst du’s halt“, erklärte Bauer. „Ich konnte mein Tempo fahren, am Anfang ging es etwas schlechter, am Ende wurde es besser.“ So konnte er als 60. acht Weltcup-Punkte mitnehmen.

Bauer verwies auch noch auf einen speziellen Zusammenhang. „Vor einem Jahr war ich nach meinem Beckenbruch hier im Rollstuhl mit dabei. Insofern war es auch eine mentale wichtige Geschichte ein Jahr später hier Rennen zu fahren.“ In gewisser Hinsicht eine Erfolgsgeschichte.

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Ben Zwiehoff (Bergamont) steht mit zwei Runden Rückstand als 83. in der Ergebnisliste. Die Erklärung des Esseners: „Ich hatte die Woche über schon ein schlechtes Gefühl. In Nove Mesto war ich mit Martin Frey auf dem Zimmer, der ist jetzt auch krank. Ich denke, ich habe mir was eingefangen. Heute morgen hatte ich etwas Durchfall. Ich wollte fahren, weil es der Heimweltcup ist. Eine Runde gings, dann war es zu Ende. Aufgeben will man beim Heimweltcup nicht, so viele Zuschauer, die mich angefeuert haben. Aber, Bock gemacht hat es nicht.“ (aufgezeichnet von Armin M. Küstenbrück)