Weltcup Albstadt Nachgedreht(2): Totalschaden und formidable Leistungen in der U23

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Massive Krämpfe zwangen Sofia Wiedenroth zur Aufgabe ©Lynn Sigel

Vom „Totalschaden“ bei Christian Pfäffle bis zum Trainings-Sturz von Martin Frey, der Auftritt der deutschen U23-Biker beim Heim-Weltcup in Albstadt war kein Anlass für Jubel-Arien. Aber es gab auch ein paar Lichtblicke. Nachgedreht, was im U23-Lager sonst noch so passiert ist.

Die deutsche U23-Abteilung brachte auch beim Heim-Weltcup in Albstadt nicht die Ergebnisse, die man sich erhofft, vielleicht sogar erwartet hatte. Der Aufwärtstrend der vergangenen Jahre ist im Moment etwas versandet. Ben Zwiehoff (Bergamont, 18.) und Georg Egger (Lexware Mountainbike Team) als 25. würden sich eigentlich auch weiter vorne erwarten. Das haben sie nach dem Albstadt-Weltcup auch so bekannt.

Christian Pfäffle (Lexware Mountainbike Team), 2013 immerhin schon U23-WM-Siebter, schien gut in die Saison gekommen zu sein, doch in Albstadt sprach er gar von einem „Totalschaden“. Rang 19 in Nove Mesto war noch akzeptabel, aber Platz 41 beim Heimweltcup war es nicht. Der Grund? „Keine Ahnung“, sagte Pfäffle im Statement nach dem Rennen.

Martin Frey (Team Bulls) hatte am Samstag einen fatalen Trainingssturz. Nicht in einer technischen Passage wohlgemerkt. Er prallte auf den Kopf und zog sich auf einer Körperhälfte eine Menge Prellungen zu. Versucht hat er es am Sonntag dennoch. Dass nicht mehr rauskam als Platz 79 war zu erwarten.

„Der Physio hat zwar alles versucht, aber wenn du dich am Tag vorher kaum bewegen kannst, dann ist das alles andere als eine gute Vorbereitung. Man will es ja als Fahrer nicht wahrhaben, obwohl es eigentlich klar ist, dass es nicht geht“, gestand Frey.
2013er-Junioren-Weltmeister Lukas Baum (Koch Engineering-Müsing) konnte in seiner zweiten U23-Saison auch noch kein Erfolgserlebnis verbuchen. In Albstadt war es mit Startnummer 114 der 69. Platz.

David Horvath (Lexware Mountainbike Team), im letzten Jahr noch Junior, darf man mit Startnummer 97 auf Platz 65 eine ordentliche Leistung attestieren, zumal er schon 20 Plätze weiter vorne unterwegs war, als ihm die Kette runter fiel und verklemmte. „Vier Runden lang hatte ich ein gutes Gefühl“, sagte Horvath.

Louis Wolf (Cube) fuhr nach einem schlechten Start mit konstanten Rundenzeiten auf Platz 49. Er gehört wie Pfäffle allerdings schon zum ältesten Jahrgang.
Passabel war auch die Leistung von Jakob Hartmann (Stevens MTB Racing /2. Jahrgang) als 59. ins Ziel kam.

Es gibt auch zwei echte Lichtblicke, auch wenn sich das im reinen Resultat (noch) nicht ausdrückt. Sven Strähle (MHW-Cube) brachte das Kunststück fertig von Startposition 87, das heißt: aus der letzten Startreihe, bis auf Position 29 nach vorne zu fahren. Grundlage dafür war eine blendende Startrunde, die ihn nach den 760 Metern bereits an 62. Stelle sah. Punkte gibt es für diese formidable Leistung leider keine und so wird der Böbinger auch in der Lenzerheide kaum eine bessere Startposition haben.

„Es war viel besser als letzte Woche in Nove Mesto“, erklärte Strähle auf Nachfrage. „Als ich (nach dem Stau) dann jedoch wieder auf dem Rad saß konnte ich meinen Rhythmus aufnehmen und mich Runde für Runde nach vorne kämpfen. Ich bin zufrieden mit dem Ergebnis. Es ist immer wieder ein tolles Gefühl beim Heimweltcup zu starten.“

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Ein Lichtblick: Johannes Bläsi ©Andreas Dobslaff/EGO-Promotion

Johannes Bläsi (Freiburger Pilsner-AfK) hat schon in Nove Mesto überzeugt. Diesmal reichte es als mit Startnummer 106 nicht ganz in die Punkteränge, doch der Münstertäler ist wie Strähle erst im zweiten U23-Jahrgang und wenn beide so weiter machen, dann kann sich da was entwickeln.
„Hut ab vor diesen Leistungen“, meinte auch Bundestrainer Peter Schaupp zu den beiden Landeskader-Fahrern.

Was die Ergebnisse seiner Nationalkader-Mitglieder angeht, ist er natürlich auch nicht erfreut. „Aber es gibt jeweils nachvollziehbare Gründe“, sagt Schaupp und ist zuversichtlich, dass man bald wieder in der Spur ist.

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Lena Wehrle: Studienbedingt ein Leistungsloch ©Lynn Sigel

Nachvollziehbar ist auch das Ergebnisbild bei den U23-Damen. Lena Putz (Genesis-Entireinfra) ist verletzt. Sofia Wiedenroth (AMG-Rotwild) hatte Probleme mit schweren Krämpfen, die sie erst mal damit in Verbindung brachte, dass sie in der Feedzone kein Wasser bekam. Doch bei näherer Betrachtung scheint das Problem außerhalb des Rennens zu liegen, so gravierend wie sie von Krämpfen betroffen war, dass sie an zwölfter Stelle liegend aufgeben musste.
„Ich konnte nicht mehr weiter fahren. So schlecht wäre das Ergebnis ja gar nicht gewesen. Ich weiß nicht, vielleicht war da auch ein Infekt“, rätselte sie am Samstagabend.

U23-Meisterin Lena Wehrle (Lexware Mountainbike Team) investiert grade viel Zeit in die Bachelor-Arbeit und Sarah Bauer erlebt gerade eine psychisch etwas angespannte Zeit, die es ihr in Albstadt schwer machte sich auf das Rennen zu konzentrieren.

Nur U23-Vizemeisterin Majlen Müller (Fujibikes-Rockets) macht gerade Freude. Sie hat einen Schritt nach vorne gemacht und macht einen gelösten Eindruck.

Beim nächsten Weltcup in fünf Wochen in Lenzerheide soll sich das Gesamtbild wieder zum Positiven verbessern.

Majlen Müller attackiert im Bullentäle. Foto: Lynn Sigel
Majlen Müller attackiert im Bullentäle. Foto: Lynn Sigel