Weltcup Andorra Nachgedreht: Bienenstiche, Rollentausch und die verflixte 31

FOTO |Bestes Karriere-Ergebnis eingestellt: Mathias Flückiger im Sprint um Platz zwei gegen Jordan Sarrou erfolgreich ©Irmo Keizer

Schurters Gegner fallen aus. Ein Olympiasieger in einer neuen Rolle. Ein Schweizer probiert nichts und hat Erfolg. Viel Schlafen kann helfen. Zwei Teamkolleginnen duellieren sich. Zwei Bienenstiche und ihre Folgen. Prüfungen und ihre Folgen. Was es wohl mit der 31 auf sich hat? Zwei Deutsche in der Jump-Statistik. Aus Andorra Nachgedreht, was hier noch nicht geschrieben stand.

 

Nino Schurter (Scott-Sram) hatte in Pal Arinsal keine echten Gegner. Das lag auch daran, dass – siehe auch unten – Julien Absalon (BMC Racing) und Jaroslav Kulhavy (Specialized Racing) als Kontrahenten ausfielen. Kulhavy musste seinen Start kurzfristig absagen. Am Freitagnachmittag bekam er Magen-Darm-Probleme, die auch am Sonntag in der Früh noch nicht behoben waren.

Am Montag ging es dann schon wieder besser, aber unglücklich war der Tscheche trotzdem. „Die Weltcup-Saison läuft für mich ja bisher alles andere als gut. Erst die Rippenprellung von Nove Mesto und jetzt das hier. Ich hoffe, dass es in Lenzerheide endlich mal ohne Probleme geht“, sagte der 32-Jährige am Montag vor der Heimreise.

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Gewissermaßen inkognito in ander Rolle: Julien Absalon ©Erhard Goller

Julien Absalon befindet sich immer noch im Verletzten-Status. Den Franzosen sah man in Andorra deshalb in einer (noch) unbekannten Rolle. Mit Funkgerät bewaffnet bewegte er sich zwischen den Streckenpassagen als Betreuer hin und her. Im Damen-Rennen versuchte er seine Partnerin Pauline Ferrand Prevot (Canyon-Sram, 15.) zu informieren und zu motivieren. „Gar nicht so einfach“, meinte er schmunzelnd zur Ersatz-Beschäftigung.

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Matthias Flückiger (Radon Factory XC) kam auf dem Podium aus dem Strahlen kaum noch heraus. Nach einem starken Frühjahr war er mit großen Hoffnungen in die Weltcup-Saison gestartet, hatte in Nove Mesto als 31. eine Enttäuschung erlebt und war in Albstadt so heftig gestürzt, dass er aufgeben musste. Der zweite Platz – die Einstellung seines persönlich besten Ergebnisses von Cairns 2014 – war da Balsam auf die Wunden.

„Ich bin ja normalerweise ein Fahrer, der was probiert. Aber heute habe ich mich zurückgehalten. Ich bin einfach mein Ding gefahren und es ist aufgegangen. Ich war nie über dem Limit“, sagte Flückiger, der damit erst zum dritten Mal unter den Top-Drei war. In Sachen Weltcup-Podium (Top Fünf) war es allerdings schon das 17. Mal, dass er die Zeremonie von oben erleben durfte.

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Florian Vogel (Focus) wird für Geduld mit Platz fünf belegt. Nachdem er in der Startphase etwas eingeklemmt war und daher nur an 19. Stelle aus Runde eins zurückkam, erreicht er in der dritten Schleife die zu diesem Zeitpunkt zehn Fahrer starke Verfolgergruppe, die bis Rang zwei reicht.

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Florian Vogel, vor Henrique Avancini, dem als Zehnter sein bestes Weltcup-Resultat gelang ©Erhard Goller

Vogel blieb cool, als die Gruppe gesprengt wurde und fuhr an sechster Position sein Tempo weiter. In der Schlussrunde kassiert er noch den schwächer werdenden Spanier Pablo Rodriguez und steht damit als dritter Schweizer auf dem Weltcup-Podium.

„Ich bin bei meinem Rhythmus geblieben. Vorne sind manche explodiert und dass ich am Ende noch den Sprung aufs Podium geschafft habe, ist natürlich super“, erklärt Vogel. „Ich habe mit dem Höhentraining viel investiert und es hat sich ausgezahlt.“

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Markus Schulte-Lünzum (Focus XC) war von seinem 14. Platz in Albstadt ein gutes Stück weit entfernt. Erst als 47. überquerte er die Ziellinie. Darüber war er gar nicht so ungücklich wie man hätte glauben können.

„Ich habe vergangenes Wochenende noch Prüfungen geschrieben und danach noch eine Seminar-Arbeit abgegeben. Ich will jetzt nicht alles darauf schieben, aber gepaart mit der Höhe hat mir einfach die Frische gefehlt“, sagte Schulte-Lünzum am Sonntagabend.

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Die Frische hat gefehlt: Markus Schulte-Lünzum ©Erhard Goller

Die notwendige Frische vor allem für den Start. „Da war ich im Vergleich einfach nicht schnell genug“, stellte der Deutsche Meister fest. Erst an 73. Stelle kam er aus der ersten Runde. „Danach bin einen guten Rhythmus gefahren und konnte kontinuierlich Plätze gut machen. Dass ich den 14. Platz wiederhole, das habe ich sowieso nicht erwartet“, meinte Schulte-Lünzum. Auf eine Steigerung in Lenzerheide hofft er dennoch.

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Annika Langvad (Specialized) war eine Woche nach dem Gewinn des Weltmeister-Titels im Marathon „sehr froh“ über ihren zweiten Platz. „Ich war die ganze Woche sehr müde, weil ich vorher zu wenig geschlafen hatte. Deshalb wusste ich überhaupt nicht wie es gehen würde“, erklärt die Dänin. Viel Schlafen kann auf jeden Fall ein probates Mittel sein.

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Gunn-Rita Dahle-Flesjaa (vorne) und Weltmeisterin Annika Langvad duellierten sich um Platz zwei ©Erhard Goller

Auch Gunn-Rita Dahle-Flesjaa (Merida), die mit ihr um den zweiten Platz kämpfte, war mit sich sehr zufrieden. „Nicht schlecht für eine ‚old lady’“, sagte die 44-Jährige grinsend, um ernsthaft hinzuzufügen: „Man weiß nie wie man einen Marathon verkraftet. Und normalerweise bereite ich Rennen in der Höhe ja auch vor. Dafür ist es sehr gut gelaufen.“ Für die Norwegerin war es die 55. Top-Drei-Platzierung im Weltcup.

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Anne Terpstra (Ghost Factory Racing) ging das Rennen mit viel Respekt an. Daher fuhr sie erst mal in Positionen zwischen 25 und 30 los, überquerte die Zeitmessung nach einer Runde als 24. und tastete sich dann langsam nach vorne.

In der vierten von sechs Runden hatte sie ihre schneller gestartete Team-Genossin Lisi Osl erreicht. Die konnte ihre anfängliche Top-20-Platzierung nicht ganz halten und wurde letztlich 22. Ein Fortschritt, wie Osl notierte.

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Top-20-Ergebnis: Anne Terpstra ©Lynn Sigel/EGO-Promotion

„Ich wusste, was ich vor Albstadt und Nove Mesto falsch gemacht habe. Trotzdem musst du es dann erst besser machen. Alles in allem war das heute ein Sicherheitsrennen und es hat gut funktioniert“, wird Osl in einer Pressemitteilung des Teams zitiert.

Ihre niederländische Teamkollegin konnte sie aber nicht halten, auch wenn sie sich regelrecht duellierten. Terpstra fuhr als 19. ihr erstes Top-20-Resultat in dieser Saison ein. „Das war ein hartes Stück Arbeit heute und ich freue mich natürlich über das Ergebnis weil mir die Höhe eigentlich gar nicht liegt“, kommentierte Terpstra.

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Barbara Benko (Focus XC) erlebte in den Pyrenäen keinen guten Tag. Die Höhenlage spielte dabei vielleicht eine Rolle, aber nur eine untergeordnete. Am Dienstag wurde sie im Training von einer Biene zweimal in den Nacken gestochen. „Ich bin hochallergisch und habe einen anaphylaktischen Schock bekommen“, erklärte Benko. Zum Glück sei sie nicht mehr weit von zu Hause entfernt gewesen und habe deshalb rasch ins Krankenhaus fahren können.

Bis das Gift abgebaut ist, kann es allerdings sieben Tage dauern und so fühlte sich Barbara Benko auch alles andere als fit. „Vielleicht hat zusätzlich die Höhe eine Rolle gespielt“, meinte die Ungarin.

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Eine der 17 von Hanna Klein überholten Fahrerinnen: Daniela Campuzano wird gleich passiert ©Erhard Goller

Es reichte allerdings um an einem kurzen Anstieg in der letzten Runde an Hanna Klein (Superior Bikes) vorbei zu fahren und der noch den 30. Platz zu entreißen. Die mochte es kaum glauben als bei der Zieldurchfahrt die 31 aufleuchtete. Ausgerechnet die 31.

Nicht, dass sie abergläubisch wäre, aber von dieser Platzierung wird sie im Weltcup seit 2015 geradezu verfolgt. Die letzten drei Rennen der Saison 2015: Platz 31. Was dann für das damalige Team BH-Sr Suntour-KMC bedeutete, dass sie nicht in die Team-Wertung kam. 2016: Noch mal zweimal 31. „Ich dachte, nein, nicht schon wieder“, schüttelte Hanna Klein den Kopf. „Ich war ja schon auf 30, aber Barbi ist in den kurzen steilen Dingern einfach stärker.“

Unabhängig von der verflixten 31 (vielleicht sollte man die Ziffern mal umdrehen) war das Rennen in Andorra für die Freiburgerin gegenüber Nove Mesto und Albstadt auf jeden Fall eine Steigerung.

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Und sie tauchte auch in der Statistik von mtbcrosscountry.com auf. Als Fahrerin, die von ihrer Startposition aus am drittmeisten Positionen gut gemacht hat. Hanna Klein passierte effektiv 17 Konkurrentinnen. In diesem Ranking vor ihr: Helen Grobert (Cannondale Factory Racing) mit 19 und Claudia Galicia als Beste mit 23.

Bei den Herren führt Lars Forster (BMC Racing) diese „Jump“-Statistik an. 49 Fahrer konnte er von Startposition 70 aus überholen, Howard Grotts (Specialized Racing) brachte es immerhin auf 46 und Sam Gaze (Specialized Racing) auf 39.