Weltcup Cairns Nachgedreht: Sternchen sehen und Lotto spielen

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Der Trip nach Australien hat sich für Moritz Milatz nicht wirklich gelohnt ©Lynn Sigel/EGO-Promotion

Ein Schweizer mit Lotterie-Zahlen, ein Tscheche mit frühem Boxenstopp, ein Spanier mit ein bisschen viel auf einmal. Dessen Teamkollege sieht Sternchen und ein Weltcup-Neuling kann sein Vorhaben nicht umsetzen. 50 Prozent weniger Leistung sind 50 Prozent zu wenig, man kommt einfach nicht durch, kann es mit einem Lächeln nehmen, der Luftdruck wird schon passen, wenn riesige Steine vom Herzen fallen. Verwirrend? Ja! Genauso wie demolierte Lenker, dass man beim vielen Schwitzen zu viel trinken kann und dass die Energie wegbleibt. Alles Nachgedreht, was vom Weltcup in Australien hier noch nicht geschrieben stand.

 

80, 57, 2, 61, 1, 5, 6. Eine kuriose Reihe, die Lukas Flückiger (BMC Racing) da produziert hat. Das sind keine Lotto-Zahlen in der falschen Abfolge, sondern die Platzierungen seiner Rundenzeiten. Er war in den Sturz in der Startphase verwickelt und musste gleich in der Technischen Zone anhalten. Dann folgte der Versuch einer Aufholjagd, der gleich dreimal von einem Reifendefekt unterbrochen wurde. Dass Lukas Flückiger der siebte Schweizer in den Top-Ten gewesen wäre, dafür braucht man nicht viel Phantasie.

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Lukas Flückiger: Tolle Form, bescheidenes Resultat ©Lynn Sigel/EGO-Promotion

 

Ondrej Cink (Multivan-Merida) war auch ein Leidtragender des Sturzes am Start. „Vor mir sind Flückiger und Koretzky gestürzt und ich konnte nicht mehr reagieren“, erzählt Cink. Er musste zum Boxenstopp weil die Schaltung nicht mehr funktionierte. So trat er seine Aufholjagd von ganz hinten an. Als 79. kam er aus der ersten Runde.

„Echt schade, mental war das sehr schwierig. Aber ich liebe das heiße Wetter und konnte mich nochmal motivieren. Das Gute ist, dass ich endlich wieder gute Beine hatte. Das macht mich zuversichtlich für die nächsten Wochen“, erklärte Cink, dessen Aufholjagd auf Platz 38 endete.

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Feld von hinten gesehen: Ondrej Cink ©Lynn Sigel/EGO-Promotion

Dabei überholte er noch seinen Teamkollegen Jose Antonio Hermida. Der Spanier war nach einem Infekt ohnehin noch nicht ganz im Vollbesitz seiner Kräfte. Nach einem weniger guten Start stürzte er bei seiner Aufholjagd und in der letzten Runde erlitt er auch noch Defekt. „Das war natürlich ein bisschen viel auf einmal. Ich wollte natürlich ein anderes Resultat, aber ich nehme es mit einem Lächeln“, meinte Hermida, der an 42. Stelle das Rennen beendete.

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Das dritte Merida-Eisen im Feuer, Thomas Litscher, verbuchte als 22. das beste Resultat. Der Schweizer fuhr von Startposition 52 bis auf 17 nach vorne. „Dann habe ich zwei Runden Sternchen gesehen“, meinte er grinsend. Doch er konnte ich nochmal fangen und von Platz 27 wieder fünf Plätze gut machen. „Ich bin sehr zufrieden mit meiner Performance, es geht stetig bergauf. Wenn das so weiter geht, dann wird das noch ganz gut in dieser Saison“, so Litscher.

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Von einem Defekt in der vorletzten Runde gestoppt: Mathieu van der Poel ©Lynn Sigel/EGO-Promotion

Mathieu van der Poel (BKCP-Corendon) konnte bei seiner Cross-Country Weltcup-Premiere sein Vorhaben in die Top 16 zu fahren nicht umsetzen. Bis zur fünften Runde hatte er sich auf Position 28 nach vorne gearbeitet, 52 Sekunden Abstand zu Rang 16 war es zu diesem Zeitpunkt. In der sechsten Runde erlitt er dann einen Reifendefekt und zerstörte sich dann auch die Felge. So fiel wieder sechs Positionen zurück und verbesserte sich dann in der Schlussrunde noch um zwei Plätze auf den 32. Rang.

Der Ex-Cross-Weltmeister war der Meinung, dass er auf den zwei verbleibenden Runden sein Ziel noch hätte erreichen können. Nicht unmöglich, aber auch nicht einfach, zumal sein Rückstand in den Runden 50, bzw. 49 Sekunden betragen hatte.

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Karl Platt (Team Bulls) beendete sein erstes Weltcup-Intermezzo nach längerer Pause auf Platz 49. „Man kommt einfach nicht durch“, schüttelte er den Kopf. Dabei meinte er die Überholvorgänge. Die werden durch das Streckendesign zusätzlich erschwert, doch es fehlte ihm auch prinzipiell die notwendige Frische. „Ich habe heute nicht meinen besten Tag erwischt, während der Woche habe ich mich besser gefühlt“, konstatierte Platt. Ob er in Sachen Olympia weiter am Ball bleiben wollte, das konnte er in Cairns noch nicht gleich sagen. „Schaun wir mal“, meinte Platt.

by Lynn Sigel_Platt, Karl
Karl Platt kommt einfach nicht durch ©Lynn Sigel/EGO-Promotion

 

Viele haben sich gefragt: Was war mit Moritz Milatz (Kreidler Werksteam)? Der tauchte erst an 52. Stelle in der Ergebnisliste auf. Was los ist? Das weiß der Freiburger selber nicht so richtig. „Mir fehlen einfach 50 Prozent Leistungsfähigkeit, warum weiß ich nicht“, sagt Milatz. Am Training könne es nicht liegen. „Vielleicht Nachwirkungen vom letzten Jahr“, spekuliert er. Da hatte Milatz wegen seines Studiums ein geringeres Trainingspensum. Aber es bleibt vage.

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Markus Schulte-Lünzum (Focus XC) kam eine Position hinter Milatz ins Ziel, aber er wusste

 by Lynn Sigel_Schulte-Lünzum, Markus
Unter den Pechvögeln: Markus Schulte-Lünzum ©Lynn Sigel/EGO-Promotion

wenigstens warum. Bereits in der ersten Runde musste er mit Plattfuß an die Box und musste dann in Runde zwei noch mal stoppen. „Ich bin dann nicht vernünftig mit meinem Bike zurecht gekommen, weil ich die ganze Zeit das Gefühl hatte wieder platt zu haben“, erklärte Schulte-Lünzum.

In Runde vier hätte er sich dann selbst gesagt: „Der Luftdruck wird schon passen, dann fahre halt langsamer in den Abfahrten.“ Diese Strategie brachte ihn immerhin noch von zwischenzeitlich Platz 77 auf 53. „Die Beine hätten definitiv mehr her gegeben“, ärgerte sich Schulte-Lünzum.

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Kathrin Stirnemann (Haibike-Ötztal) sah man nach ihrem achten Platz strahlen. Nach einem Jahr 2015 mit Allergie-Problemen und nur sehr spärlichen Erfolgserlebnissen, tauchte die Schweizerin wieder da auf, wo sie 2014 schon einmal war. Und sie war darüber offensichtlich sehr erleichtert. „Mir fällt ein riesiger Stein vom Herzen, dass ich wieder ohne Probleme Rennen fahren kann“, erklärte Stirnemann.

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Erleichtert und ohne Atemprobleme: Kathrin Stirnemann ©Lynn Sigel/EGO-Promotion

 

Eva Lechner (Luna Pro Team) war in einer Gruppe um Platz zehn unterwegs als sie stürzte. Dabei demolierte sich die Südtirolerin ihren Lenker und fiel bis auf Platz 25 zurück. Am Ende war es der 23.

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Keine Wiederholung ihres Cairns-Sieges von 2014 möglich: Eva Lechner ©Lynn Sigel/EGO-Promotion

Rang.

„Schade, es wäre eigentlich ganz gut gegangen“, bedauerte Lechner. Für einen Sieg wie 2014 hätte es wohl nicht gereicht, aber eine Top-Ten-Platzierung wäre allemal drin gewesen.

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Hanna Klein (Superior Bikes) wurde 31.. Ausgerechnet. Genau dort war sie auch schon in den letzten drei Weltcup-Rennen 2015 gelandet.

Am Start wurde sie zweimal von Stürzen aufgehalten. „Ich weiß auch nicht was ich falsch mache. Vielleicht fahre ich zu wenig die Ellbogen aus“, ärgerte sie sich.

Von Platz 38 ging es zwar langsam nach vorne, doch dann bekam sie zunehmend Probleme mit der Hitze. „Ich habe vermutlich zu viel getrunken, mir ist richtig schlecht geworden“, erzählte Hanna Klein.

 by Lynn Sigel_Klein, Hanna

Wieder mal der 31. Platz: Hanna Klein ©Lynn Sigel/EGO-Promotion

Elisabeth Brandau (Radon-EBE Racing) belegte Platz 40, nur Platz 40. Die 30-Jährige wollte eigentlich die Olympia-Norm in Angriff nehmen, doch schon in den Tagen zuvor wurde klar, dass das wohl nicht klappen konnte. Sie kam mit größeren Magen-Darm-Problemen in Australien an. „Ich hatte die ganze Woche Kreislauf-Probleme und habe mich nicht gut gefühlt“, erklärte Brandau. Nach dem Rennen stellten sich die Unregelmäßigkeiten im Verdauungstrakt wieder ein, so dass Brandau jetzt auf einen Infekt tippt. „Das ist natürlich schade“, meinte Brandau.

Nach zwei Runden lag sie noch an 22. Stelle, eigentlich eine gute Ausgangsbasis. Doch dann ging die Energie vollends weg.

by Lynn Sigel_Brandau, Elisabeth
Elisabeth Brandau: Nach Infekt ohne Energie ©Lynn Sigel/EGO-Promotion