Weltcup La Bresse Nachgedreht (1): Fürs Trikot raus aus dem Bett

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Trikot trotz Handicap verteidigt: Annika Langvad ©Erhard Goller

Halbzeit für die Damen-Welt. In Schlagzeilen: Nicht ganz fit, aber im Trikot. Enttäuscht, aber nicht gut genug. Nicht spektakulär, aber schnell. Nicht gestresst, aber in den Top Ten. Bescheidene Platzierung, aber gute Beine. Schlechter Start, aber guter Schluss. Nachgedreht was hier aus dem Damen-Lager noch nicht geschrieben stand.

 

Es ist Halbzeit in der Weltcup-Gesamtwertung und bei den Damen hat es das Klassement ziemlich durcheinander gewürfelt. Annika Langvad hat ihre Führung verteidigt (siehe unten), Catharine Pendrel (Luna Pro Team) blieb Zweite, aber dahinter gab es einen wilden Tausch der Plätze. Linda Indergand (Focus XC) wurde Zehnte, schob sich damit aber von Rang fünf auf drei nach vorne. Emily Batty (Trek Factory Racing) verbesserte sich von neun auf vier und Alessandra Keller (Stöckli Pro Team) von sieben auf fünf. Sabine Spitz verlor ihren vierten Rang und ist jetzt Siebte. Allerdings ist sie nur 37 Zähler von Platz drei entfernt.

Helen Grobert ist Neunte, nur 26 Punkte hinter Spitz und Adelheid Morath hat als Elfte 36 Punkte weniger als Grobert. Das nächste Rennen ist am 10. Juli in Lenzerheide.

Weltcup-Gesamtwertung

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Annika Langvad (Specialized Racing) konnte in La Bresse von Beginn an nicht mithalten. Nach drei Weltcupsiegen in Folge hatte man das so nicht erwartet. Doch es gibt eine einfache Erklärung. „Seit Dienstag war ich erkältet, am Mittwoch und Donnerstag musste ich im Bett bleiben“, zählte Langvad auf.

Am Freitagnachmittag sei sie dann von ihrem Domizil im Südschwarzwald nach La Bresse gefahren, obwohl sie sich „nicht ganz fit“ gefühlt habe. „Ich wollte einfach versuchen das Rennen zu fahren, um trotzdem so viele Punkte wie möglich zu sammeln“, erläutert Langvad auf Nachfrage. Mit Platz 15 verteidigte sie auch ihre Führung im Gesamtweltcup. „Jetzt heißt es aber Ruhe bis ich wieder fit bin und dann nach vorne schauen“, meinte die Dänin.

Geplant hat sie eigentlich Marathon-WM und Cross-Country-WM, die an den Wochenenden direkt hintereinander folgen. Am 26. Juni in Laissac, Frankreich und am 3. Juli in Nove Mesto, Tschechien. „Mal schauen wie die Vorbereitungen laufen, davon mache ich es dann abhängig“, erklärte Langvad.

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Alessandra Keller: Eine erstaunlich starke 20-Jährige ©Andreas Dobslaff/EGO-Promotion

 

Alessandra Keller fährt weiter auf dem hohen Niveau aus dem Frühjahr. Zweimal war sie jetzt Sechste. Das hat noch nicht mal Jolanda Neff in ihrem ersten Jahr in der Elite geschafft. Im gleichen Alter, also im zweiten U23-Jahr, war ihre jetzige Teamkollegin auch in die Elite-Kategorie gewechselt. Ihr bestes Resultat waren zwei siebte Plätze und am Ende Gesamtrang sechs.

Keller fährt weitaus weniger spektakulär als Neff, kann aber für eine 20-Jährige ein erstaunlich stabiles Tempo halten. In La Bresse wird sie zweimal aufgehalten weil vor ihr eine Fahrerin stürzt, doch sie kommt beide Male zurück und schlägt Adelheid Morath dann auch noch im Sprint um Platz sechs. „Ich habe mich super gefühlt und bin einfach mein Tempo gefahren“, meinte Keller im Ziel.

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Gunn-Rita Dahle-Flesjaa (Multivan-Merida) war etwas „enttäuscht“ über ihren neunten Rang. „Ich habe auf ein besseres Ergebnis gehofft. Der Start war gut, aber ich habe am Anfang zu viele Fehler gemacht. Ich kann nur sagen, dass ich nicht stark genug war heute. In vier Wochen haben wir die nächste große Chance, aber da sollte ich viel stärker sein“, kommentierte die Norwegerin.

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Gunn-Rita Dahle: Zu viele Fehler ©Andreas Dobslaff/EGO-Promotion

Linda Indergand findet ihr Rennen ganz gelungen. Diesmal bekommt sie ihre Nervosität in den Griff und bleibt auch ruhig als sie von Alessandra Keller überholt wird. „Diesmal ging es besser, ich war lockerer am Start und habe mich nicht stressen lassen“, gibt sie zu Protokoll. „In Albstadt war es nach dem Sturz nicht mehr gut, aber heute kam ich besser damit klar.“ Vorige Woche war sie gestürzt, kurz nachdem Keller sie überholt hatte. Am Ende ist sie Zehnte. „Top Ten ist immer gut“, meint sie.

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Eva Lechner (Luna Pro Team) laboriert zur Zeit an Rückenproblemen. „Ich habe das schon einmal erlebt, konnte damals durch gezielte Physiotherapie Abhilfe schaffen“, wird sie in einer Pressemitteilung zitiert. Zeit, um das Problem zu beheben war bis dato nicht genug. Als Zwölfte verkaufte sich Lechner aber sehr respektabel. Es ist das bestes Saisonresultat der italienischen Meisterin.

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Esther Süss (Wheeler-iXS) musste auch ihre letzte Hoffnung auf eine zweite Olympia-Teilnahme begraben. Schon in der ersten Runde hatte sie an einer Wurzel nicht genug Schwung, wie sie auf ihrer Homepage schreibt, fiel vom Bike und demolierte sich dabei wohl das Schaltauge. Nach erfolgter Korrektur an der Technischen Zone startete sie eine Aufholjagd, kam mit „Druck auf dem Pedal“ wieder schön nach vorne, holte sich dann aber noch einen Plattfuß.

Damit war die Chance auf eine Top-Platzierung, die sie gebraucht hätte, dahin. Am Ende war es Rang 29. „Trotzdem kann ich zufrieden sein mit meinem Rennen, ich habe keinen Moment ans Aufgeben gedacht“, schreibt Esther Süss. Die Beine hätten sich gut angefühlt, der Formaufbau sei also nicht falsch gewesen.

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Katrin Leumann (Goldwurstpower.ch-Sputnik) erwischte einen schlechten Start und hatte dann große Mühe Positionen gut zu machen. Am Ende war es nur der 41. Platz. „Es war herausfordernd, aber in der letzten Runde war ich endlich in der Lage alles flüssig zu fahren“, schreibt sie auf ihrer Facebook-Seite.