Weltcup Lenzerheide: Ein Duell um den Damen-Gesamtsieg beginnt

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Das Podium in Albstadt mit Annika Langvad als Siegerin und ihrer schärfsten Rivalin um den Gesamtsieg, Catharine Pendrel rechts daneben ©Benno Dietrich

Der Weltcup geht am Sonntag in Lenzerheide in die zweite Halbzeit. Vor dem vierten von sechs Wettbewerben hat sich der Kampf um die Gesamtwertung bei den Damen bereits zu einem Duell entwickelt. Weltmeisterin Annika Langvad (Specialized Racing) liegt 66 Punkte vor Catharine Pendrel (Luna Pro Team). Einen Ausrutscher dürfen sich Beide in der Schweiz nicht erlauben. Linda Indergand (Focus XC) auf Rang drei ist schon 203 Zähler zurück. Sabine Spitz und Helen Grobert sind noch gut im Rennen.

Die Weltcup-Gesamtwertung verliert in olympischen Jahren meist etwas an Bedeutung. Zugunsten einer Olympia-Vorbereitung opfern auch Topstars Weltcup-Einsätze. Die Profi-Teams nehmen das bisweilen nur zähneknirschend hin, denn bei Olympia kann man die eigenen Sponsoren nur sehr eingeschränkt oder gar nicht präsentieren.

Titelverteidigerin Jolanda Neff (Stöckli Pro Team) hat ihre Ambitionen schon vorher praktisch ad acta gelegt, indem sie a.) auf den Flug nach Australien verzichtete und b.) bei den Olympischen Spielen auch am Straßenrennen teilnehmen will, das am gleichen Wochenende über die Bühne geht wie der Weltcup in Mont Sainte Anne.

Zudem musste sie auch noch das Rennen in Albstadt unfreiwillig wegen Krankheit auslassen.

Annika Langvad: “Marathon-Spezialistin” ist Geschichte

So ist nach drei Rennen bei den Damen eine Situation entstanden, die Annika Langvad und Catharine Pendrel mit deutlichem Vorsprung auf den Plätzen eins und zwei markiert, während dahinter zwischen Platz drei und zehn nur 73 Zähler Unterschied sind. Selbst Adelheid Morath als Elfte hat nur 99 Punkte Rückstand und Jolanda Neff mit ihrem einen Sieg in La Bresse 123.

Sie könnte natürlich den Sprung aufs Podium schon noch schaffen, doch mit Mont Sainte Anne produziert sie ja noch mal eine Nullnummer. Im Vorjahr hätten 750 Zähler (für 3 Siege) aber für Platz fünf gereicht.

So wird’s wohl erst mal spannend bleiben, um den Sieg und um die Plätze drei bis fünf. Weltmeisterin Annika Langvad wäre nun auch keine Zufalls-Siegerin. Sie ist im Cross-Country endgültig an der Spitze angekommen. „Mich hat es immer etwas geärgert, dass man mich als Marathon-Spezialistin gesehen hat“, bekennt die Dänin. „Ich kann das ja auch verstehen, ich war ja dreimal Marathon-Weltmeisterin.“ Und eben erst jetzt auch Cross-Country-Weltmeisterin. Aber spätestens seit ihrem Sieg im Val di Sole beim Finale im vergangenen Jahr, dürfte das mit dem Spezialistentum niemand mehr in den Mund nehmen.

Dass sie sich auch fahrtechnisch verbessert hat, das, so erklärte Langvad bei der WM-Pressekonferenz, liege einerseits daran, dass sie als Späteinsteigerin eben noch Jahr für Jahr dazu lerne, und andererseits je besser ihre körperliche Fitness, desto entspannter könne sie in die technischen Passagen gehen.

Catharine Pendrel hat die Weltcup-Gesamtwertung schon zweimal gewonnen und würde mit einem dritten Gesamterfolg zu US-Amerikanerin Julie Furtado (93-95) und ihrer Landsfrau Alison Sydor (96, 98, 99) aufschließen. Rekordhalterin ist Gunn-Rita Dahle-Flesjaa mit vier Gesamtsiegen (03-06).

Sabine Spitz: Ein Schnäppchen machen

Sabine Spitz kann im Kampf ums Gesamt-Podium auch noch mitmischen. Sie liegt vor Lenzerheide auf Rang sieben, 37 Punkte hinter Linda Indergand auf Rang drei. In Graubünden könnte sie am Sonntag eine gute Grundlage legen, denn die Form ist ja prima, wie das WM-Rennen zeigte.

Obwohl sie im Ziel ziemlich gefasst wirkte und die entgangene WM-Medaille mit Witz kommentierte, die Enttäuschung sei schon ziemlich groß gewesen, bekannte Sabine Spitz später. Verständlich, wenn man so kurz vor dem Betreten des WM-Podiums durch einen Defekt quasi wieder herunter geschubst wird.

Jetzt ist der Fokus der 44-Jährigen aber auf Lenzerheide gerichtet. „Das lachende Auge war die gute Form. Vielleicht kann ich damit ja in Lenzerheide ein Schnäppchen machen“, meinte Spitz am Sonntag in einen Interview.

Der vier Kilometer lange Kurs kommt ihr im Grunde auch entgegen. Voriges Jahr reichte es zwar nur zu Platz 18 weil ihre Vorbereitung nach der Marathon-WM nicht so richtig passte, doch die Voraussetzungen sind diesmal andere.

Helen Grobert: Trainingsrunden fühlen sich gut an

Auch Helen Grobert ist noch im Rennen um das Weltcup-Podium. Sie ist Neunte, 26 Zähler hinter Spitz.

Sie landete voriges Jahr in Lenzerheide auf Platz 20 – nach zwei Defekten. Zuvor war sie an dritter Position unterwegs, womit klar ist, dass sie sich auf dem Gelände an der Rothorn-Bahn gut zurecht findet.

„Die ersten Trainingsrunden auf der Strecke haben sich gut angefühlt“, berichtet die Deutsche Meisterin aus Freiburg.

Adelheid Morath muss ihr Handicap mit dem verletzten Handgelenk in den Griff bekommen, sonst wird es auf diesem unruhigen Kurs schwierig ein gutes Ergebnis zu erzielen und bei Elisabeth Brandau werden vermutlich die Auswirkungen des langwierigen Infekts auch noch nicht ganz kompensiert sein.