Weltcup Lenzerheide Nachgedreht (2): Jubeln. Leiden. Zertrümmern.

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Hattrick auf dem sechsten Platz: Alessandra Keller ©Armin M. Küstenbrück/EGO-Promotion

Die Schweizer U24 trumpft weiter auf. Die etwas älteren Eidgenossinnen haben Krämpfe oder Plattfuß. Eine Italienerin durchlebt eine schwierige Phase und eine Norwegerin hat eine Woche des Leidens hinter sich. Aus der Damen-Welt nachgedreht, was hier noch nicht geschrieben stand.

Drei Schweizerinnen erreichten das Ziel unter den besten Sieben und alle Drei sind sie U24. Alessandra Keller (Stöckli Pro Team) gehört erst dem zweiten U23-Jahrgang an und war zum dritten Mal hintereinander Sechste. Mit ihren Weltcup-Resultaten übertrumpft sie übrigens auch Jolanda Neff, die im gleichen Alter zweimal Siebte war.

In Lenzerheide verwehrte ihr die 13 Jahre ältere Maja Wloszczowska (Kross Racing Team) in der letzten Runde zwar noch den Sprung aufs Podium, doch Keller jubelte auch über ihren sechsten Rang. „Ich bin mit Platz sechs sehr zufrieden. Das zeigt, dass ich konstant hohes Niveau habe“, erklärte die U23-WM-Dritte.

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50 Sekunden später erreichte Linda Indergand (Focus XC) das Ziel. Sie wird am Mittwoch 24 Jahre alt, ist also der gleiche Jahrgang wie Jolanda Neff. „Ich habe schon in der Startphase gemerkt, dass es heute gut geht. Leider habe ich einen Fehler gemacht und bin gestürzt“, sagte Indergand im Ziel. Dennoch wirkte sie glücklich über ihr Rennen und umarmte Alessandra Keller. Der Sturz kostete Indergand keine Plätze, stoppte allenfalls ihren Vortrieb. Sie fand jedenfalls gut zurück ins Rennen und am Ende war es ihr zweitbestes Weltcup-Resultat nach Rang zwei in Cairns.

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Corina Gantenbein (Haibike-Ötztal) gelang ein sehr guter Start und erst einmal konnte

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Krämpfe in der Wade: Corina Gantenbein ©Armin M. Küstenbrück/EGO-Promotion

sie sich unter den besten 15 festbeißen. Nach ihrem schweren Sturz Ende Mai konnte sie mehrere Wochen kein Rennen mehr bestreiten, umso erstaunlicher ist, dass sie bereits wieder zu solchen Leistungen fähig ist.

In der fünften Runde zwang sie ein Krampf in der Wade die Belastungs-Dosis zu verringern und war dann „ehrlich froh“, dass sie die Top-20-Platzierung noch ins Ziel bringen konnte. Zwei Positionen machte sie in den letzten beiden Schleifen noch gut und wurde schließlich 18.

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Eva Lechner (Luna Pro Team) durchlebt im Moment eine schwierige Phase. Sie kommt diese Saison noch nicht an ihr bekanntes Niveau heran. Und sie kennt auch den Grund. Die Südtirolerin spricht von „gesundheitlichen Problemen“, mit denen sie schon länger zu kämpfen habe, ohne ins Detail zu gehen. „Heute ging es schon besser“, meinte sie zu ihrem 19. Platz in Lenzerheide. Zumindest besser als bei der WM, als sie nur 34. wurde.

„Ich bin zuversichtlich, dass ich das langsam in den Griff bekomme“, sagte Lechner gegenüber acrossthecountry.net

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Eine Woche, ein Tag des Leidens: Gunn-Rita Dahle-Flesjaa ©Lynn Sigel/EGO-Promotion

 

Gunn-Rita Dahle-Flesjaa (Multivan-Merida) war acht Tage nach ihrem schweren Sturz nach Start des WM-Rennens in Lenzerheide auf verlorenem Posten. „Es war eine Woche des Leidens“, bekannte Dahle-Flesjaa. Der Arm war angeschwollen, der halbe Körper mit Blessuren bedeckt. „Dieser ganze Effekt auf den Körper und kaum Schlaf diese Woche waren einfach zu viel. Wenn es nicht das vorletzte Rennen vor Olympia gewesen wäre, ich hätte wohl verzichtet“, meinte Dahle-Flesjaa nachdem sie an 26. Position das Ziel erreicht hatte.

„Man hofft immer, aber wir sind lange genug dabei, um zu wissen, dass das nicht geht“, meinte Ehemann und Coach Kenneth Flesjaa.

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Plattfüße in der ersten Runde bringen neben dem Zeit- immer auch großen Verlust an Positionen mit sich. Kathrin Stirnemann (Haibike-Ötztal) bekam das zu spüren, als sie sich nach gutem Start den Reifen und die Hinterrad-Felge an einem Stein zertrümmerte. Als Letzte und mit großem Rückstand nahm sie das Rennen wieder auf. Mehr als Rang 41 war nicht drin. Der Stein sei „wirklich vorher nicht sichtbar“ gewesen“, erklärt sie in einer Pressemitteilung. „Ich bin da im Training immer so gefahren und hatte nie Probleme. Einfach nur schade.“