Weltcup Mont Sainte Anne – Nachgedreht (1): Happy-End und Lenkerbiss bei den Damen

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Die Damen kurz nach dem Start. Sie sorgen derzeit Weltcup für Weltcup für hoch spannende Rennen. Von links: Julie Bresset, Jolanda Neff, Alexandra Engen und Eva Lechner. ©Erhard Goller

Von dramatischen Momenten mit Happy-End. Von Siegen, die man um drei Wochen verschieben sollte. Von besonderen Umständen und einer Fahrerin, die wegen der Gesamtwertung in den Lenker beisst. Alles was hier zum Damen-Rennen in Mont Sainte Anne noch nicht zu lesen war. Nachgedreht.

Katerina Nash (Luna Pro Team) hat eine besondere Würdigung verdient. Sie eine ewige Zweite zu nennen, das würde sicher nicht passen. Sie hat ja zum Beispiel schon zwei Cross-Weltcups gewonnen. Aber es gibt da so einen dramatischen Moment in ihren Rennen, der häufiger auftaucht, wenn es um Siege und Medaillen geht.

2012 in La Bresse zum Beispiel. Da gab sie den fast sicher geglaubten Sieg ein paar hundert Meter vor dem Ziel durch einen Sturz noch aus der Hand. Oder in Andorra, als sie 1,5 Kilometer vor dem Ziel bereits acht Sekunden Vorsprung auf Sabine Spitz hatte und dann doch nur Zweite wurde. Auch im Val di Sole lag sie vor der letzten Runde schon mit knapp 20 Sekunden in Führung.
In Windham 2012 verlor Nash den Sprint um den Sieg gegen Teamkollegin Catharine Pendrel, nachdem zuvor Georgia Gould in Führung liegend einen Defekt erlitten hatte.
Und bei der Cross-WM im vergangenen Winter war Nash bis zur Zielgeraden auf Bronzekurs, dann sprang ihr die Kette herunter und es blieb nur Platz vier.

Katerina Nash, die in Tschechien ihre Sportkarriere als Skilangläuferin begann, musste also 35 Jahre alt werden, ehe sie ihren ersten Weltcupsieg auf dem Mountainbike feiern durfte, bevor also der dramatische Moment in ihren Rennen mit einem Happy-End versehen wurde. „Ich habe zwei Cross-Weltcups gewonnen, aber auf dem Mountainbike ist das Premiere“, sagte sie mit ihrem gewinnenden Lächeln. „Ein großartiger Moment“.

Natürlich. Und diesmal hatte sie den Spieß umgedreht. Eingangs der letzten Runde schienen Maja Wloszczowska und Julie Bresset schon enteilt, doch im Anstieg schloss Nash mit kraftvollem Tritt die Lücke und griff im steilsten Stück selbst an.
„Ich habe versucht meine Kräfte einzuteilen“, erklärte Nash ihre erfolgreiche Strategie.

Damit produzierte sie mit Maja Wloszczowska (Giant Pro XC) eine andere, na ja, nicht ewige, aber immerhin dreifache Zweite in dieser Saison. Die gab sich aber vielsagend kämpferisch. „Es gibt ja noch zwei Chancen in dieser Saison und wenn ich in drei Wochen ganz oben stehe, dann ist alles okay.“ Sie verschiebt also das Siegen auf die WM.
Das Giant Pro XC Team wartet damit weiter auf seinen ersten Weltcupsieg.

Den hat Eva Lechner für die Equipe Colnago-Südtirol bereits verbucht. In Mont Sainte Anne verpasste sie als Sechste knapp das Podium. „Unter diesen Umständen bin ich zufrieden“, erklärte sie am Samstag. Welche Umstände? „Wir haben ein bisschen riskiert mit dem Training und der Anreise. Bis Dienstag habe ich trainiert und bin dann kurzfristig angereist“, antwortete Lechner, die in der Gesamtwertung jetzt auf Rang vier zurückgefallen ist.

Tanja Zakelj (Unior Tools) hatte in der ersten Hälfte des Rennens etwas Mühe. Danach ging es besser. Am Hinterrad von Katerina Nash schloss sie die Lücke zu den führenden Julie Bresset (BH Suntour-KMC) und Maja Wloszczowska, doch als Katerina Nash im steilen Anstieg angriff, da hatte sie keine Reserven mehr.
„No chance, Katerina war die Stärkste. Maja und ich haben dann in den Serpentinen ein paar kleine Fehler gemacht. So hat sie uns Sekunden genommen“, erklärte Zakelj, die jetzt vor ihrem ersten Weltcup-Gesamtsieg steht. „Noch ist ein Rennen zu fahren“, wehrt sie noch ab.

Einen bitteren Tag erwischte Katrin Leumann (Ghost Factory Racing). Von Anfang an lief es nicht und schließlich kam auch noch ein Plattfuß dazu. Die Schweizer Meisterin klagte über Probleme mit dem Rücken und dass sie sich ganz schwach gefühlt hätte.

Ihre Teamkollegin Alexandra Engen musste auch „in den Lenker beißen“ (Mahlzeit!), um ihre gute Position im Gesamtklassement zu wahren. „Es war ein harter Tag, ich habe an die Gesamtwertung gedacht und gekämpft“, erklärte die Schwedin zu ihrem elften Rang, mit dem sie immerhin den fünften Platz im Gesamtklassement verteidigen konnte.