Weltcup Pietermaritzburg: Die Perspektiven der deutschen Elite-Fahrer

140406_2430_by_Kuestenbrueck_ITA_Nals_XC_ME_Fumic_acrossthecountry_mountainbike
Manuel Fumic: Die Spritzigkeit kommt zurück. ©Armin M. Küstenbrück/EGO-Promotion

Sieben Monate nach der WM in Pietermaritzburg kehrt Manuel Fumic zum Weltcup-Auftakt an die Stätte seines bisher größten Erfolgs zurück. Auch Moritz Milatz hat dort sein bisher bestes WM-Resultat erzielt. Aber auch die anderen fünf Deutschen gehen ambitioniert ins Rennen, das am Sonntag um 15:30 Uhr im Livestream bei redbull.tv zu sehen ist. Ein kurzer Check zu ihren Ambitionen und Perspektiven

Manuel Fumic (Cannondale Factory Racing): Pietermaritzburg, das hat einen sehr guten Klang in den Ohren von Manuel Fumic. Nur sieben Monate ist es her, da er von der WM in der Provinz KwaZulu Natal zwei Medaillen mit nach Hause nahm. Die bronzene vom Staffel-Rennen und die silberne bei den Herren. Es war das erste-Edelmetall in der männlichen Elite-Kategorie für einen deutschen Mountainbiker überhaupt in der 24-jährigen WM-Geschichte.

Und es war auch der Moment, in dem der 33-jährige Manuel Fumic seinen sechs Jahre älteren Bruder Lado in Sachen Erfolge übertroffen hat. Lado Fumic war 2002 Vierter bei der WM.
„Das hat sich über den Winter schon anders angefühlt“, bekennt Manuel Fumic. Nicht mehr nur immer ankündigen, hoffen, wünschen, sondern einen Erfolg in der Tasche zu haben, das ist ein beruhigendes Gefühl. Und eines, das ihm eine gewisse Sicherheit verliehen hat. Der Sieg in Nals am vergangenen Sonntag hat da noch mal das Übrige dazu getan.

Dass der Familienvater Ende Februar, Anfang März wegen eines Infekts ungefähr zwei Wochen Trainingszeit verloren hat, das könnte sich schon noch negativ auswirken. Zuletzt sprach er noch von fehlender „Spritzigkeit“, doch diese Befindlichkeit hat sich zwei Tage vor dem Rennen schon etwas abgeschwächt. „Ich habe die letzten beiden Wochen daran gearbeitet. Beim Abschlusstraining hat das schon vielversprechender ausgesehen, als noch in Italien“, sagt er jetzt. Ein guter Start sollte möglich sein.

Moritz Milatz (BMC Racing) will endlich mal eine konstant gute Weltcup-Saison bestreiten. Das ist das Ziel für 2014. War es allerdings auch schon 2013 und 2011. Dem Deutschen Meister ist das bisher nie gelungen. Infekte und Defekte bremsten den Freiburger immer wieder aus.

Gemessen an den ersten beiden Rennen in dieser Saison spricht alles dafür, dass er am Sonntag einen starken Einstand feiern kann. Der Sieg in Buchs, der zweite Platz hinter Absalon in Tesserete, das gibt Anlass zur Hoffnung.
„Ich bin optimistisch, aber vor dem ersten Weltcup ist immer schwer vorherzusagen, was drin ist“, sagt der 31-Jährige.

Eins lässt sich festhalten: Milatz kann prinzipiell bei jedem Wetter und auf jeder Strecke. Wenn er die Tagesform hat, dann schreckt ihn nichts, dann ist er respektlos. Auch gegenüber einem Julien Absalon oder einem Nino Schurter. Vermutlich wäre er aber auch zufrieden, wenn er sein bisher bestes Weltcup-Resultat einstellen und hinter den beiden Dritter werden würde.
Er hat ja in Pietermaritzburg mit Platz sieben sein bestes WM-Resultat verbucht. Er bringt also auch eine positive Einstellung zum Gelände mit.

Markus Schulte-Lünzum (Focus XC) steht die erste echte Bewährungsprobe im Elite-Weltcup bevor. Top 20 ist drin für den Hoffnungsträger. Die Rennen in Israel waren natürlich kein Maßstab, wie seine aktuelle Form ist, das werden die ersten Runden im Cascade MTB Park zeigen, mit dem er ja noch eine Rechnung offen hat.
Mehr zum DM-Dritten, siehe Porträt-Geschichte hier.

120226_CYP_Afxentia_Stage3_XCO_Kurschat_drop_by_Kuestenbrueck
Wolfram Kurschat hofft auf möglichst viele Punkte ©Armin M. Küstenbrück/EGO-Promotion

Wolfram Kurschat (Topeak-Ergon) hat in seinen ersten Rennen auf Zypern und auch in Buchs positiv überrascht. Besonders beim Schlecht-Wetter-Rennen in der Schweiz. Von Bedeutung ist für ihn natürlich die Startposition. Als aktuell 71. der Weltrangliste hat er die Startnummer 46 bekommen.

Der 38-Jährige geht die Saison nicht ganz so an, wie seine Kollegen. Er hat als „Markenbotschafter“ viele andere Termin, so wie diese Woche ein Fotoshooting. Er reist deshalb erst am Donnerstag nach Pietermaritzburg an.

„Ich möchte den ersten Weltcup nutzen, um Punkte für die Weltrangliste zu sammle, damit es nach vorne geht. Meine ersten beiden Rennen der Saison liefen ganz gut, auch wenn ich diese eher nebenbei mitgenommen habe. Richtig fit sein möchte ich Mitte Mai“, sagt Kurschat.
Für ihn wird es stark darauf ankommen, dass er in Bergauf-Passagen genügend Möglichkeiten hat, zu überholen.

Markus Bauer (Lexware Mountainbike Team) hat zwei schwierige Jahre hinter sich. 2012 brach er sich im Mai in Nove Mesto das Kahnbein, Anfang 2013 musste er sich noch mal einer Operation unterziehen weil der Knochen nicht richtig zusammen gewachsen war.

Er verbuchte zwar noch ein paar zählbare Resultate, wie DM-Silber im Marathon und einen Etappensieg bei der Trans-Zollernalb, aber es war natürlich schwierig sich im Weltcup wirklich weiter zu entwickeln und das möglicherweise vorhandene Potenzial auszuschöpfen. Beim Finale in Hafjell reichte es dann noch zu einem 25. Platz, der Hoffnung machte.

„Ich weiß natürlich, dass es viel schwerer ist beim Weltcup-Auftakt die gleiche Platzierung zu fahren. Aber ich will daran anknüpfen“, sagt Bauer. Seine Rennen in Rivera und in Buchs geben Anlass zur Hoffnung, dass der 24-Jährig sein Niveau gesteigert hat.

Für ihn wird wichtig sein, nach seinem bekannt guten Start ein Tempo zu finden, der seinen aktuellen Fähigkeiten entspricht und defektfrei durchzukommen. Top 30 ist dann sicher drin.

 Simon-Stiebjahn_flashed_bridge_acrossthecountry_mountainbike_by-Sportograf
Simon Stiebjahn: Noch kein Cross-Country-Rennen in diesem Jahr ©Sportograf

Simon Stiebjahn (Team Bulls) besitzt ungefähr die gleichen Vorstellungen, wie Bauer. Er ist dieses Jahr allerdings noch gar kein Cross-Country-Rennen gefahren. Nach dem Cape Epic wollte er eigentlich in Südafrika noch eines bestreiten, doch Team-Manager Friedemann Schmude hat ihm abgeraten. Obwohl er sich nach den acht Tagen Etappenrennen nicht kaputt gefühlt habe.
„Ich bin nach dem Cape Epic viel erholter als letztes Jahr und konnte vergangene Woche ganz normal trainieren. Ich fühle mich super“, so Stiebjahn.

„Was mir fehlt, sind Intervalle. Ich hoffe, dass ich den Start und die ersten beiden Runden gut überstehe. Hinten raus dürfte das kein Problem sein“, erklärt Stiebjahn mit Verweis auf die langen Cape-Epic-Etappen, die ihm Stehvermögen verliehen haben.

Der dritte Gesamtrang beim Cape Epic sorgte auch für Gelassenheit beim Hochschwarzwälder. „Ich kann ganz ohne Druck in den Weltcup rein gehen. Beim Cape Epic habe ich mehr erreicht, als ich je erhofft habe“, sagt der 24-Jährige, der in Hafjell im September 22. war.
„Ich will versuchen dieses Jahr konstant zwischen 20 und 30 zu fahren, wenn ich Glück habe auch mal in die Top 20. Mein Niveau ist dieses Jahr etwas höher als 2013 und ich hoffe, ich kann das umsetzen“, erklärt Stiebjahn.

Martin Gluth (EBE-Racing) Wie die beiden vorher genannten, muss für ihn auch die EM-Qualifikation das erste Ziel sein. Dazu müsste er zweimal in die Top 25 fahren. Als Neuling im Elite-Weltcup tut er sich naturgemäß schwer mit einer Ansage.

„Ich kann gar nicht einschätzen welche Platzierung realistisch ist. Ich möchte einfach ein gutes Rennen fahren und dann schauen wir mal was am Ende dabei raus kommt“, bleibt er unverbindlich. Der Student gilt als einer der fahrtechnisch besten Biker in Deutschland. Insofern dürfte ihm das Gelände in Pietermaritzburg sehr entgegen kommen. Der Freiburger hat sich bei Rennen in Israel auf die Saison vorbereitet und ist dort immer besser in Schwung gekommen.

Bei der U23-WM im September hatte er das Pech auf der Startgerade in einen Sturz verwickelt zu werden. Ohne solches Malheur darf man gespannt sein, wo er am Ende raus kommt.