Weltcup Val di Sole: Manuel Fumic ohne Replay ins Finale

FOTO | Führungskilometer zählen nicht: Manuel Fumic vor Nino Schurter und Titouan Carod ©Erhard Goller

Vor dem Weltcup-Finale im Val di Sole sind viele Beobachter gespannt, ob Manuel Fumic seine Vorstellung von Mont Sainte Anne wiederholen und möglicherweise sogar in ein Ergebnis ummünzen kann. Und dann gibt es da einen U23-Weltcupsieger, der im Val di Sole schon mal eine bärenstarke Leistung abgeliefert hat und eine Abschiedsvorstellung. Hoffentlich zum Genießen.

 

 Über den vor zweieinhalb Wochen gefahrenen fünften Weltcup der Saison im kanadischen Mont Sainte Anne hat man in Deutschland ein wenig mehr Worte verloren als sonst. Bei der Formel Eins werden ja Führungskilometer gezählt und wäre das bei Cross-Country-Weltcuprennen auch so, dann hätte Manuel Fumic (Cannondale Factory Racing) die kärgliche deutsche Bilanz in dieser nicht vorhandenen Wertung deutlich aufpoliert. Seit es den Live-Stream bei Red Bull gibt, hat man einen deutschen Fahrer noch nie so lange an erster Position fahren sehen. Und schon gar nicht in der Mitte des Rennens.

Nun, was zählt ist am Ende das nackte Ergebnis und insofern kam dann nach Fumic’ Sturz nichts Überwältigendes heraus. Nur Rang sechs. Nicht mal die erste Podiums-Platzierung seit zwei Jahren.

Die Reaktionen aus Kollegen-Kreisen klangen aber in der Mehrheit so wie die des zweifachen Marathon-Meisters Karl Platt vom Team Bulls: „Geil gefahren, das gibt Selbstvertrauen.“ Im Team Cannondale hätte man vermutlich trotzdem lieber einen dritten Platz genommen als die Führungskilometer.

Fumic: Nicht mal das Replay angeguckt

Und Manuel Fumic selbst? Hat nicht lange in den Rückspiegel geschaut, sich gefreut über „extrem viel Feedback“ und das Rennen dann zügig abgehakt. „Ich habe es mir nicht mal im Replay angeguckt. Ich muss mir nichts beweisen. Wir wissen, wo wir stehen und wollten daran weiter arbeiten“, lässt Fumic aus Kroatien wissen.

Dorthin hat er, wie schon vor der Deutschen Meisterschaft, gemeinsam mit seinem britischen Coach Phil Dixon und mit Teamkollegin Helen Grobert, für zehn Tage Quartier bezogen, um die beiden letzten Saisonhöhepunkte vorzubereiten.

„Das Training hier lief gut, aber es war vor dem Weltcup-Finale und vor der WM noch mal wichtig kopfmäßig zu entspannen. Die Wochen werden anstrengend genug“, erklärt Fumic den räumlichen Tapetenwechsel, der schon vor der DM wohl Anteil an der Trendwende hatte. „Da waren wir auch schon in Rabac. Hier haben wir alles, was wir brauchen“, so Fumic.

Keine positive Bilanz im Val di Sole

„Ich hoffe, dass ich am Sonntag noch mal die Regionen hinein komme, wie in Mont Sainte Anne. Aber ich werde nicht hergehen und sagen: das ist mega mein Kurs, ich gehe voll auf Angriff. Nein, ich will einfach nur zeigen, dass ich vorne mitfahren kann“, führt der Kirchheimer im Blick auf das Weltcup-Finale aus.

Das Gelände in Commezzadura liegt dem Schwaben wohl mehr als Mont Sainte Anne, aber wenn man seine Bilanz dort betrachtet, dann ist die wenig ermutigend.

Bei der WM 2008 stürzte Fumic und gab verletzt auf. 2010 wurde er 24., 2011 landete auf Rang elf und 2015 auf Platz 12. Im Jahr 2013 fehlte er wegen seiner Schulter-Verletzung.

Diese Reihe muss nicht zwingend einen Hinweis auf den kommenden Sonntag geben, aber zum Respekt mahnen sie trotzdem.

Team-Wertung in Reichweite

Für sein Team Cannondale Factory Racing gibt es am Sonntag (14.45 Uhr live bei Redbull.tv – auch wieder mit deutschem Kommentar) noch zwei konkrete Ziele. Der Franzose Maxime Marotte will seinen zweiten Rang in der Gesamtwertung verteidigen, was für die Crew von Team-Manager Daniel Hespeler das beste Resultat unter dessen Regie wäre. Und dann haben sie auch noch die Team-Wertung im Fokus, wo sie nur sieben Punkte hinter Scott-Sram um Olympiasieger Nino Schurter liegen.

Fumic selbst hat als derzeit Neunter kaum noch Chancen auf ein Top-Fünf-Gesamtergebnis, doch in der Weltrangliste hat er sich inzwischen wieder an die fünfte Position geschoben. Die zu verteidigen würde für die Weltmeisterschaften in Australien die erste Startreihe bedeuten.

Letztes Weltcup-Rennen für Milatz

Für seinen langjährigen und gleichaltrigen Weg-Gefährten Moritz Milatz bedeutet Val di Sole Finale im doppelten Sinn. Der Freiburger fährt dort auch das letzte Weltcup-Rennen seiner Karriere, das letzte große Rennen überhaupt. Und er will es „genießen, egal was dabei raus kommt.“

Gewisse Ambitionen haben im Val di Sole auf jeden Fall die WM-Nominierten Markus Schulte-Lünzum (Focus XC), Christian Pfäffle (Möbel Märki) und Ben Zwiehoff (Bergamont). Update: Zwiehoff verzichtet auf die Reise nach Italien und fährt zugunsten einer besseren WM-Vorbereitung ein Rennen im Benelux.

Ein „Versprechen“, das auf Einlösung wartet

Schulte-Lünzum gewann im Val di Sole 2013 das U23-Rennen. Und zwar in einer Zeit, mit Schulte-Lünzum eingangs der letzten Runde an siebter Stelle der Elite gelegen wäre. Eine Runde zuvor sogar noch an sechs. Dieses „Versprechen“ konnte er in der Elite-Kategorie bis dato noch nie einlösen.

Wobei zu berücksichtigen ist, dass die Startposition immer zu einem ganz anderen Rennen führt. Aber vielleicht gelingt dem zweifachen Deutschen Meister noch mal so ein Rennen wie im Mai in Albstadt, als er 14. wurde.

Die Cross-Country-Rennen am Sonntag

08.30 Uhr U23 Damen

10.15 Uhr U23 Herren

12.15 Uhr Damen

14.45 Uhr Herren