WM Andorra: Coopers Coup und deutsche Pech-Serie im U23-Rennen

In der dritten Runde sah die Spitze noch so aus: Cooper vor Gaze und Koretzky. Dass sollte sich aber noch ändern. Foto: Lynn Sigel
In der dritten Runde sah die Spitze noch so aus: Cooper vor Gaze und Koretzky. Das sollte sich aber noch ändern. Foto: Lynn Sigel

Pleiten, Pech und Pannen. Selten hat eine Floskel so gut auf ein Rennen gepasst, wie auf das U23-WM-Rennen in Andorra. Aus deutscher Sicht. Georg Egger war als 28. bester Deutscher. Perfekt lief es für Anton Cooper: Der Cannondale-Biker wurde U23-Weltmeister vor Victor Koretzky (BH-Sr Suntour-KMC) und Grant Ferguson (Betch.nl Superior Brentjens).

Anton Cooper war es die gesamte Saison nicht gelungen im U23-Weltcup aufs Podest zu fahren, doch bei der WM war er parat. Vier Wochen lang hatte er im Sommer bei seinem Kumpel Martin Frey logiert und dort in Bad Urach erklärt: “Die WM ist mein Rennen.”
Häufig startete er in dieser Saison gut und konnte das Tempo nicht halten. Doch an diesem Tag im Bikepark Vallnord blieb der Neuseeländer stabil.
Bis zur vierten Runde waren sein Landsmann Sam Gaze (Specialized Racing) und Grant Ferguson noch in Schlagdistanz, doch dann griff Cooper am ersten Anstieg der Runde an und die Abstände wurden größer.

Allerdings nicht zu Victor Koretzky. Es wurde zu einem spannenden Duell, das erst an der letzten Rampe 200 Meter vor dem Ziel entschieden wurde. Kurze Zeit hatte es das Führungs-Duo etwas ruhiger angehen lassen, so dass Grant Ferguson seine 25 Sekunden Rückstand auf nur noch fünf drücken konnte. Doch im Finale konnte er nicht mehr zulegen.

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Viktor Koretzky (re.), hier in der Wiesenabfahrt. Foto: Lynn Sigel

Cooper verschärfte aus der führenden Position, riss fünf Meter Lücke und brachte das im Sprint bis ins Ziel. Zwei Sekunden später rollte Koretzky über die Ziellinie.
Einer der ersten Gratulanten von Cooper war Teamkollege Manuel Fumic, der damit für Samstag eine schöne Vorlage bekommen hat.

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Vize-Weltmeister Viktor Koretzky, Weltmeister Anton Cooper und Bronzemedaillengewinner Grant Fergusen. Foto: Lynn Sigel


Man trifft sich öfter: Auf dem Podium

Cooper und Koretzky kennen sich. Schon zweimal saßen sie bei WM-Pressekonferenzen nebeneinander. Darauf machte Cooper aufmerksam. 2011 gewann Koretzky die Junioren-WM in Champéry und 2012 lautete die Reihenfolge in der U19 umgekehrt. „Mal schauen wie es nächstes Jahr wird“, meinte Cooper lachend. „Mein Ziel war eine Medaille, aber mit dem Titel konnte ich nach der Saison nicht rechnen.“

Koretzky meinte, er habe den falschen Reifendruck, einen zu hohen, gewählt. Er stoppte an der Technischen Zone, um was raus zu lassen. „Danach war es besser, aber auch noch nicht optimal. Ich hätte auch besser die Reifen gewählt, die Anton drauf hatte“, sagte Koretzky. Den Rückstand, den er sich durch den Stopp einhandelte, habe er aufholen müssen. Körner, die ihm am Schluss vielleicht gefehlt hätten.

 

 

Georg Egger: Körper hat nicht normal funktioniert
Mit einer Medaille haben die deutschen U23-Biker nicht gerechnet, aber Top-Ten-Resultate schwebten ihnen schon vor. Zumindest drei von ihnen.
Die erste Hoffnung ging bereits in der ersten Runde flöten. Ein Konkurrent fuhr Ben Zwiehoff (Bergamont) ins Schaltwerk. Er musste einen längeren Stopp einlegen und gab in der dritten Runde auf.

Christian Pfäffle musste jeden Anstieg schieben. Foto: Lynn Sigel
Christian Pfäffle musste jeden Anstieg schieben. Foto: Lynn Sigel

Bei Christian Pfäffle brach in der zweiten Runde die Kettenführung. „Dadurch ist mir im Downhill immer die Kette runter gefallen und ich musste immer wieder anhalten. Die Beine waren das kleinste Problem“, erklärte der Lexware-Biker. Dazu kam noch, dass er Trockenreifen gewählt hatte. „Alle meinten, das wäre kein Problem“, so Pfäffle. War es aber doch. „Ich bin dann jeden Anstieg gelaufen.“ Rang 65 mit einer Runde Rückstand war die Quittung.

„Ich habe schnell gemerkt, dass es heute nicht so geht. Das Gefühl war komisch, keine Ahnung was los war. Der Körper hat nicht normal funktioniert“, kommentierte Georg Egger (Gessertshausen) sein enttäuschendes Resultat.
Zudem hatte er, wie einige andere Fahrer auch, mit der Kette Probleme. „Die hat es immer zurückgezogen. Irgendwann habe ich gemerkt, dass es besser ist, wenn ich kein Wasser reinspritze. Die letzten beiden Runden ging es dann“, erklärte Egger.
Nach vorne ging es aber auch nicht mehr. Als 28. hatte 7:40 Minuten Rückstand auf Anton Cooper (1:22:03).

Bläsi konnte halbwegs zufrieden sein
Zweitbester Deutscher wurde Johannes Bläsi vom Team Freiburger Pilsner-AfK (+10:38) als 41. Er war von Startposition 91 aus ein akzeptables Rennen gefahren. „Ich habe nicht so schnell in Tritt gefunden wie sonst. Zweimal hatte ich einen Kettenklemmer, der mich aus dem Rhythmus brachte. Es war nicht mein bester Tag, aber für meine erste WM bin ich trotzdem zufrieden“, bilanzierte Bläsi.

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Johannes Bläsi kann mit seinem Ergebnis zufrieden sein. Foto: Lynn Sigel

Lukas Baum (Neustadt/W.) klagte über lange Laufpassagen in der ersten Hälfte des Rennens. Er wurde 50. (+12:53). „Das war eher Cross-Lauf, mit Radrennen hatte das nicht viel zu tun“, ärgerte sich Baum.

Und Martin Frey vom Team Bulls? Der war krank geworden, hatte gehofft, hatte probiert, aber nach einer Runde ein Einsehen und aufgegeben.

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