WM Cairns (U19): Fünfter Platz für David List – Australischer Heimsieg

FOTO | Endlich mal vorne in der Gruppe: David List wird WM-Fünfter ©Erhard Goller

Wieder gut gefahren, aber wieder ohne Edelmetall geblieben. Wie die Juniorinnen, fuhren auch die deutschen Junioren nicht weit an den Medaillen vorbei. David List fehlten als Fünfter nur 13 Sekunden auf Bronze. Der Titel ging an den Australier Cameron Wright vor dem Schweizer Joel Roth (+0:35) und dem Kanadier Holden Jones (+0:44).

David List kommentierte sein Rennen, erschöpft am Boden kauernd erst einmal aus einer positiven Perspektive. „Endlich mal wieder an einem Rennen, in dem ich alles aus mir rausholen konnte, endlich war der Druck wieder da.“ Erst dann mischte sich ein klein wenig Hadern in seine Bilanz. „Klar, es ärgert einen schon ein bisschen, wenn es so knapp ist zur Medaille, wenn alles so eng ist. Aber am Ende ist Fünfter in der Welt auch nicht schlecht.“

Das Rennen war nicht unbedingt optimal für ihn verlaufen. In der ersten Kurve nach der Startgeraden gab es einen Sturz. List kam zwar „gerade noch so“ vorbei, musste aber abbremsen und verlor rund zehn Positionen. Betrachtet man die 13 Sekunden, die ihm am Ende auf Bronze fehlten, war das vermutlich schon entscheidend. Allerdings gab es vermutlich auch ein paar Konkurrenten, denen es genauso ging.

David List: Bestzeit in Runde vier

Jedenfalls wurde David List nach der 1,6 Kilometer langen Startrunde im Vergleich zu den am Ende vorne platzierten Fahrern als 23. am weitesten hinten geführt. Was zur Folge hatte, dass er sich am Anstieg ohne Überholmöglichkeiten das Tempo von langsameren Konkurrenten diktieren lassen musste. „Ich konnte die ersten drei Runden am Berg eigentlich nie hundert Prozent fahren“, erklärte List.

Er verbesserte sich zwar Gruppe um Gruppe und lag nach der Hälfte des Rennens schon in der Formation bis Rang vier, doch erst in der vierten fünf Schleifen konnte er sein Tempo fahren. Prompt lieferte er die Rundenbestzeit ab.

Doch zu diesem Zeitpunkt waren der Schweizer Joel Roth und der Kanadier Holden Jones bereits 50 Sekunden vor den Verfolgern um List. Zu viel, um noch mal in den Kampf um die Medaillen einzugreifen, auch wenn der Abstand noch ziemlich zusammen schmolz.

Der Italiener Juri Zanotti passierte List nachdem der Friedrichshafener sich einen kleinen Rutscher erlaubte und war am letzten Anstieg noch mal einen Tick stärker als der Deutsche Junioren-Meister.

So wurde es Platz fünf, den List bei der Zieldurchfahrt mit einer geballten Faust quittierte.

Tim Meier unzufrieden mit Platz 13

Tim Meier (Rheinfelden) belegte einen guten 13. Platz (+2:46), war mit sich aber überhaupt nicht zufrieden. „Zwei Rennen, zwei schlechte Ergebnisse. Und dafür trainierst du das ganze Jahr“, sagte er enttäuscht den Kopf schüttelnd. „Der Start war schon schlecht, man hat vor lauter Staub den Vordermann nicht mehr gesehen. Ich habe probiert vorzufahren, hatte am Berg auch guten Druck auf dem Pedal, aber bin irgendwie nicht nach vorne gekommen.“

Bundestrainer Marc Schäfer klopfte ihm aber auf die Schulter. „Ich denke, du bist ein gutes Rennen gefahren“, sagte Schäfer.

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Ihm war’s eher ein Rennen zum Wegwerfen: Tim Meier ©Erhard Goller

Kaiser fährt stärkstes Saison-Rennen

Leon Reinhard Kaiser aus Essen fuhr für seine Verhältnisse ein sehr gutes Rennen. Als 24. (+3:49) lieferte er seine beste Saisonleistung ab.

Er konnte vom Sturz in der Startphase ein wenig profitieren, so dass er gleich eine gute Position finden konnte. „In der zweiten Runde habe ich dann ein wenig ruhiger gemacht“, so Kaiser, „ab da lief es einfach.“ Er setzte sich an 25. Position fest, steigerte sich in der Vorschluss-Runde noch, um dann wegen einer herunter gefallenen Kette in der letzten Runde noch mal vier Plätze herschenken zu müssen. Darüber hadern wollte der  Vertreter des jüngeren Jahrgangs aber nicht. „Es war trotzdem geil, ich bin super zufrieden.“

Niemeyer hält sich an Kaiser

Auch dem zweiten deutschen Vertreter des jüngeren Jahrgangs, Jakob Niemeyer, glückte die Startphase ganz gut. „Ich habe mich hinter Leon gehalten, weil ich weiß, das ist ein guter Starter, der findet immer die Lücken. So hatte ich eine gute Ausgangsposition“, erklärte der Offenburger.

Seinen 36. Platz verbesserte er im letzten Drittel des Rennens noch mal um fünf Positionen und überholte dabei auch den Freiburger Jannick Zurnieden. „Ab der zweiten Runde lief es sehr gut und als ich am Schluss Jannick vor mir sah, hat mich das noch mal motiviert. Für meine erste WM bin ich sehr zufrieden“, so Niemeyer, der mit 5:12 Minuten Rückstand die Ziellinie überquerte.

Dagegen war Jannick Zurnieden nicht besonders glücklich über seine WM-Rennen. „In der Startphase hat alles so gestaubt und ich habe den Staub in die Lunge bekommen“, erklärte Zurnieden. „Dann hatte ich Probleme mit der Atmung und einfach keine Kraft. Ich habe mir sicherlich ein besseres Ergebnis erhofft.“ Er wurde mit 5:13 Minuten Rückstand 32.

 

Joel Roth: Am Berg vermutlich der Stärkste

Im Kampf um den Titel hatte Cameron Wright schon in der Startrunde ein hohes Tempo vorgelegt. Die kleine Lücke, die entstanden war, konnte Joel Roth im ersten Anstieg schließen. Es war da nach hinten bereits ein beträchtlicher Abstand entstanden. Roth ging am Australier vorbei, doch der

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Das Duo Joel Roth und Holden Jones ©Erhard Goller

konterte gleich wieder.

Der Schweizer hielt in dieser Situation nicht voll dagegen, auch weil er nicht damit rechnete, was in

der langen Abfahrt passierte. Da nahm ihm Wright gleich 20 Sekunden ab und der Kanadier Holden Jones schloss zu ihm auf.

„Ich bin wegen dem Team Relay nur vier Runden auf dem Kurs gefahren. Am Berg war ich vielleicht der Stärkste, aber 20 Sekunden konnte ich natürlich nicht jede Runde schließen“, erklärte Roth im Ziel. „Um Weltmeister zu werden, muss man halt die ganze Runde schnell fahren. Deshalb hat er es auch verdient. Silber ist aber auch nicht schlecht.“

In der Schlussrunde konnte er Holden vollends abhängen und mit 35 Sekunden Differenz auf Wright (1:07:56) Silber erobern. Holden verteidigte auf der letzten Flachpassage noch vier Sekunden gegenüber Juri Zanotti aus Italien.

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