Interview mit Fabian Giger: Olympia-Quali hat mental den Stecker gezogen

In der kommenden Woche geht Vize-Europameister Fabian Giger (Kross Racing) als Titelverteidiger in das Afxentia Etappenrennen auf Zypern. Im Interview spricht der Schweizer über seine Vorbereitung, was ihn dazu bringt drei Monate vor dem Weltcup-Auftakt schon ein Rennen zu fahren und er blickt zurück auf die verpasste Olympia-Qualifikation.

 

ACC: Fabian, Du kommst gerade von einem Trainingslager aus Spanien zurück. Wie zufrieden bist Du mit Deinen Vorbereitungen auf die Saison 2017?

Fabian Giger: Sehr zufrieden. Ich war schon mit Swiss Cycling auf Gran Canaria für ein Grundlagentraining und dann mit dem Team in Valencia, wo wir Mountainbike und Technik trainiert haben und unsere neuen Mitas-Reifen getestet, sowie mit Rock Shox die Gabel abgestimmt haben.

Du wirst nächste Woche auf Zypern Dein erstes Rennen bestreiten

Stimmt. Seit 2010, meinem ersten Jahr bei Rabobank, komme ich jedes Jahr nach Zypern, dreimal habe ich das Afxentia gewonnen. Wir haben das 2017 zwar nicht im Team-Programm, aber mir gefällt das so gut, dass ich mich entschlossen habe selbst hinzufliegen.

Bis zum ersten Weltcup im Mai ist es noch lange hin. Macht das Sinn so früh Rennen zu fahren?

Für mich ist es ein Ziel, um im Februar schon fit zu sein. Darauf kann ich hinarbeiten und dann sehen ob ich mich mit anderen starken Leuten messen oder ob ich noch an was arbeiten muss. Ich brenne jedenfalls darauf wieder Rennen zu fahren und hatte noch nie Probleme bis zum Ende der Saison durchzuziehen.

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2016 auf Zypern erfolgreich: Fabian Giger ©Armin M. Küstenbrück/EGO-Promotion

Jaroslav Kulhavy kommt seit vielen Jahren nach Zypern und du jetzt auch schon zum achten Mal in Folge. Was macht es für Dich so reizvoll?

Zypern ist eine schöne Insel, die etwas sehr Ursprüngliches hat, etwas Unverwechselbares. Man weiß, dass man auf Zypern ist. Das Wetter ist günstig, die vier Tage Belastung beim Afxentia sind für mich perfekt und die Konkurrenz macht das Rennen zu einem Gradmesser.

Letztes Jahr bist Du mit dem Sieg beim Afxentia in die Olympia-Saison gestartet. Mit der Qualifikation hat es dann aber nicht geklappt. Was war der Knackpunkt?

Ich habe mich so stark gefühlt wie noch nie. Der erste Weltcup in Cairns war mit Platz acht solide und ich habe zwei weitere Rennen gewonnen. Für Albstadt wäre ich parat gewesen (davor war Giger noch Zweiter bei der EM), doch dann kam dieser dumme Sturz und der Defekt. Die verpasste Olympia-Quali hat mir den Stecker gezogen, danach hat es im Kopf nicht mehr gepasst. Es ging nur noch drum die Saison durchzustehen, das war mental eine schwierige Situation.

Es gibt viele große Rennen. Ist es nicht problematisch sich mental auf dieses eine einzige zu fokussieren?

Das ist ganz normal, das passiert automatisch weil es ein Kindheitstraum ist. Seit ich zehn Jahre alt bin, träume ich davon. Dass nur drei Schweizer da hin dürfen ist natürlich schon schwierig. Aber jetzt ist es wieder vorbei, zwei, drei Jahre redet niemand davon. Ich denke für Tokio werde ich aber versuchen das lockerer zu nehmen.

Und auf was konzentrierst du dich 2017?

Ich bin grundsätzlich positiv gestimmt und werde dieses Jahr wieder einen Anlauf nehmen. Ich bin optimistisch, dass ich regelmäßig in die Top Ten und auch mal in die Top Fünf fahren kann. Ein Weltcup-Podest zählt. In Albstadt und im Val di Sole könnte es für mich am besten passen.

Du hast in der Elite schon zwei EM-Medaillen. Wäre eine WM-Medaille noch mal ein großes Ziel?

Sicher, das ist immer ein Ziel, etwas das zählt. Cairns ist natürlich speziell mit der Zeitverschiebung und dem Klima. Die Strecke sollte mir grundsätzlich passen und ich denke, es ist für mich schon möglich dort gut zu fahren.

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Zweimal EM-Silber hat Fabian Giger schon. Hier links neben Julien Absalon und Ondrej Cink ©Armin M. Küstenbrück/EGO-Promotion

Mit dieser Saison bist du nicht mehr der einzige Schweizer im polnischen Kross Racing Team. Die Weltranglistenerste Jolanda Neff hat bei euch unterschrieben. Denkst du, sie wird dir ein wenig Aufmerksamkeit nehmen?

Das stört mich gar nicht. Wenn ich meine Leistung bringe, komme ich schon zu der Präsenz, die mir zusteht. Dass Jolanda bei uns fährt, macht das Team internationaler und es wird mehr Englisch gesprochen. Sie ist die Nummer eins der Welt und das nimmt auch ein bisschen Druck weg. Wenn die beiden Frauen gut fahren, dann muss ich nur noch nachlegen. Wenn die Sponsoren zufrieden sind, dann ist das gut für alle.

Ein polnisches Team wird in Mittel-Europa nicht ganz so stark wahrgenommen, vielleicht schon wegen der Sprache.

Das stimmt, aber mit Jolanda wird das Team jetzt anders wahrgenommen, das hat sich jetzt schon verbessert. So wie es das Team verdient hat, denn das Material ist auch top.

Wie erlebst du die polnische Mentalität?

Sehr positiv. Maja (Wloszczowska) ist sowieso sehr umgänglich, die Betreuer sind kompetent und menschlich passt es. Ich weiß nicht ob das typisch polnisch ist, aber ich habe nur gute Erfahrungen gemacht. Polen ist ein schönes Land, wird vielleicht oft unterschätzt. Es gibt auch coole Bikeparks dort.

Nach dem Aus von Colnago Südtirol hätte man deinen Wechsel zu Kross auch als Notlösung interpretieren können.

Nein, das ist es überhaupt nicht. Es ist das perfekte Team. Ich habe mich nach der vergangenen Saison gar nicht mehr woanders umgeschaut und noch mal für zwei Jahre unterschrieben. Es gab keine Diskussionen und auch keinen Druck wegen der verpassten Olympia-Quali.

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Fabian Giger fühlt sich wohl beim Kross Racing Team ©Andreas Dobslaff/EGO-Promotion

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Kross?

Die Firma nutzt uns als Werbeträger und will mit uns ihr Image aufbessern. Sie wollen top Fahrräder bauen und haben das meiner Meinung nach auch geschafft. Wir können froh sein, dass Kross bereit ist, in den Sport zu investieren. Wir können Einfluss nehmen auf die Entwicklung der Bikes. 2017 wird es ein Fully geben und wir wurden dazu gefragt. Es ist ein schöner Dialog.

Im Team fahren mit dir und Bartlomej Wawak zwei Herren und zwei Damen, zwei Schweizer, zwei Polen. Harmoniert das?

Das ist eine coole Konstellation. Bart hat ein hohes Niveau, wir können uns gegenseitig pushen und das gilt auch für Maja und Jolanda.

Maja steht als zweifache Olympia-Silbermedaillengewinnerin und Polin vermutlich viel am meisten im Fokus, oder?

Viel läuft über Maja, klar. Nach dem erneuten Silber in Rio sowieso. Aber sie nimmt sich auch zurück und verhält sich wie ein normales Team-Mitglied. Sie äußert ihre Wünsche, aber spielt sich damit nicht in den Vordergund. Sicher ist sie für Kross sehr wichtig. Aber unser Team-Manager Tomasz Swierczynski wirkt auch ausgleichend. Es ist schön zu sehen, wie viel Sozialkompetenzen Maja mit einbringt.