Sprint-DM Bodenmais: Um Medaillen und WM-Fahrkarten

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Die Final-Besetzung 2015, Simon Gegenheimer war nicht am Start. Von links: Felix Klausmann, David Horvath, Simon Stiebjahn und Marco Schätzing ©Armin M. Küstenbrück/EGO-Promotion

Die besten deutschen MTB-Sprinter kämpfen am Samstag in Bodenmais auf einem Innerort-Kurs zum fünften Mal um den Titel des Deutschen Eliminator-Meisters. Bis auf zwei sind bei den Herren alle bisherigen Medaillengewinner am Start, allen voran der zweifache Meister Simon Gegenheimer von Rose-Vaujany fueled by Ultrasports. Es geht im Bayrischen Wald auch um die Verteilung der WM-Tickets.

Man fischt ein wenig im Trüben, wenn man sich auf die Suche nach den Favoriten macht. Das Frühjahr gab keine wirklichen Hinweise. Marco Schätzing (Fujibikes-Rockets) hat zwar einen Citysprint in Belgien gewonnen, dann aber bei der EM gleich in der ersten Runde die Segel gestrichen. Heiko Hog (Freiburger Pilsner-AfK) und Vitus Wagenbauer (Herbaria) wurden im Viertelfinale der Europameisterschaften jeweils abgeschossen, so dass auch da offen bleibt, was sie im Sprint drauf haben.

Es bleibt also nur der Blick auf 2015 oder noch weiter zurück, um die Sprint-Kapazitäten zu eruieren. Außer dem verletzten Markus Bauer (Kreidler Werksteam) und Andy Eyring, der jetzt im Enduro antritt, sind immerhin alle Medaillengewinner der bisherigen vier Sprint-Meisterschaften am Start.

Die Strecke führt über 90 Prozent Asphalt und 10 Prozent Wiese. Wobei vom Asphalt-Anteil wiederum rund die Hälfte Kopfsteinpflaster ist. Zwei Steilkurven, zwei kleine Sprünge und Schotterwellen stellen sich auf den knapp 800 Metern in den Weg. Ein Anstieg ist mit drin. In den Heats sollen zwei Runden gefahren werden.

Die Quali wird am Marktplatz von Bodenmais um 12.30 Uhr gestartet, die Heats beginnen um 20 Uhr. Auf die Abend-Atmposphäre darf man gespannt sein.

Aus der Deutschen Meisterschaft rekrutieren sich auch die Starter bei der Eliminator-WM in Nove Mesto (29. Juni). Allerdings qualifiziert sich nur der Titelträger direkt.

Gehen wir die Kandidaten mal durch, immer im Hinterkopf, dass es im Sprint fast regelmäßig auch Überraschungen gibt. Siehe Felix Klausmann (Link Rad Quadrat) im letzten Jahr.

Simon Gegenheimer (Remchingen/Rose-Vaujany fueled by Ultrasports, 27) ist wohl der deutsche Sprinter mit der größten Kapazität. Er hat zwei Sprint-Weltcups gewonnen, war 2012 und 2013 Deutscher Meister in dieser Disziplin und 2015 zudem WM-Dritter. Das stempelt ihn zumindest zu einem der Favoriten.

Das sagte er vergangene Woche in einem Interview: „Weil ich nur drei Wochen Vorbereitung habe, werde ich in Bodenmais nicht ganz erholt sein, aber ich werde voll motiviert sein. Es ist eine DM und jeder will den Titel, wie ich natürlich auch. Es geht aber auch darum Material und Taktik für die WM zu testen. Ich werde also schon mit dem Material am Start stehen, das ich auch bei der WM benutze.“

Simon Stiebjahn (Titisee-Neustadt/Team Bulls, 26) ist ein Allrounder und in drei MTB-Disziplinen erfolgreich. Seit Jahren gehört er zu den besten deutschen Sprintern. 2014 wurde er Deutscher Meister, 2015 knapp geschlagen Zweiter. 2014 war er in Albstadt Weltcup-Fünfter in dieser Disziplin und insgesamt dreimal gewann er die Bundesliga-Sprintwertung.

Am vergangenen Sonntag wurde er im lettischen Sigulda auf der Marathon-Distanz Vierter, einer Disziplin in der Stiebjahn 2015 auch Deutscher Vizemeister wurde. Er kann also lang und kurz. Vor der Sprint-DM sagt er Folgendes:

„Der vierte Platz in Lettland war eine Bestätigung für die Form und wichtig für den Kopf. Die Sprint-DM nehme ich mal so mit und schaue was dabei rauskommt. Ich habe mich nicht speziell vorbereitet, aber das habe ich auch die vergangenen Jahre nicht getan. Ich habe am Wochenende keinen Druck, aber wenn ich nicht die Chance auf eine Medaille sehen würde, dann würde ich nicht am Start stehen.“

David Horvath (Freiburg/Lexware Mountainbike Team, 20) ist der Titelverteidiger. Er hat nicht nur schnelle Beine, sondern ist auch ein starker Fahrtechniker. 2015 wurde er hinter Stiebjahn Gesamt-Zweiter in der Bundesliga-Sprint-Wertung und war WM-Zehnter, eine Eintagsfliege ist er also nicht. Horvath hat allerdings ein von Krankheit und Abitur geprägtes Frühjahr hinter sich und kommt direkt aus dem Livigno-Höhentrainingslager mit der Nationalmannschaft. Die Vorbereitung war 2015 sicher definierter.

„Von der Vorbereitung her wird es schwerer meinen Titel gegen die starke Konkurrenz zu verteidigen, aber ich werde dennoch alles geben was ich habe um aufs Podest zu kommen“, meint Horvath.

Heiko Hog (Breitnau/Freiburger Pilsner-AfK, 21) wurde 2015 überraschend Vize-Europameister im Sprint. Allerdings hatte er zuvor schon gezeigt, dass ihm diese Disziplin liegt. Der Schwarzwälder hat voriges Jahr den Bundesliga-Sprint in Wombach gewonnen, auch gegen den späteren Europameister Jeroen van Eck aus den Niederlanden und war am Ende Gesamt-Dritter der Serie.

Er sagt: „Bei der EM hat es sich eigentlich ganz gut angefühlt, mal schauen ob sich das bei der DM wiederholen lässt. Ich will keine großen Töne spucken, die Konkurrenz ist groß. Es gibt bestimmt fünf, sechs, sieben Kandidaten. Man muss ziemlich konzentriert und auf der Hut sein.“

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Im Sprint kann’s ruckzuck gehen, dann sind Medaillenkandidaten raus. Wie hier bei der DM in Ortenberg als es Heiko Hog und Heiko Gutmann (am Boden) erwischte ©Armin M. Küstenbrück/EGO-Promotion

Christian Pfäffle (Neuffen/Stevens MTB Racing, 23) hat 2013 in Nove Mesto als Zweiter einen Sprint-Weltcupsieg nur knapp verpasst. Bei der Premieren-WM 2012 war er Vierter. Die erste Auflage der Eliminator-DM beendete er als Zweiter, ein Jahr später war Dritter. Das sind genügend Bestätigungen für seine Qualitäten in dieser Disziplin. Allerdings hat er längere Zeit auf einen Einsatz auf der Kurz-Distanz verzichtet.

Im Blick auf die Sprint-DM erklärt Pfäffle: „Ich freue mich wieder mal ins Sprint-Geschehen einzugreifen. Ich bin ja schon lange keinen Sprint mehr gefahren. Für mich ist es ein Intervall-Training im Blick auf die (Cross-Country-) Weltmeisterschaften. Wenn der Kurs passt, ist das Halbfinale drin.“

Vitus Wagenbauer (Miesbach/Herbaria, 25) war bei der EM in Schweden Elfter, im Vorjahr bei den Europameisterschaften Zwölfter. Ihn könnte man fast schon als Spezialist bezeichnen.

„Ich bin top fit und motiviert“, sagt Wagenbauer und hofft auf einen technisch anspruchsvollen Kurs.

Marco Schätzing (Dresden/Fujibikes-Rockets, 31), gilt seit Jahren als einer der besten deutschen Sprinter gilt und war 2015 DM-Vierter. Eine Medaille fehlt ihm noch. Diese Saison konnte er in Antwerpen schon einen Lauf der Citysprint-Serie für sich entscheiden, unter anderem gegen Ex-Weltmeister Fabrice Mels aus Belgien.

Keinesfalls unterschätzen sollte man auch Felix Klausmann (Hausach/Link Rad Quadrat, 19). Als 18-Jähriger war er im vergangenen Jahr im hessischen Ortenberg die Überraschung, die es im Sprint immer wieder gibt und holte sich Bronze.

Und dann ist da noch Heiko Gutmann (Lexware Mountainbike Team/Münstertal, 29), der im Sprint-Weltcup zwei sechste Plätze verbuchte und eine DM-Bronze-Medaille 2014. In dieser Saison hat er sich auf Enduro verlegt und nimmt die Sprint-DM einfach mal so mit. „Ich bin ja nur noch Wochenend-Radler“, sagt Gutmann, „mal schauen wie es läuft.“

Die bisherigen Top Drei bei den Deutsche Meisterschaften Eliminator Sprint

2012   Kirchzarten

Herren: 1. Simon Gegenheimer, 2. Christian Pfäffle, 3. Andy Eyring

2013   Singen/H.

Herren: 1. Simon Gegenheimer, 2. Andy Eyring, 3. Christian Pfäffle

2014   Saalhausen

Herren: 1. Simon Stiebjahn, 2. Markus Bauer, 3. Heiko Gutmann

2015 Ortenberg

Herren: 1. David Horvath, 2. Simon Stiebjahn, 3. Felix Klausmann