Swiss Bike Cup Gränichen Nachgedreht: Zu hundert Prozent Mountainbike

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“Genau mein Ding”: Thomas Litscher im Schlammbad ©Armin M. Küstenbrück/EGO-Promotion

Im Matsch von Gränichen ist einiges an Informationen liegen geblieben. Zum Beispiel wer verhinderte, dass Reto Indergand den Anschluss halten konnte, wer die beste Rundenzeit fuhr, für wen das „genau mein Ding“ war und wem die Spannung gefehlt hat. Oder die über ein „unbeschreibliches Erlebnis“ und dem fehlenden Rennglück einer Lokalmatadorin, fehlende Ausdauer und (Fern-)Vergleich der jungen Schweizer Garde. Vom Swiss Bike Cup Nachgedreht, was hier noch nicht geschrieben stand.

 

Reto Indergand (BMC Racing) blieb sehr hartnäckig lange in Schlagdistanz des Spitzenduos Schurter/Vogel und unterstrich mit seinem dritten Platz den erneuten

Qualitäts-Sprung gegenüber 2016. Dass er schon in der ersten Runde den Anschluss an seine beiden Landsleute verpasste, das lag am Neuseeländer Sam Gaze (Specialized Racing). Der U23-Weltcup-Leader ging an dritter Stelle, vor Indergand, in den ersten Singletrail. Doch, so mutmaßt der Eidgenosse, hatte Gaze etwas überzogen, denn der Kiwi machte Fehler und stürzte schließlich noch in der ersten Abfahrt, womit er den Rest der Konkurrenz erst mal blockierte. In der zweiten Runde gab Gaze das Rennen auf.

„Ich wollte in die Top Fünf, deshalb bin ich sehr glücklich mit dem dritten Platz. Ich konnte noch die Reifen wechseln, als es vor dem Rennen zu regnen begann, das war definitiv die richtige Entscheidung“, meinte Indergand.

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Bahnte ich den Weg zu Platz drei: Reto Indergand ©Armin M. Küstenbrück/EGO-Promotion

 

Hinter ihm kämpfte Matthias Stirnemann (Möbel Märki) um den Anschluss. Stirnemann kommt aus Gränichen und das Team hat seine Basis im nahen Hunzenschwil. Insofern war Stirnemann also doppelt und dreifach motiviert. Stirnemann hatte in der ersten Runde einen kleinen Rutscher, klickte aus dem Pedal und verlor dadurch einige Positionen. So musste er sich von Platz elf erst wieder nach vorne kämpfen und er tat das mit schnellen Rundenzeiten, in der vierten Schleife sogar mit Bestzeit. Wenn man von der ersten Runde absieht, war das auch die schnellste Umrundung der 4,44 Kilometer überhaupt. Auch Schurter und Vogel konnten diese Zeit nicht unterbieten.

Das lässt Team-Chef Roger Märki mit dem Gedanken spielen, was wohl drin gewesen wäre, wenn…Nur noch zehn Sekunden verlor Stirnemann auf Sieger Nino Schurter nach Runde eins.

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Matthias Stirnemann: Nach Sturz in Runde eins zur Aufholjagd gezwungen ©Armin M. Küstenbrück/EGO-Promotion

 

Thomas Litscher (Multivan-Merida) ist so ein Mountainbiker, dem es nicht nass und dreckig genug sein kann. „Genau mein Ding“, notierte Litscher nach dem Schlammbad in Gränichen. Dort waren die Anstiege allerdings erfreulicherweise präpariert und weitgehend fahrbar, so dass es sich nicht um eine Lauf-Veranstaltung handelte, sondern vor allem um eine fahrtechnische Herausforderung.

„In der Startphase hat es mich aufs Maul gelegt, aber es war sau geil. Das sind meine Verhältnisse, zu hundert Prozent Mountainbike. Da braucht’s alles“, kommentierte Litscher.

Und: „Super, bei mir geht’s bergauf. Nach den zwei Weltcups war ich schon nicht mehr so frisch, aber die Verhältnisse sind mir entgegen gekommen“, meinte er zu seinem fünften Platz.

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Matthias Flückiger (Stöckli Pro Team) hatte zu Beginn des Rennens Probleme mit einem verrutschten Sattel, war aber auch danach nicht ganz auf der Höhe seines Leistungsvermögens. „Nach den mental anstrengenden Wochen mit der Olympia-Qualifikation habe ich heute nicht ganz die Spannung aufgebracht, es hat etwas an Power gefehlt“, bekannte Flückiger. „Ich war vielleicht noch etwas müde.“ Immerhin habe er „einen guten Rhythmus“ durchgezogen, der ihn auf Rang sechs ins Ziel brachte.

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Kathrin Stirnemann (Haibike-Ötztal) hat sich vor heimischem Publikum vielleicht etwas mehr erhofft, als den achten Platz, der es am Ende war. Sie kämpfte mit Sabine Spitz und Yana Belomoina (CST Superior Bikes), musste den beiden Konkurrentinnen im Kampf um den sechsten Platz aber den Vortritt lassen.

„Ich konnte heute nicht meine beste Leistung abrufen. Doch war es wieder ein unbeschreibliches Erlebnis vor heimischem Publikum zu fahren und im Schlamm zu suhlen“, wird Stirnemann in einer Pressemitteilung zitiert.

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Kathrin Stirnemann: Spaß vor heimischer Kulisse, aber nicht ganz in der gewünschten Tagesform ©Armin M. Küstenbrück/EGO-Promotion

 

Esther Süss (Wheeler-iXS) fabrizierte in der ersten Runde einen Sturz, bei dem sich ihr Lenker verdrehte. Der Stopp in der Technischen Zone habe eine gefühlte Ewigkeit gedauert, schreibt sie auf ihrer Homepage. Bis auf Platz 21 wurde sie durchgereicht. Die Aufholjagd endete schließlich auf dem neunten Platz. Irina Kalentieva war das letzte „Opfer“ ihres Engagements. Dennoch war Esther Süss „enttäuscht“. Im Moment würde einfach das „Rennglück“ fehlen, meint sie im Blick auf die vergangenen Wochen.

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Die angesprochene Irina Kalentieva (Möbel Märki) musste nach Platz zehn konstatieren, dass die lange Pause durch die Blinddarm-OP doch ziemlich ins Kontor geschlagen hat. „Mir fehlt eindeutig die Ausdauer“, wird sie in einer Pressemitteilung des Teams zitiert. Die nur fünf Wochen Formaufbau machen sich jetzt „brutal bemerkbar.“ Jetzt bleiben nur noch vier Wochen Trainingszeit bis zur WM, um das zu korrigieren. Keine leichte Aufgabe.

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Alessandra Keller (Stöckli Pro Team) hatte gleich in der ersten Runde ein Material-Problem, das sie weit zurückwarf. Erst als 33. kam sie an die Zeitmessung, dabei war sie als Dritte in den ersten Singletrail gekommen und hatte sich schon auf die Auseinandersetzung mit dem Rest der jungen Schweizer Garde gefreut. Doch so gab es den Vergleich mit Jolanda Neff, Linda Indergand und Sina Frei nur aus der Ferne. Dreimal lieferte Keller die viertbeste Rundenzeit, nur in der vorletzten Schleife, als sie wieder zwei Minuten verlor, konnte sie nicht mit Indergand, Dahle-Flesjaa und Frei konkurrieren.

„Ich hatte super Beine, aber ich kann es nicht mehr ändern“, zuckte sie im Ziel mit den Schultern.